Vulcan Energy hat mit der am Donnerstag vorgelegten Vorstudie zu Project Ludwig belegt, dass sich die Lithiumproduktion im Oberrheingraben wiederholen lässt – und das offenbar wirtschaftlicher als beim ersten Projekt Lionheart. Die Aktie legte seither um 1,3 Prozent zu, bewegt sich damit aber weiter in einem seit Monaten angeschlagenen Kursumfeld.

Bessere Kennzahlen als beim Vorgängerprojekt

Die Phase-Zwei-Studie weist für Ludwig eine Rendite nach Steuern von 20,2 Prozent aus, deutlich mehr als die 13,7 Prozent, die für Lionheart in der ersten Projektphase kalkuliert wurden. Geplant sind 21.100 Tonnen batteriefähiges Lithiumcarbonat pro Jahr sowie zusätzlich rund 3.125 Gigawattstunden erneuerbare Wärme jährlich, über eine Projektlaufzeit von 30 Jahren.

Der Kapitalwert vor Steuern liegt bei 2,6 Milliarden Euro, nach Steuern bei 1,727 Milliarden Euro. Für die Umsetzung veranschlagt Vulcan Energy ein Entwicklungskapital von 1,26 Milliarden Euro, inklusive eines Sicherheitspuffers von 15 Prozent.

Bemerkenswert ist vor allem die Kapitaleffizienz: Ludwig soll pro Tonne produziertem Lithiumcarbonat 15 Prozent weniger Kapital binden als Lionheart. Bei den Betriebskosten kalkuliert das Unternehmen mit 4.101 Euro je Tonne Li2CO3 – ein Wert, der das Projekt nach eigenen Angaben im günstigsten Viertel der Branche verortet. Für Anleger ist das ein Signal, dass Vulcan Energy sein Direct-Lithium-Extraction-Modell nicht nur einmalig, sondern skalierbar wiederholen kann.

Ressourcenbasis deutlich ausgeweitet

Parallel zur Wirtschaftlichkeitsstudie hat Vulcan Energy die Ressourcenschätzung für Ludwig kräftig nach oben korrigiert. Die als „Indicated“ eingestufte Ressource stieg um 91 Prozent auf 1.251 Kilotonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent bei einer Konzentration von 155 Milligramm pro Liter.

Die „Inferred“-Ressource wuchs um 5 Prozent auf 2.230 Kilotonnen. Erstmals legte das Unternehmen zudem eine geothermische Ressourcenschätzung vor: 193 Petajoule in der gesicherten und 295 Petajoule in der weniger gesicherten Kategorie.

Diese Aufwertung der Ressourcenbasis stützt die Investitionslogik hinter Ludwig und dürfte im weiteren Finanzierungsprozess eine Rolle spielen. Vulcan Energy treibt das Projekt nun in die nächste Definitionsphase: Geplant sind seismische 3D-Untersuchungen, weitere Erkundungsbohrungen und eine finale Machbarkeitsstudie.

Zugleich hat das Unternehmen einen strategischen Partnerprozess auf Projektebene gestartet, um einen Minderheitsinvestor zu gewinnen – die Mehrheitskontrolle soll dabei bei Vulcan Energy verbleiben.

Investitionsentscheidung erst nach Lionheart-Produktionsstart

Eine finale Investitionsentscheidung für Ludwig will das Unternehmen erst treffen, wenn die Produktion bei Lionheart angelaufen ist. Diese Sequenzierung begrenzt das Risiko, zwei Großprojekte parallel zu stemmen, verzögert aber auch den Zeitpunkt, an dem Ludwig konkrete Cashflows liefern könnte.

Für die Aktie bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Operativ liefert Vulcan Energy mit der Ludwig-Studie einen handfesten Fortschrittsnachweis für sein Geschäftsmodell der Lithium- und Wärmegewinnung aus geothermischen Solen.

Der Kurs von 1,66 Euro liegt jedoch weiterhin rund 60 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 4,15 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres markiert wurde – ein Abstand, der zeigt, wie stark das Vertrauen der Anleger in den vergangenen Monaten gelitten hat, unabhängig von den technischen Fortschritten des Unternehmens.