Vulcan Energy Resources baut sein Aufsichtsgremium um, während das Unternehmen operativ Fortschritte bei seinem milliardenschweren Lithiumprojekt Lionheart meldet. Zugleich hat ein australisches Analysehaus sein Kursziel für die Aktie deutlich gesenkt.

Lacaze zieht ins Board ein

Vulcan Energy hat Amanda Lacaze, ehemalige Geschäftsführerin und CEO von Lynas Rare Earths, zur unabhängigen nicht-geschäftsführenden Direktorin berufen. Der Schritt wird am 17. August wirksam. Lacaze übernimmt zudem einen Sitz im Audit-, Risiko- und ESG-Ausschuss des Unternehmens. Mit ihrer Erfahrung aus dem Bereich seltene Erden bringt sie Branchenkenntnis aus einem verwandten Rohstoffsegment ins Gremium.

Die Personalie reiht sich in eine breitere Umgestaltung des Boards ein. Bereits im Zuge des jüngsten Quartalsberichts wurde Roberto Gallardo, Chief Strategy Officer von Hochtief und Präsident sowie Executive Director der CIMIC Group, in das Vulcan-Board berufen. Hochtief ist mit 15,4 Prozent größter Einzelaktionär von Vulcan Energy, wie aus einer Unternehmenspräsentation von Ende Juli hervorgeht. Der australische Bergbaukonzern Hancock Prospecting von Gina Rinehart hält demnach noch rund 3,7 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber etwa 6,49 Prozent vor einer stark rabattierten Kapitalerhöhung im vergangenen Dezember.

Fortschritte bei Lionheart trotz Verwässerung

Operativ kann Vulcan Energy auf handfeste Meilensteine verweisen. Im zweiten Quartal erreichte das Unternehmen den finanziellen Abschluss für die Phase-Eins-Finanzierung des Lionheart-Projekts in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Der sechste Produktionsbrunnen wurde erfolgreich fertiggestellt, der siebte planmäßig begonnen. Siemens erhielt zudem einen bedeutenden Lieferauftrag, mit dem die zentralen Zulieferverträge für Lionheart komplettiert wurden.

Auch regulatorisch kam Bewegung ins Projekt: Das Land Rheinland-Pfalz gewährte eine landesweite Befreiung von der Lithium-Förderabgabe. In Frankfurt fand zudem der Spatenstich für die geplante Lithium-Chemieanlage statt, begleitet von ersten Erdarbeiten. Diese Fortschritte bauen auf der im März erteilten LiThermEx-Lizenz auf, mit der Vulcan die erste Lithium-Förderlizenz Deutschlands im Oberrheingraben sicherte und damit das Flaggschiffprojekt entscheidend entrisikierte. Die Phase-Eins-Anlage soll nach Unternehmensangaben knapp 1,5 Milliarden Euro kosten, nachdem im Dezember 2025 die positive finale Investitionsentscheidung gefallen war.

Analysten skeptischer, Kurs erholt sich

Trotz dieser operativen Fortschritte zeigte sich das australische Analysehaus Bell Potter zuletzt zurückhaltender: Es senkte sein Kursziel für Vulcan Energy Anfang August um 26 Prozent auf 4,50 australische Dollar je Aktie. Die Anpassung dürfte auch die deutliche Verwässerung durch die Kapitalerhöhung vom Dezember sowie die gestiegenen Projektkosten widerspiegeln.

An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt dennoch erholt: Am Freitag schloss das Papier bei 1,78 Euro, ein Plus von 4,76 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht summiert sich der Zuwachs auf 15,78 Prozent. Gemessen am Rekordhoch von 4,15 Euro vom Oktober vergangenen Jahres bleibt der Abstand mit einem Minus von 57,04 Prozent jedoch erheblich – ein Hinweis darauf, dass der Markt die milliardenschwere Finanzierung und die operativen Fortschritte bislang nur zögerlich in den Kurs einpreist. Für Anleger dürfte entscheidend bleiben, ob sich die Fortschritte bei Lionheart in den kommenden Quartalen auch in konkreten Produktionszahlen niederschlagen. Sektorbeobachter verweisen zudem auf zunehmende politische Rückenwinde in Europa: Westliche Regierungen bauen ihre Unterstützung für heimische Projekte kritischer Rohstoffe über Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen aus, was Bankfinanzierungen für Projekte mit belastbarer Lieferkettensicherheit erleichtert.