Vulcan Energy hat die Vorstudie zum Projekt Ludwig in Ludwigshafen abgeschlossen und damit den zweiten Baustein seiner deutschen Wachstumsstrategie vorgelegt. Die Zahlen fallen deutlich besser aus als beim bereits laufenden Vorzeigeprojekt Lionheart – ein Signal, dass sich das Geschäftsmodell des Lithium- und Geothermieunternehmens im Oberrheingraben wiederholen lässt.
Bessere Wirtschaftlichkeit als bei Lionheart
Die Preliminary Feasibility Study weist für Ludwig einen Kapitalwert vor Steuern von 2,6 Milliarden Euro bei einem internen Zinsfuß von 25,0 Prozent aus. Nach Steuern liegt der Netto-Barwert bei 1,7 Milliarden Euro, die Rendite bei 20,2 Prozent.
Die geplante Investitionssumme beträgt 1,26 Milliarden Euro und damit rund 15 Prozent weniger Kapitalintensität als beim Schwesterprojekt Lionheart. Vulcan kalkuliert mit Betriebskosten von 4.101 Euro je Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent – ein Wert, der die Anlage im unteren Kostensegment der Branche positionieren würde, sollte er sich bestätigen.
Ludwig soll über eine Laufzeit von 30 Jahren jährlich 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat sowie 3.125 Gigawattstunden Wärme aus geothermischen Quellen liefern. Das Unternehmen kombiniert damit erneut Lithiumgewinnung mit Fernwärmeversorgung – ein Ansatz, der die CO2-Bilanz gegenüber klassischen Hartgestein- oder Solebetrieben verbessern soll und der bereits Kern des Lionheart-Konzepts ist.
Ressourcenbasis wächst kräftig
Parallel zur Studie hat Vulcan die geologische Datenbasis für Ludwig deutlich ausgebaut. Die als „Indicated“ eingestuften Ressourcen legten um 91 Prozent auf 1.251 Kilotonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent zu.
Erstmals liegen zudem Geothermie-Ressourcenschätzungen vor: 193 Petajoule in der gesicherten und 295 Petajoule in der geschätzten Kategorie. Diese Aufwertung der Ressourcenbasis stützt die Annahme, dass sich das Ludwig-Areal langfristig für einen wirtschaftlichen Betrieb eignet.
Eine finale Investitionsentscheidung für Ludwig will Vulcan erst treffen, wenn die Produktion am ersten Standort Lionheart angelaufen ist. Das Unternehmen verfolgt damit eine sequenzielle Strategie: Erst soll sich das Erstprojekt im Betrieb beweisen, bevor Kapital für den zweiten Standort gebunden wird.
Diese Vorsicht dürfte auch mit der angespannten Finanzierungslage vieler Lithiumentwickler zusammenhängen, nachdem die Rohstoffpreise über weite Strecken der vergangenen zwei Jahre unter Druck standen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse kam die Nachricht bislang nicht als klarer Kurstreiber an. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 1,60 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,5 Prozent. Damit notiert das Papier weiterhin deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1,74 Euro – ein Hinweis darauf, dass Anleger die langfristigen Projektperspektiven derzeit dem kurzfristigen Marktumfeld unterordnen. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 757 Millionen Euro, weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch aus Mitte Oktober.
Für Investoren bleibt die zentrale Frage, ob Vulcan die in Ludwig skizzierten Kennzahlen tatsächlich in eine finanzierbare und genehmigungsfähige Anlage überführen kann. Die verbesserte Kapitaleffizienz gegenüber Lionheart ist ein positives Signal für die Wiederholbarkeit des Geschäftsmodells – der Praxistest steht aber noch aus, solange Lionheart selbst nicht in Produktion ist.
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