Ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht in den USA hat dem gehebelten Silber-ETF von WisdomTree zum stärksten Wochenschluss seit Monaten verholfen. Am Freitag legte das Papier um 4,85 Prozent zu und schloss bei 8,54 Dollar. Es war bereits der vierte Gewinntag in Folge, die Wochenperformance summierte sich auf 15,88 Prozent.
Der Auslöser kam aus Washington. Die US-Wirtschaft schuf im Juni nur 57.000 neue Stellen, der Markt hatte mit 110.000 gerechnet. Die Lücke ist deutlich, sie signalisiert eine spürbare Abkühlung am Arbeitsmarkt.
Fed-Wetten kippen, Silber springt über 62 Dollar
Schwache Jobdaten verändern sofort die Zinserwartungen. Laut CME FedWatch Tool fiel die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von 66 auf 50 Prozent. Für Silber ist das eine gute Nachricht: Niedrigere Realzinsen und ein schwächerer Dollar machen zinslose Anlagen wie Edelmetalle attraktiver.
Der Spotpreis für Silber reagierte prompt. Er kletterte über die psychologisch wichtige Marke von 60 Dollar je Feinunze und schloss am Freitag bei 62,30 Dollar, ein Tagesplus von 2,24 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Gewinn von 8,93 Prozent zu Buche.
Wie der Hebel-ETF funktioniert
Der WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged ETC bildet die dreifache Tagesperformance von Silber-Futures ab. Er folgt dem Solactive Silver Commodity Futures SL Index oder dem NASDAQ Commodity Silver ER Index, jeweils mit dreifachem Hebel. Steigt der zugrundeliegende Index an einem Tag um ein Prozent, gewinnt der ETF rund drei Prozent hinzu. Fällt der Index, verliert das Papier entsprechend das Dreifache.
Diese Konstruktion erklärt auch die enorme Schwankungsbreite des Produkts. Über den vergangenen Monat verlor der ETF 44,42 Prozent an Wert, bevor die jüngste Rally einen Teil der Verluste wieder wettmachte. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 149,68 Prozent, der 14-Tage-RSI bei 36,0. Das Produkt ist vollständig besichert und nutzt synthetische Replikation über Swap-Vereinbarungen, die jährliche Gesamtkostenquote beträgt 0,99 Prozent.
Industrienachfrage und Angebotslücke stützen den Preis
Silber profitiert derzeit nicht nur von der Zinswende. Das Metall ist zugleich Industrierohstoff, Solarpanels, Elektrofahrzeuge und Elektronik treiben die Nachfrage. Allein der Solarsektor macht etwa 15 Prozent der globalen Silbernachfrage aus, die Produktion von Solarpanels wuchs im zweiten Quartal 2026 um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Elektronikbranche inklusive 5G-Technologie steuert weitere rund 22 Prozent bei.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem auf der Angebotsseite. Das globale Silberdefizit soll sich 2026 von 40,3 auf 46,3 Millionen Unzen ausweiten. Ein wachsender Angebotsengpass wirkt tendenziell preisstützend, unabhängig von kurzfristigen Zinsentscheidungen.
Für die kommende Woche rechnen Prognosemodelle mit einem weiteren Anstieg von 6,23 Prozent beim Silberpreis, was ein Niveau von 66,26 Dollar bis zum 10. Juli 2026 bedeuten würde. Ob sich dieses Szenario erfüllt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Fed und die Märkte die nächsten Konjunkturdaten interpretieren. Beim gehebelten ETF bedeutet jede Bewegung des Silberpreises das Dreifache an Ausschlag, in beide Richtungen.
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