Die Quartalssaison hat den Wasserstoff-Sektor gespalten wie selten zuvor. Während Bloom Energy mit einem Umsatzsprung von 130 Prozent die Grenzen des Vorstellbaren verschiebt, kämpfen Elektrolyseur-Hersteller wie Nel ASA und HydrogenPro mit einbrechenden Aufträgen und schwindenden Kassenbeständen. Ballard Power feiert drei Quartale mit positiver Bruttomarge in Folge. PowerCell Sweden hat erstmals schwarze EBITDA-Zahlen geschrieben. Fünf Unternehmen, fünf völlig unterschiedliche Realitäten — ein Überblick.
Bloom Energy: KI-Boom katapultiert Umsatz und Bewertung in neue Sphären
Bloom Energy hat sich endgültig vom klassischen Wasserstoff-Narrativ gelöst. Der Brennstoffzellen-Spezialist liefert inzwischen Stromversorgung für KI-Rechenzentren und profitiert massiv vom Infrastrukturbedarf der Tech-Giganten. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf 751 Millionen US-Dollar — ein Plus von 130 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produkterlöse allein sprangen um 208 Prozent.
Die bereinigte Bruttomarge lag bei 31,5 Prozent. Zum ersten Mal seit Langem erzielte Bloom auch unter GAAP-Regeln einen Gewinn: 70,7 Millionen Dollar. Der operative Cashflow drehte mit 73,6 Millionen Dollar ebenfalls ins Positive.
Das Management schraubte die Jahresprognose nach oben — auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar Umsatz. Am Mittelpunkt würde das rund 80 Prozent Wachstum gegenüber 2025 bedeuten. Treiber sind die strategische Partnerschaft mit Oracle für KI-Rechenzentren und der Ausbau einer milliardenschweren Kooperation mit Brookfield.
An der Börse spiegelt sich der Hype in einer Bewertung von mehr als dem 28-fachen Umsatz wider. Barclays hob das Kursziel im Mai auf 254 Dollar an, Clear Street auf 250 Dollar. Gleichzeitig reduzierte Board-Mitglied Mary Bush ihre Beteiligung um 25.000 Aktien — ein Verkauf im Wert von knapp 6,7 Millionen Dollar. Die vergangene Woche brachte erhebliche Schwankungen: Am 15. Mai verlor die Aktie über neun Prozent an einem einzigen Handelstag. Die Bewertung preist nahezu perfekte Umsetzung ein — jede Enttäuschung dürfte hart bestraft werden.
Ballard Power: Operativer Turnaround nimmt Gestalt an
Ballard Power liefert das, was Anleger nach Jahren der Verluste sehen wollten: Fortschritte bei den Margen. Zum dritten Mal in Folge wies das Unternehmen eine positive Bruttomarge aus — im ersten Quartal lag sie bei 14 Prozent, eine Verbesserung um 37 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf 19,4 Millionen US-Dollar.
Die Betriebskosten sanken um 36 Prozent, der bereinigte EBITDA-Verlust engte sich auf 11,4 Millionen Dollar ein. Am Quartalsende standen 516,8 Millionen Dollar in der Kasse — ein komfortables Polster.
Im Busgeschäft gewann Ballard gleich zwei wichtige Aufträge: Sowohl Wrightbus als auch Solaris entschieden sich für den FCmove®-SC-Antrieb der nächsten Generation. Diese Verträge festigen Ballards Rolle als Kernlieferant für europäische Nahverkehrsbetreiber. Der Auftragsbestand lag Ende Q1 bei 112,9 Millionen Dollar.
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Die Aktie notiert bei 3,78 Euro und hat seit Jahresanfang rund 65 Prozent zugelegt. Lake Street Capital stufte das Papier auf „Kaufen“ hoch. Andere Analysten zeigen sich gespalten — die Kurszielspanne reicht von umgerechnet rund 1,70 bis 5,00 Kanadischen Dollar. Die Bewertung hat sich schnell aufgebläht, und das Management erwartet den Großteil des Jahresumsatzes erst in der zweiten Jahreshälfte. Ob die Rally Substanz hat, wird sich im dritten und vierten Quartal zeigen.
Nel ASA: Technologiesprung trifft auf Auftragsflaute
Nel ASA steckt in einem Widerspruch. Einerseits hat das Unternehmen nach mehr als acht Jahren Entwicklung eine neue Generation druckbasierter alkalischer Elektrolyseure auf den Markt gebracht. Das System soll die schlüsselfertigen Kosten auf unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt senken — verglichen mit einem Branchendurchschnitt von rund 3.000 Dollar. Die Gesamtinvestitionskosten könnten um 40 bis 60 Prozent sinken.
Die Industrialisierung am Standort Herøya in Norwegen läuft an, unterstützt durch einen EU-Innovationsfonds-Zuschuss von bis zu 135 Millionen Euro. Die Produktionskapazität soll zunächst ein Gigawatt pro Jahr erreichen, perspektivisch vier Gigawatt.
Andererseits brachen die Neuaufträge im ersten Quartal um 73 Prozent auf nur noch 85 Millionen Norwegische Kronen ein. Der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent. Der Umsatz ging leicht auf 148 Millionen Kronen zurück, das EBITDA verharrte tief im negativen Bereich bei minus 100 Millionen Kronen. Zwei nach Quartalsende gewonnene PEM-Aufträge über jeweils rund sieben Millionen Dollar — darunter der erste Vertrag mit einem öffentlichen US-Versorger — ändern an diesem Bild wenig.
Die Aktie notiert bei 0,30 Euro und hat seit Jahresanfang über 56 Prozent zugelegt. Der Kurs liegt damit deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,20 Euro. Berenberg-Analyst James Carmichael senkte sein Kursziel auf 2,30 Kronen. Kein einziger Analyst empfiehlt aktuell den Kauf. Am 15. Juli werden die Halbjahreszahlen zeigen, ob die neue Plattform tatsächlich in konkrete Bestellungen mündet.
HydrogenPro: ACES-Meilenstein erreicht, Liquidität wird knapp
HydrogenPro hat im ersten Quartal 2026 einen Meilenstein geliefert: Die Inbetriebnahme des 220-MW-ACES-Projekts in Utah ist abgeschlossen. Alle 40 Elektrolyseure laufen — eine der weltweit größten druckalkalischen Anlagen, gesichert durch einen zehnjährigen Servicevertrag. CEO Jarle Dragvik sprach von einem „definierenden Quartal“. Eine strategische OEM-Vereinbarung mit LONGi verschafft sofortigen Zugang zu einem Gigawatt Fertigungskapazität, die eigene Anlage in Tianjin wird stillgelegt.
Die Finanzen erzählen eine andere Geschichte. Bei einem Umsatz von 16 Millionen Kronen und einem Nettoverlust von 41 Millionen Kronen schmolz der Kassenbestand von 102 auf 56 Millionen Kronen binnen eines Quartals. Der Vorstand hat eine strategische Überprüfung eingeleitet und Clarksons Securities als Finanzberater mandatiert.
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In der Pipeline befinden sich Projekte im Volumen von rund einer Milliarde Kronen, die 2026 und 2027 finale Investitionsentscheidungen erreichen sollen. Verhandlungen laufen in Europa, Indien und der MENA-Region. Die Analystenempfehlung lautet im Konsens auf „Halten“ — ein Zeichen dafür, dass die technologische Kompetenz anerkannt wird, die finanzielle Lage aber ernst genommen werden muss.
PowerCell Sweden: Erste schwarze EBITDA-Zahlen und ein maritimer Durchbruch
PowerCell Sweden hat leise erreicht, was viele Wasserstoff-Unternehmen seit Jahren versprechen: ein positives EBITDA für das Gesamtjahr 2025. Der Breakeven-Punkt liegt bei rund 400 Millionen Schwedischen Kronen Umsatz. Im Geschäftsjahr 2025 wuchs der Umsatz um 15 Prozent, organisch bereinigt um Währungseffekte sogar um 24 Prozent. Das EBITDA verbesserte sich um rund 79 Millionen Kronen gegenüber dem Vorjahr.
Das erste Quartal 2026 brachte einen Umsatz von 46,95 Millionen Kronen bei einem Verlust von 39,76 Millionen Kronen — ein Rückfall, den das Management mit dem saisonalen Muster im Marinegeschäft erklärt. Dieses Segment macht 80 bis 85 Prozent des Umsatzes aus und ist durch lange Lieferzyklen geprägt.
Ein Großauftrag über 14 Marine System 225-Einheiten sticht hervor: Zwei Massengutfrachter sollen ab 2027 komplett emissionsfrei mit Wasserstoff betrieben werden — die weltweit ersten ihrer Art. Die Aktie notiert bei 2,42 Euro, seit Jahresanfang liegt sie mit rund zwölf Prozent im Minus. Der Analysekonsens sieht das Kursziel bei 33 Schwedischen Kronen, etwa 26 Prozent über dem aktuellen Niveau, und empfiehlt „Halten“.
Das Management hat keine formale Umsatzprognose für 2026 abgegeben, aber klare Prioritäten gesetzt: positives EBITDA halten, Liquidität sichern, bei passender Gelegenheit skalieren.
Drei Geschwindigkeiten im Wasserstoff-Sektor
Die Quartalssaison hat die Kluft innerhalb der Branche nicht verkleinert — sie hat sie zementiert:
- Kategorie eins — Bloom Energy: Umsatzexplosion, GAAP-Gewinn, KI-Infrastruktur als Wachstumsmotor. Die Aktie wird zunehmend als kritische Infrastruktur gehandelt, nicht mehr als klassischer Wasserstoff-Wert.
- Kategorie zwei — Ballard Power und PowerCell Sweden: Echte operative Fortschritte, positive Margen, wachsende Auftragsbücher. Profitabilität rückt näher, ist aber noch nicht dauerhaft gesichert.
- Kategorie drei — Nel ASA und HydrogenPro: Technologisch glaubwürdig, aber von der Auftragsflaute im Elektrolyseur-Markt hart getroffen. Rund 90 Prozent der weltweit für 2023 und 2024 geplanten Wasserstoff-Projekte haben sich um mindestens ein Jahr verzögert — ein Gegenwind, der direkt auf die Umsätze beider Unternehmen durchschlägt.
Wasserstoff-Branche zwischen Euphorie und Existenzfragen
Die kommenden Monate werden für jedes der fünf Unternehmen zur Bewährungsprobe. Bloom Energy muss beweisen, dass der KI-Nachfrageschub über die erste Welle hinaus trägt — die Umsetzung der Oracle- und Brookfield-Partnerschaften wird zum Lackmustest. Ballard Powers Geschäft ist auf die zweite Jahreshälfte gewichtet, was bedeutet, dass die aktuelle Kursrally auf Vorschuss läuft.
Nel ASAs Halbjahreszahlen am 15. Juli werden zur Richtungsentscheidung: Ohne konkrete Bestellungen für die neue Elektrolyseur-Plattform droht die technologische Führung zur akademischen Übung zu verkommen. HydrogenPro sitzt auf einer vielversprechenden Pipeline, hat aber einen Kassenbestand, der bei gleichbleibendem Verbrauch nur wenige Quartale reicht. PowerCell steuert den vorsichtigsten Kurs — ohne Wachstumsversprechen, aber mit dem klarsten Pfad zur nachhaltigen Profitabilität.
Die Wasserstoff-Branche bleibt ein Sektor der extremen Spreizung. Wer hier investiert, wählt nicht nur ein Unternehmen — sondern ein grundlegend anderes Marktumfeld.
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