Die Nachfrage nach Speicherplatz wächst, doch die Festplattenhersteller wollen nicht einfach mehr Laufwerke bauen. Evercore sieht darin einen Vorteil für Western Digital und Seagate. Die Aktie legt am Dienstag zeitweise gut 6 Prozent zu, Seagate gewinnt knapp 4,5 Prozent.

Engpass verlagert sich nach vorn

Nach Einschätzung der Analysten lässt sich der steigende Bedarf an Exabytes über höhere Flächendichte decken. Jedes Laufwerk fasst dann mehr Terabyte, die Stückzahlen fertiger Drives bleiben disziplinierter. Der Flaschenhals wandert dadurch von der Endmontage in vorgelagerte Schritte: Kopf-Wafer, HAMR-Photonik, magnetische Medien, Glassubstrate, Beschichtung und Tests.

Genau dort punkten laut Evercore die beiden Platzhirsche. Beide fertigen im Wesentlichen alle Schreib-Lese-Köpfe und Datenträger selbst. Das erlaubt ihnen, das gesamte Aufzeichnungssystem aufeinander abzustimmen, schneller Ausbeute zu lernen und den Kostenvorteil je Terabyte zu behalten.

Warum HAMR die Hürde hebt

Die HAMR-Technik ergänzt den Schreibkopf um Laser, Wellenleiter und einen Nahfeldtransducer. Er wird so zum magnetisch-photonischen Bauteil. Spezialwerkzeuge, schwierige optische und thermische Ausbeuten sowie Fertigungszyklen von sechs bis neun Monaten je Kopf-Wafer machen qualifizierte Kapazität deutlich unflexibler als die Laufwerksmontage.

Externe Lieferanten helfen kurzfristig kaum. Glassubstrate kommen vor allem von HOYA, fertige Medien von Resonac. Ein Großteil neuer Kapazität entsteht dort erst in den Jahren 2028 und 2029.

Kostenvorteil bei größeren Laufwerken

IDC erwartet für kapazitätsoptimierte Festplatten bis 2030 ein jährliches Stückwachstum von rund 11 Prozent. Bei Medien, Substraten und Kopf-Baugruppen sind es etwa 13 Prozent. Evercore spricht von einem Zyklus aus Komponentenanteil und Prozessumstellung, dessen Lücke 2027 und 2028 am größten ausfällt.

Ein HAMR-Laufwerk mit 32 Terabyte und zehn Platten kostet nach Schätzung der Analysten etwa 190 bis 195 Dollar an Materialkosten. Der größere Hebel zeigt sich bei rund 40 Terabyte. Bleiben die Stückkosten dann flach, könnte der Preis je Terabyte um etwa 20 Prozent sinken.

Für Western Digital zählt damit vor allem die Zeitspanne 2027 und 2028. In diesem Fenster sieht Evercore den größten Abstand zwischen Komponentenwachstum und Laufwerksstückzahlen, und davon profitieren Hersteller mit eigener Kopf- und Medienfertigung.