Die Notierung des WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged legt heute vorbörslich um 12,07 % zu und setzt damit eine dynamische Erholung fort. Mit einem Zuwachs von 35,51 % innerhalb der letzten sieben Tage reagiert das gehebelte Instrument unmittelbar auf die starken Preissteigerungen am physischen Silbermarkt. Trotz dieses kurzfristigen Aufschwungs notiert das Papier noch immer 77,25 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, was die hohe Volatilität der vergangenen Monate unterstreicht.

Goldman Sachs sieht Anzeichen für Short Squeeze

Hinter der jüngsten Kursbeschleunigung stehen nach Einschätzung von Marktbeobachtern massive Eindeckungen von Leerverkäufen. Laut Analysten von Goldman Sachs hat am Mittwoch ein systematisches „Short-Covering“ durch Commodity Trading Advisors (CTAs) begonnen. Diese Entwicklung lieferte ein kurzfristiges Momentum-Signal, nachdem die Netto-Long-Positionen institutioneller Anleger laut Daten der CFTC Ende Juli auf das dritte Perzentil gefallen waren.

Parallel zu diesen technischen Faktoren stieg das Open Interest am Terminmarkt deutlich an. Berichten zufolge belief sich das Plus beim Open Interest zuletzt auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Während der physische Markt derzeit keine akuten Engpässe aufweist — erkennbar an sinkenden Leasingraten für Silber —, treibt die Eindeckung spekulativer Positionen die Preise am Freitag in Richtung der Marke von 62,20 US-Dollar pro Unze.

Schwache US-Daten und geopolitische Hoffnung

Zusätzlichen Rückenwind erhält der Sektor durch die Schwäche des US-Dollars und enttäuschende Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die Privatlöhne im Juli stiegen laut ADP-Bericht lediglich um 44.000, was deutlich unter der Konsensschätzung von 75.000 lag. In der Folge sank die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinserhöhungen der Federal Reserve im September leicht, was unverzinste Edelmetalle für Investoren attraktiver macht.

Gleichzeitig blicken Anleger auf die Entwicklungen in der Straße von Hormuz. Berichten zufolge signalisierte die US-Regierung Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Iran über eine gesicherte Schifffahrtsroute. Ein mögliches Zwischenabkommen könnte den Inflationsdruck durch die Ölpreise mindern, was den Fokus der Anleger verstärkt auf die fundamentale Unterbewertung von Edelmetallen wie Silber lenkt.

Langfristiges Marktdefizit trotz technologischer Hürden

Die fundamentale Lage am Silbermarkt bleibt durch ein strukturelles Angebotsdefizit geprägt. Laut dem World Silver Survey 2026 steuert der Markt auf das sechste Defizitjahr in Folge zu, wobei für das vergangene Jahr ein Fehlbetrag von 46,3 Millionen Unzen verzeichnet wurde. Seit 2021 wurden bereits über 760 Millionen Unzen aus den oberirdischen Beständen abgebaut, um die Nachfragelücke zu schließen.

Allerdings gibt es auch dämpfende Signale von der Industrieseite. Die Analysten der UBS wiesen darauf hin, dass neue Technologien in der Solarindustrie zunehmend Kupfer statt Silber in Solarzellen einsetzen könnten. Für das laufende Jahr wird prognostiziert, dass der Silberverbrauch im Solarbereich auf 151 Millionen Unzen sinken könnte, nachdem er im Vorjahr noch bei 186,6 Millionen Unzen gelegen hatte. Dennoch überwiegt derzeit der bullische Trend, getragen durch die Erwartung sinkender Realzinsen und die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken nach Edelmetallen.