Western Digital hat am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt. Der Speicherhersteller verdiente pro Aktie 3,56 Dollar, mehr als die von Analysten erwartete 3,29 Dollar.
Auch beim Umsatz lag das Unternehmen über den Erwartungen: 3,75 Milliarden Dollar standen einer Konsensschätzung von 3,69 Milliarden Dollar gegenüber. Die Erwartungen an das gesamte Geschäftsjahr fielen ebenfalls überzogen aus.
Für das gesamte Geschäftsjahr wies Western Digital einen Umsatz von 12,92 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 10,22 Dollar, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts von 5,02 Dollar. Vorstandschef Irving Tan sprach von einem starken Abschluss des Geschäftsjahres: Der Umsatz im vierten Quartal sei um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, Brutto- und Betriebsmarge hätten sich ausgeweitet.
Seagate zieht davon – der Kurs bricht ein
Trotz der starken Zahlen reagierte die Börse ablehnend. Am Donnerstag brach die Aktie im nachbörslichen US-Handel um rund 11 Prozent ein. Auslöser war laut Medienberichten die Konkurrenz durch Seagate Technology: Der Rivale liefert seine 44-Terabyte-HAMR-Festplatten der Mozaic-4+-Reihe bereits seit März 2026 im großen Stil an Hyperscale-Kunden. Western Digitals eigene HAMR-Technologie – die hitzeunterstützte magnetische Aufzeichnung – steckt dagegen noch in der Qualifizierungsphase bei Kunden.
Der Ausverkauf traf nicht nur Western Digital. Auch der Speicherkonkurrent SanDisk verzeichnete nach eigenen, ebenfalls über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen deutliche Kursverluste. Medienberichten zufolge lag das Problem weniger in den Zahlen selbst als in der zuvor sehr hohen Messlatte: Vor den Berichten hatte SanDisk seit Jahresbeginn bereits 469 Prozent zugelegt, Western Digital 202 Prozent. Auch Seagate Technology geriet in Sympathie mit nach unten und verlor rund 6 Prozent auf 786 Dollar.
Bereits vor der Berichtssaison hatte sich der gesamte Speichersektor abgekühlt. Am Montag waren Western-Digital-Aktien im US-Handel um 6 Prozent auf 511 Dollar gefallen. Morgan Stanley bezeichnete die Bewegung damals als überwiegend technisch bedingt – ein „Leverage Washout“ aus der Auflösung gehebelter ETF-Positionen und Hedgefonds-Engagements. Schon zwischen dem 26. Juni und dem 24. Juli war die Aktie von 586,45 auf 519,80 Dollar zurückgegangen, verschärft durch den Kollaps der südkoreanischen SK Hynix und Sorgen um den geplanten Börsengang des chinesischen Konkurrenten CXMT.
Ausblick über Konsens, Dividende bestätigt
Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Western Digital einen Gewinn je Aktie zwischen 3,85 und 4,15 Dollar in Aussicht, mehr als die von Analysten erwarteten 3,77 Dollar. Der Umsatz soll zwischen 4,0 und 4,2 Milliarden Dollar liegen, der Konsens lag bei 4,04 Milliarden Dollar.
Finanzchef Kris Sennesael sprach von einem außergewöhnlichen Geschäftsjahr mit breiterer Nachfrage und vertiefter Kundenbindung und zeigte sich zuversichtlich für weiteres Margenwachstum und eine starke Generierung freier Cashflows. Der Verwaltungsrat beschloss zudem eine Quartalsdividende von 0,15 Dollar pro Aktie, zahlbar am 17. September 2026 an Aktionäre, die am 8. September 2026 im Bestand geführt sind.
Analysten uneins über die Reaktion
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen gespalten aus. Citi-Analystin Asiya Merchant bekräftigte am Donnerstag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 800 Dollar und verwies auf den anlaufenden 40-Terabyte-Nearline-Zyklus sowie die langfristige KI-Nachfrage als Stützen. BofA-Analyst Wamsi Mohan senkte sein Kursziel dagegen leicht von 732 auf 720 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Weitere Häuser reagierten uneinheitlich: Morgan Stanley, Baird und TD Cowen hoben ihre Kursziele an, Rosenblatt, Mizuho und UBS senkten ihre Zielmarken – bei überwiegend weiterhin positiven Einstufungen. Goldman Sachs bestätigte eine neutrale Haltung. Im Schnitt liegt das Kursziel der befragten Analysten bei rund 674 Dollar.
Aktie fällt weiter zurück
An der Heimatbörse hat sich der Ausverkauf fortgesetzt. Am Freitag schloss die Aktie bei 375,55 Euro, ein Minus von 4,28 Prozent zum Vortag. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von Mitte Juni hat sich damit auf 46,06 Prozent ausgeweitet.
Anleger richten den Blick nun auf die für den 29. Oktober 2026 angesetzte nächste Quartalsvorlage, für die Analysten einen Gewinn je Aktie von 3,63 Dollar erwarten. Auch der zuvor angekündigte Plan, das Festplatten- und das Flash-Geschäft in zwei eigenständige Einheiten aufzuspalten, bleibt für Investoren ein möglicher struktureller Kurstreiber – neue Angaben dazu gab es zuletzt nicht.
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