Wienerberger vollzieht einen personellen Wechsel an einer sensiblen Schnittstelle zum Kapitalmarkt: Claus Ehrenbeck übernimmt die Leitung der Investor Relations als Senior Vice President und tritt die Nachfolge von Therese Jandér an. Ehrenbeck berichtet künftig direkt an Finanzvorständin Dagmar Steinert. Der Zeitpunkt ist heikel, denn der Baustoffkonzern muss Anlegern derzeit eine ganze Reihe schwieriger Botschaften vermitteln.
Guidance-Kürzung wiegt schwer
Vor gut einem Monat hatte Wienerberger seine Halbjahreszahlen vorgelegt, verbunden mit einer deutlichen Reduktion der Jahresprognose: Das EBITDA-Ziel für 2026 sank von zuvor rund 810 Millionen Euro auf nur noch etwa 700 Millionen Euro.
Ursache ist die anhaltende Schwäche im Wohnungsneubau in den USA, Kanada und Großbritannien – Märkte, die für das Unternehmen traditionell wichtige Ergebnistreiber waren.
Der neue IR-Chef übernimmt sein Amt also in einer Phase, in der Wienerberger versucht, die Kommunikation mit institutionellen Investoren neu zu justieren. Genau in diesem Umfeld hatte Fidelity Management & Research vor gut einer Woche seinen Stimmrechtsanteil weiter reduziert, auf inzwischen 5,95 Prozent, nachdem die Position zuvor bei 6,55 Prozent gelegen hatte.
Die Gesamtposition einschließlich Finanzinstrumenten sank auf 6,29 Prozent, wobei der Investor die 4-Prozent-Schwelle bei den reinen Stimmrechten unterschritt.
Strategischer Umbau läuft weiter
Parallel zu den Belastungen im Neubaugeschäft treibt Wienerberger den Umbau des Portfolios voran.
Ziel ist es, die Abhängigkeit vom zyklischen Neubaugeschäft zu verringern.
Am Aktienmarkt kommt diese strategische Neuausrichtung bislang kaum an. Das Papier schloss am Donnerstag bei 17,92 Euro und bewegt sich damit nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 17,38 Euro, das erst am Dienstag markiert wurde.
Der Wechsel an der Spitze der Investor Relations dürfte für Ehrenbeck vor allem eine Aufgabe bedeuten: das Vertrauen der Kapitalmarktteilnehmer zurückzugewinnen, nachdem Guidance-Kürzung, Führungswechsel und der schrittweise Rückzug eines langjährigen Großaktionärs die Stimmung rund um den Baustoffkonzern in den vergangenen Wochen belastet haben.
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