Liebe Traderinnen und Trader,

am Mittwoch um 22:00 Uhr legt Micron die Zahlen zum vierten Quartal vor. Der Termin liegt nach Xetra-Schluss, europäische Chipwerte können also erst am Donnerstag reagieren. Warum zählt Microns Ausblick auf die Bruttomarge für Nvidia, AMD und den ganzen Sektor mehr als die frisch angehobene Boom-Prognose der Bank of America?

Weil die Prognose bis 2030 reicht, die Marge aber zeigt, ob die Verknappung bei Speicherchips schon jetzt höhere Preise durchsetzt. Genau daran hängt die Bewertung des Sektors in den nächsten Sitzungen.

Micron: Was am Mittwoch ansteht

Die Bank of America hat ihre Wachstumsprognose für die US-Halbleiterindustrie bis 2030 um vier Prozentpunkte pro Jahr angehoben. Den adressierbaren Markt sieht die Bank bis dahin bei 3,2 Billionen Dollar statt zuvor 2,7 Billionen.

Zur Einordnung liefert sie einen Vergleich: Die Branche brauchte 50 Jahre für die erste Billion Dollar Umsatz, die heutige Marktgröße soll sich binnen vier Jahren verdoppeln. Als neue Wachstumstreiber rücken Speicherchips und Server-Prozessoren in den Fokus, die Ausgaben für die Wafer-Fertigung hebt die Bank deutlich an.

In dieses Bild fällt Microns Bericht. Der Markt rechnet mit einem potenziell massiven Margenaufschwung, getragen vom KI-Superzyklus und einer knapper werdenden Angebotslage bei DRAM- und NAND-Speichern. Über den Kurs entscheidet, wie hoch das Management die Bruttomarge für die kommenden Quartale ansetzt. Der Bericht zeigt damit, ob der Speicherboom rund um Künstliche Intelligenz noch Luft nach oben hat.

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Die Bank of America rechnet bis 2030 mit einem Halbleitermarkt von 3,2 Billionen Dollar – die Weichen für den nächsten KI-Zyklus werden schon jetzt gestellt. Ein kostenloser Report bündelt die zehn Big-Data-Aktien, die von diesem Megatrend profitieren könnten, übersichtlich und verständlich aufbereitet. Report jetzt herunterladen

Micron: Wie die Marge wirkt

Wird das Angebot an Speicherchips knapper, während die Nachfrage aus Rechenzentren steigt, ziehen die Preise schneller an als die Herstellkosten. Die Bruttomarge weitet sich dann aus, ohne dass der Hersteller ein einziges Stück mehr verkaufen muss. Deshalb ist die Margen-Prognose die ehrlichere Größe als der Umsatz: Sie trennt Preismacht von bloßem Volumen.

Für Trader heißt das: Bestätigt Micron eine steigende Marge, gilt die Verknappungsthese als belegt, und die gesamte Speicherkette bekommt Rückenwind. Bleibt der Ausblick hinter den Hoffnungen zurück, kippt die Erzählung vom Superzyklus in eine Debatte über das Tempo der KI-Investitionen. Diese Debatte läuft bereits.

Selbst die Bank of America räumt ein, dass kurzfristige Diskussionen über das Tempo der KI-Entwicklung für Unruhe sorgen, auch wenn die langfristige Prognose steht. Nach einer Woche, in der die Technologiewerte den breiten Markt klar hinter sich ließen, ist der Puffer für Enttäuschungen dünn.

Nvidia, AMD, Intel: Wer am Donnerstag mitreagiert

Für Nvidia kommt vom Wochenende ein zweiter Impuls. Nach einem Bericht von The Information signalisiert Peking, dass ByteDance und Alibaba einen neuen Nvidia-Chip für professionelle Rechner kaufen dürfen. Reuters konnte den Bericht nicht bestätigen.

Die Meldung passt zum Trump-Xi-Gipfel in Washington. China und die USA einigten sich dort laut Xinhua auf gegenseitige Zollsenkungen im Volumen von 30 Milliarden Dollar und einen Dialog über Künstliche Intelligenz. Bei Taiwan blieb es ohne Durchbruch.

AMD hat sein erstes zentrales KI-Ziel erreicht, doch der Markt reagiert bislang verhalten. Kurzfristig dominieren Gewinnmitnahmen und Volatilität, langfristig nennen Analysten eine Kursregion um 1.000 Dollar als Potenzial.

Bei Intel lehnt sich Melius-Analyst Ben Reitzes am weitesten aus dem Fenster: Er hält eine Kursverdopplung binnen zwei Jahren für möglich, getragen vom Auftragsfertigungsgeschäft und der nächsten Fertigungsgeneration (14A). Der Analystenkonsens ist nach dem starken Lauf der Intel-Aktie deutlich vorsichtiger.

Meine Gewichtung: Micron entscheidet über die Richtung der Speicherkette, die China-Meldung ist ein Zusatzimpuls für Nvidia, und AMD wie Intel hängen daran, ob die Sektor-Bewertung nach der Micron-Nacht trägt.

Hornbach, PCE, Arbeitsmarkt: Die Woche in drei Terminen

Am Dienstag um 07:00 Uhr legt Hornbach Holding den detaillierten Halbjahresbericht vor. Die Eckdaten zum zweiten Quartal sind seit dem 7. September bekannt, Umsatz und bereinigtes EBIT lagen über dem Vorjahr; jetzt zählen die Marge und der Ton zum Herbstgeschäft.

Am Mittwoch um 14:30 Uhr folgt der Kern-PCE-Preisindex für August. Volkswirte erwarten im Schnitt ein Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat nach 0,2 Prozent. Fundstrat-Stratege Tom Lee nennt die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh nach dem Septemberentscheid den Höhepunkt der Falken-Rhetorik und erwartet, dass andere Fed-Vertreter den Ton relativieren. Chicago-Fed-Präsident Goolsbee spricht am Dienstag um 19:00 Uhr.

Am Freitag um 14:30 Uhr kommt der US-Arbeitsmarktbericht, der Konsens liegt bei 100.000 neuen Stellen nach 162.000 im Vormonat. Ed Yardeni sieht die Risiken für den Markt wachsen, und für den zuletzt starken Dollar wird diese Datenwoche zum Stresstest.

Hormus, Berentzen, Volkswagen: Was das Wochenende brachte

Trump hat am Samstag den iranischen Sieben-Tage-Plan zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt. Laut UN-Botschafter Mike Waltz verlangte Teheran Sanktionsaufhebung und Zugang zu eingefrorenen Milliarden im Voraus. Saudi-Arabien fing Huthi-Drohnen über Riad ab, Irans Armee erklärt sich für einen neuen US-Angriff bereit. Brent schloss am Freitag unter 100 Dollar, Meldungen vom Sonntag sehen den Preis über 105 Dollar.

Bei Berentzen einigen sich Vorstand und Aufsichtsrat mit dem US-Spirituosenkonzern Sazerac auf ein Übernahmeangebot. Sazerac bietet 5,55 Euro je Aktie in bar, rund 68 Prozent Prämie auf den Drei-Monats-Durchschnitt.

Die Mindestannahme liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie, der Abschluss wird im vierten Quartal erwartet. Volkswagen ruft mit Audi und Seat weltweit mehrere Millionen Fahrzeuge zurück, in Deutschland fast eine Million, wegen möglicher Korrosion mit Lenkungsgefahr.

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Nicht nur Micron dürfte vom Nachfrageschub bei Speicherchips profitieren – auch weniger bekannte Zulieferer entlang der KI-Wertschöpfungskette rücken in den Blick. Ein kostenloser Spezialreport stellt vier KI-Aktien vor, darunter einen Marktführer, einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Spezialreport sichern

Bitcoin steht seit Freitag praktisch unverändert (minus 0,4 Prozent), auf Wochensicht liegt ein Plus von 10,1 Prozent zu Buche. Das dritte Quartal bringt rund 43,5 Prozent Plus, das zweitbeste dritte Quartal seit Aufzeichnungsbeginn. Ether liegt im Quartal rund 71 Prozent vorn.

Marschroute

DAX: Widerstand an der 50-Tage-Linie bei 25.830 Punkten, Unterstützung an der 200-Tage-Linie bei 24.802 Punkten, der primäre Fokus liegt charttechnisch auf der Unterseite. Micron meldet am Mittwoch um 22:00 Uhr, die Reaktion der Chipwerte fällt am Donnerstag.

Öl über 100 Dollar bleibt der Risikofaktor, solange Hormus geschlossen ist. Berentzen: 5,55 Euro sind der Deckel. Die Frage der Woche beantwortet Micron am Mittwoch selbst: Steigt die Margen-Prognose, trägt der Sektor; bleibt sie flach, verkauft der Markt die Boom-Prognose.

Das Wochenende geht zu Ende, genießen Sie die letzten Stunden ohne Kurstafel. Ab Montag zählt wieder jedes Level.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer