Kurse steigen, Auftragsbücher schrumpfen — und mittendrin feuert die Deutsche Bank ein „Buy“-Rating auf SFC Energy ab. Der Wasserstoff-Sektor startet in einen Mai voller Widersprüche. Während Nel ASA trotz eines dramatischen Einbruchs beim Auftragseingang ein frisches Jahreshoch markiert, steht Plug Power vor Quartalszahlen, die über das Momentum der gesamten Branche mitentscheiden könnten. ITM Power trägt ein Morgan-Stanley-Upgrade im Gepäck, SunHydrogen expandiert nach Europa — und die Frage bleibt: Wie lange tragen Narrative, wenn die Zahlen nicht mitziehen?
Nel ASA: Jahreshoch trotz Auftragseinbruch von 73 Prozent
Nel ASA liefert Anfang Mai das vielleicht irritierendste Bild im gesamten Sektor. Die Aktie kletterte auf ein frisches 52-Wochen-Hoch und steht seit Jahresbeginn rund 44 Prozent im Plus. Der Bloom-Energy-Effekt — ausgelöst durch dessen Blockbuster-Quartalsergebnis Ende April — hob den gesamten Sektor an, und Nel surfte auf dieser Welle mit besonderer Wucht.
Die Q1-Zahlen des norwegischen Elektrolyseur-Herstellers erzählen allerdings eine ganz andere Geschichte. Der Auftragseingang brach um 73 Prozent auf lediglich 85 Millionen NOK ein. Der Auftragsbestand rutschte um 24 Prozent auf rund 1,1 Milliarden NOK. Das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen NOK tief im roten Bereich — wenngleich 15 Millionen NOK besser als im Vorjahresquartal.
Der entscheidende Termin steht unmittelbar bevor: Am 6. Mai will CEO Håkon Volldal eine neue Technologieplattform lancieren. Das druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyseur-System soll neue Maßstäbe setzen. Volldal spricht bereits von laufenden Kundengesprächen über Gerätelieferungen. Kurz nach den Q1-Zahlen meldete die US-Tochter zudem einen Folgeauftrag über rund 7 Millionen US-Dollar von Mesure Process für containerbasierte PEM-Elektrolyseure.
Kein Wunder, dass die Analysten skeptisch bleiben. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 2,14 NOK, keiner der sieben bewertenden Analysten empfiehlt den Kauf. Der Konsens lautet „Sell“. Die Kursrally hat die Bewertungen schlicht überholt — der Technik-Launch am Dienstag wird damit zum Lackmustest.
Plug Power: 70-Prozent-Rally vor dem Earnings-Härtetest
Plug Power gehört mit einem Jahresplus von rund 70 Prozent zu den stärksten Performern im Wasserstoff-Universum. Die Aktie schloss am Freitag bei 3,13 US-Dollar, nachdem sie am letzten Handelstag 8,2 Prozent abgab. Ein Zeichen dafür, dass das Momentum nach Wochen des Anstiegs erste Ermüdungserscheinungen zeigt.
Der Rückenwind kam auch hier maßgeblich von Bloom Energy. Dessen Q1-Ergebnis — ein adjustiertes EPS von 44 Cent bei erwarteten 13 Cent und eine angehobene Jahresguidance auf 3,4 bis 3,8 Milliarden US-Dollar — validierte die These, dass dezentrale Stromerzeugung zur kritischen Infrastruktur wird. Plug Power profitierte vom Sentiment-Überschwappen.
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Am 11. Mai folgt der eigene Realitätscheck. Erwartet wird ein Verlust je Aktie von 0,09 US-Dollar, was einer Verbesserung von 57 Prozent im Jahresvergleich entspräche. Investoren werden genau prüfen, ob Grüner-Wasserstoff-Projekte den Auftragsbestand stärken und das EBITDA-Break-even-Ziel bis Jahresende noch realistisch erscheint.
Clear-Street-Analyst Tim Moore erhöhte sein Kursziel auf 3,50 US-Dollar. Technisch notiert die Aktie 33,6 Prozent über ihrem 100-Tage-Durchschnitt — ein Niveau, das bei schwachen Zahlen schnell zur Fallhöhe werden kann.
ITM Power: Morgan-Stanley-Upgrade prallt auf scharfen Kursrücksetzer
ITM Power erlebte am Freitag eine Achterbahnfahrt. Die Aktie schloss bei 143,30 GBP mit einem Tagesverlust von 7,4 Prozent — bei einem Handelsvolumen, das 234 Prozent über dem Vortag lag. Offenkundig nutzten Anleger die jüngste Rally für Gewinnmitnahmen.
Das übergeordnete Bild bleibt dennoch bemerkenswert. Die Partnerschaft mit Rheinmetall für das Giga-PtX-Projekt — ein europaweites Netzwerk dezentraler Anlagen zur Produktion synthetischer Kraftstoffe für die Verteidigungsindustrie — hat dem Unternehmen ein völlig neues Narrativ verschafft. Morgan Stanley reagierte mit einem Upgrade von „Equal Weight“ auf „Overweight“.
Operativ lieferte ITM Power im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Das EPS übertraf die Prognosen um 99,2 Prozent. Die Kassenposition liegt bei soliden 197,8 Millionen Pfund, der Auftragsbestand wuchs auf 152 Millionen Pfund — mit 71 Prozent profitablen Verträgen.
Die Ganzjahres-Guidance von 35 bis 40 Millionen Pfund Umsatz würde einem Wachstum von 400 Prozent über zwei Jahre entsprechen. Berenberg hob das Kursziel im April auf 110 Pence an. Der Freitags-Rücksetzer signalisiert allerdings, dass der Markt bei anhaltenden Verlusten nur begrenzt Geduld aufbringt — selbst bei starkem Auftragsmomentum.
SunHydrogen: Österreich-Büro als nächster Schritt auf dem langen Weg zur Kommerzialisierung
Während die größeren Wasserstoff-Werte mit Quartalszahlen und Analystenratings ringen, verfolgt SunHydrogen eine vorkommerzielle Expansionsstrategie. Ende April eröffnete das Unternehmen ein Büro in Österreich, geleitet von Falko Berg — einem Veteranen mit über 25 Jahren Erfahrung bei DaimlerChrysler, Ford und zuletzt als Vice President bei Hyundais Wasserstoff-Sparte.
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Bereits Anfang April hatte SunHydrogen ein Japan-Büro eingerichtet, um die Zusammenarbeit mit der Universität Tokio zu formalisieren. Die internationale Aufstellung nimmt Gestalt an. Technologisch entwickelt das Unternehmen ein solarbetriebenes Nanopartikel-System, das die Photosynthese nachahmt, um Wasserstoff direkt aus Wasser zu gewinnen.
Ein Fertigungsabkommen mit CTF Solar soll die Industrialisierung beschleunigen. Als kurzfristiger Meilenstein steht die Produktion von 1.000 vollformatigen Wasserstoffmodulen mit 1,92 Quadratmeter Fläche im Raum.
Die Aktie notiert bei 0,03 US-Dollar und legte in den vergangenen sieben Tagen rund 26 Prozent zu. HYSR bleibt ein Micro-Cap ohne institutionelle Analystenabdeckung. Der Wert steht und fällt vollständig mit der erfolgreichen Kommerzialisierung der photoelektrochemischen Plattform — ein spekulatives Investment mit entsprechendem Risiko-Rendite-Profil.
SFC Energy: Deutsche-Bank-Upgrade auf „Buy“ liefert den klarsten Katalysator
SFC Energy sticht als operativ solidester Name in dieser Gruppe hervor. Deutsche Bank Research erhöhte das Kursziel von 16,40 auf 21,50 Euro und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch. Am 30. April notierte der Kurs bei 18,04 Euro — ein Tagesplus von 4,4 Prozent und ein Jahresgewinn von über 45 Prozent.
Analyst Michael Kuhn sieht den Tiefpunkt bei den Gewinnerwartungen als überschritten. Der Abwärtstrend bei den Schätzungen hat sich seit Februar ins Positive gewendet. Strukturelle Wachstumstreiber für Wasserstoff- und Methanol-Brennstoffzellen entfalten zunehmend ihre Wirkung.
Die Zahlen untermauern den Optimismus: Der Nettogewinn lag im letzten Quartal bei gut 400.000 Euro — nach einem Verlust von 1,34 Millionen Euro im Vorquartal. Die EBITDA-Marge beträgt 13,7 Prozent. Mit dem neuen Kursziel von 21,50 Euro setzt die Deutsche Bank das höchste Ziel aller abdeckenden Analysten. Am 15. Mai folgen die Q1-2026-Ergebnisse, bei denen die verteidigungsfokussierte Strategie eine weitere Margenverbesserung zeigen soll.
Drei Geschwindigkeiten, ein gemeinsamer Treiber
Die fünf Wasserstoff-Werte operieren in deutlich unterschiedlichen Tempi — teilen aber einen Nenner: Jede wird vom Markt im Vorgriff auf strukturelle Rückenwinde neu bewertet, nicht auf Basis kurzfristiger Ergebnislieferung.
- Nel ASA und Plug Power reiten auf Sentiment und Bloom-Energy-Euphorie, während ihre eigenen Fundamentaldaten hinterherhinken
- ITM Power hat mit der Rheinmetall-Partnerschaft ein echtes Differenzierungsmerkmal, muss aber operative Verluste abbauen
- SFC Energy bietet das greifbarste Fundament: positiver Nettogewinn, wachsende Marge, frisches Kaufrating
- SunHydrogen bleibt der spekulativste Name — ambitionierte Expansion, aber kommerzielle Umsätze sind noch Zukunftsmusik
Katalysator-Dichte im Mai: Drei Termine, die den Sektor bewegen
Die nächsten zwei Wochen packen für Wasserstoff-Anleger mehr Katalysatoren auf engstem Raum als das gesamte erste Quartal. Am 6. Mai stellt Nel sein neues Elektrolyseur-System vor. Am 11. Mai liefert Plug Power Quartalszahlen. Und am 15. Mai folgt SFC Energy mit seinem Ergebnisbericht.
Das Makro-Umfeld bleibt zweigeteilt. Europäische Regulatoren treiben erneuerbaren Wasserstoff weiter voran — durch den EU-Innovationsfonds und die Hydrogen Bank. Gleichzeitig bremsen hohe Produktionskosten und ein schleppender Infrastrukturaufbau die Marktentwicklung. Die Mai-Berichtssaison wird der bislang klarste Test, ob das erneuerte Kursmomentum von einer ebenso erneuerten operativen Realität getragen wird — oder ob sich die Lücke zwischen Narrativ und Zahlen erst noch schließen muss.
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