Western Digital hat einen der wildesten Kursausschläge des Jahres hingelegt. Am Dienstag schoss die Aktie um 12,74 Prozent nach oben und schloss bei 480,90 Euro. Nur wenige Wochen zuvor war das Papier noch im freien Fall.

Der Auslöser: eine sektorweite Erholung bei Speicherchip- und Halbleiterwerten, verstärkt durch neue bullishe Analystenkommentare zur Preisentwicklung bei Speicherchips. Western Digital profitierte davon besonders stark, weil die Aktie zuvor besonders tief gefallen war.

Vom Rekordhoch in den Ausverkauf

Am 18. Juni markierte Western Digital noch ein Allzeithoch. Danach ging es steil bergab. Ein branchenweiter Halbleiter-Ausverkauf, ausgelöst durch Schwäche bei asiatischen Chipherstellern und Sorgen um die KI-Lieferkette, drückte die Aktie zeitweise um rund ein Drittel nach unten.

Diese Entwicklung traf nicht nur Western Digital. Speicherchip-Werte wie Sandisk gerieten im gleichen Zug unter Druck. Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore kommentierte den Rückgang bei US-Speicherchipnamen – seine Einschätzung dürfte zur Trendwende beigetragen haben.

Auch nach dem starken Rebound bleibt die Aktie 30,93 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 696,30 Euro. Gleichzeitig liegt sie nur noch 1,64 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 488,92 Euro. Der Kurs hat sich also dem mittelfristigen Trend wieder angenähert, nachdem er wochenlang stark ausgeschlagen hatte.

Analysten halten an hohen Kurszielen fest

Bemerkenswert: Trotz des heftigen Rückgangs seit Juni haben die meisten Wall-Street-Kursziele Bestand. Cantor Fitzgerald sieht die Aktie bei 900 US-Dollar – der höchste Wert unter den großen Häusern. Citi nennt 800 Dollar, Bank of America 732 Dollar, JPMorgan 715 Dollar.

Alle vier Ziele liegen deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Das institutionelle Lager scheint seine grundsätzlich positive Einschätzung trotz der Turbulenzen nicht aufgegeben zu haben.

Geschäftszahlen stützen die Story

Hinter der Kursachterbahn steckt ein Unternehmen, dessen operatives Geschäft zuletzt eher überzeugte als enttäuschte. Im dritten Quartal übertraf Western Digital die Erwartungen: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,72 Dollar, der Analystenkonsens hatte nur 2,39 Dollar erwartet. Der Konzern erhöhte zudem seine Dividende.

Besonders bemerkenswert ist die Produktionsauslastung. Die Festplatten-Fertigung für das Kalenderjahr 2026 ist bereits komplett ausverkauft, langfristige Verträge reichen bis 2028. Diese Kombination aus robuster Nachfrage und einer nach der Juni-Rally überdehnten Bewertung hat die Bühne für die heftigen Kursausschläge der vergangenen Wochen bereitet.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Die Volatilität der Aktie auf 30-Tage-Basis liegt bei über 112 Prozent annualisiert – ein Wert, der die Größenordnung der jüngsten Kursschwankungen unterstreicht. Der RSI notiert bei neutralen 49,2 Punkten, was weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hindeutet.

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Western Digital veröffentlicht die Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr 2026 nach US-Börsenschluss am Mittwoch, den 5. August. Bis dahin dürfte die Aktie empfindlich auf Nachrichten aus dem asiatischen Speicherchip-Sektor reagieren – und auf jede weitere Neupositionierung der Analysten.