Fünf Rohstoff-Werte, ein auffälliges Muster: Verträge werden unterzeichnet, Baugenehmigungen erteilt, Bundeszuschüsse fließen – und trotzdem notieren fast alle Aktien der Branche für kritische Mineralien deutlich unter ihren Jahreshochs. Diese Woche liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial. Während Almonty seinen Wolfram-Abnahmevertrag auf historische Dimensionen ausbaut, kämpfen Entwickler wie Rock Tech Lithium und Graphite One trotz operativer Fortschritte mit einer skeptischen Anlegerbasis.

Der gemeinsame Nenner: Fast alle fünf Titel weisen einen RSI-Wert nahe oder unter 32 auf – ein technisches Zeichen für überverkaufte Marktphasen. Operative Substanz und Kursverlauf laufen derzeit klar auseinander.

Almonty Industries: Wolfram-Deal sichert Versorgung bis in die 2040er

Almonty hat seine Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders grundlegend nachverhandelt. Die Laufzeit verlängert sich um sechs Jahre bis in die späten 2040er, das Gesamtvolumen steigt von 3,15 Millionen auf 4,41 Millionen Tonnen-Einheiten Wolframkonzentrat. Zusätzlich verbessern sich die Preise für alle vertraglich gebundenen Mengen um etwa 6,3 Prozent. Nach der Hochlaufphase gilt eine Mindestliefermenge von 210.000 Tonnen-Einheiten pro Jahr.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Chinesische Exportbeschränkungen haben die Wolframpreise auf historische Niveaus getrieben, und Almonty sichert sich damit über zwei Jahrzehnte hinweg eine konfliktfreie, in die USA gelieferte Versorgung. Parallel dazu läuft in Sangdong seit dem 1. Juli der Durchsatzbetrieb der neuen Aufbereitungsanlage, der Hochlauf nähert sich der vollen Phase-1-Kapazität. Um die Handelsstruktur zu vereinfachen, zieht sich Almonty freiwillig von TSX und ASX zurück und konzentriert den Handel künftig auf die Nasdaq.

Am Kursverlauf zeigt sich die Doppelnatur der Geschichte. Der Titel schloss am Freitag bei 15,51 kanadischen Dollar, ein Rückgang von 4,96 Prozent an diesem Tag und von 30,29 Prozent auf Monatssicht. Auf Zwölf-Monats-Basis steht dennoch ein Plus von 205,92 Prozent – ein Beleg dafür, wie stark die Aktie im vergangenen Jahr gelaufen ist, bevor die jüngste Konsolidierung einsetzte. D.A. Davidson honorierte die operative Wende mit einer Anhebung des Kursziels auf 33 US-Dollar von zuvor 25 US-Dollar, Bank of America Securities bestätigte ebenfalls ihre Kaufempfehlung.

Arafura Rare Earths: Baustart rückt näher

Arafura hat den Sprung von der Finanzierungsphase zur Umsetzung geschafft. Nach der finalen Investitionsentscheidung ist die Entwicklung des Nolans-Projekts im Northern Territory freigegeben, der Baustart wird für September 2026 angepeilt. Hatch fungiert bereits als Engineering- und Baumanagement-Partner. Kommerziell hat das Unternehmen zudem ein verbindliches Term Sheet über die Lieferung von bis zu 500 Tonnen Seltenerd-Magnetvormaterial jährlich an eine von einer indischen Industriegruppe unterstützte Gesellschaft unterschrieben.

Getragen wird die Eigenkapitalseite maßgeblich von Gina Rineharts Hancock Prospecting, mittlerweile mit 17,5 Prozent größter Einzelaktionär und Geldgeber von umgerechnet rund 85 Millionen australischen Dollar innerhalb der jüngsten Kapitalerhöhung. Sobald Nolans in Betrieb geht, soll die Anlage über eine Laufzeit von 38 Jahren jährlich 4.440 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid liefern – etwa vier Prozent der weltweiten NdPr-Produktion. Offen bleiben allerdings noch die endgültige Fremdkapitalfazilität sowie ausstehende Aktionärsgenehmigungen für Ankerinvestoren.

Der Kurs bewegt sich derzeit bei 0,1150 Euro, am Freitag ein Plus von 3,32 Prozent, auf Monatssicht aber ein Minus von 22,77 Prozent. Der RSI-Wert von 30,0 signalisiert eine überverkaufte Situation – ungewöhnlich für ein Unternehmen, das gerade die entscheidende Bauphase einleitet.

Rock Tech Lithium: Machbarkeitsstudie startet, Aktie nahe Mehrjahrestief

Rock Tech treibt seine kanadisch-deutsche Konverter-Strategie unbeirrt voran. Die definitive Machbarkeitsstudie für den Red Rock Converter ist gestartet, erste Arbeiten deuten auf deutlich niedrigere Kapitalkosten hin als in der Scoping-Studie von 2024 unterstellt. Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist zusätzlich ein Ressourcenerweiterungs-Bohrprogramm geplant, die Auftragsvergabe für die Georgia-Lake-DFS wird für Ende August erwartet.

Am Kapitalmarkt bewegt sich das Unternehmen derweil in mühsamem Terrain. Der Kurs notiert bei 0,3990 Euro und damit nur wenige Prozentpunkte über dem 52-Wochen-Tief von 0,3510 Euro. Auf Jahressicht steht ein Minus von 34,16 Prozent, die 30-Tage-Bilanz zeigt einen Rückgang von 20,52 Prozent. Trotz dieser Kursschwäche halten die beiden Analysten, die den Titel abdecken, im Schnitt an einer Kaufempfehlung fest – mit Kurszielen, die deutliches Aufwärtspotenzial implizieren. Zusätzlich verfolgt das Unternehmen eine Zweitnotierung an der Nasdaq, um die Investorenbasis zu verbreitern.

Graphite One: Washington als Wachstumstreiber

Kein anderer Titel im Sektor profitiert derzeit so sichtbar von staatlicher Unterstützung wie Graphite One. Das US-Verteidigungsministerium hat einen Zuschuss über 37,5 Millionen US-Dollar bewilligt, um die Machbarkeitsarbeiten zu beschleunigen. Hinzu kommen zwei unverbindliche Absichtserklärungen der US-Exportbank EXIM: bis zu 670 Millionen US-Dollar für die Alaska-Mine Graphite Creek und bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar für die geplante Verarbeitungsanlage in Ohio. Zusammen ergibt das ein potenzielles Finanzierungsvolumen von bis zu 2,07 Milliarden US-Dollar.

Das Projekt wurde außerdem als erstes Bergbauvorhaben Alaskas in das föderale FAST-41-Genehmigungsverfahren aufgenommen, eine föderale Genehmigungsentscheidung wird für September 2026 erwartet. Kommerziell hat Graphite One bereits Anodenproben von bis zu 20 Kilogramm in Kommerzqualität an drei Elektroautohersteller und drei Batteriehersteller ausgeliefert; alle sechs Partner testen derzeit die Spezifikationen, verbindliche Abnahmeverhandlungen laufen bereits mit ausgewählten Kandidaten.

Der Kurs von 0,5250 Euro liegt zwar 1,55 Prozent im Plus zum Freitag und war auch auf Wochensicht mit 1,16 Prozent einer der wenigen positiven Werte im Sektor. Der Blick auf die längere Frist relativiert das jedoch: Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 58,17 Prozent, der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 38,41 Prozent.

European Lithium: Fusion mit Critical Metals Corp vor entscheidender Phase

Bei European Lithium dreht sich fast alles um die anstehende Zusammenlegung mit dem Nasdaq-notierten Unternehmen Critical Metals Corp. Beide Seiten haben ihre Scheme Implementation Deed angepasst: Kleinanleger erhalten künftig eine Verkaufsoption, zudem sollen Critical-Metals-Aktien direkt als Gegenleistung ausgegeben werden. Die wirtschaftlichen Kernbedingungen bleiben unverändert. Nach dem überarbeiteten Zeitplan soll das Scheme Booklet samt unabhängigem Sachverständigenbericht Ende Juli oder Anfang August versandt werden, die Umsetzung ist für Oktober 2026 vorgesehen. Im Erfolgsfall würden die bisherigen European-Lithium-Aktionäre rund 41 Prozent der fusionierten Gruppe halten.

Die Bilanzzahlen sind von dieser Transaktion bereits stark geprägt: Für das Halbjahr bis Ende Dezember 2025 wies das Unternehmen einen Nettogewinn von 1,15 Milliarden US-Dollar aus, verglichen mit einem Verlust von 26,3 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum – getrieben durch einen buchhalterischen Gewinn von 1,28 Milliarden US-Dollar aus der Entkonsolidierung von Critical Metals Corp. Das zugrunde liegende Lithiumprojekt Wolfsberg in Österreich gilt weiterhin als First-Mover-Asset für europäische Batterielieferketten, ist zuletzt aber in der Kommunikation gegenüber der Fusion in den Hintergrund gerückt.

Am Markt hat das für Bewegung gesorgt: Der Kurs von 0,1552 Euro liegt seit Jahresbeginn 71,30 Prozent höher, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar 255,96 Prozent. Allein die vergangenen 30 Tage brachten jedoch einen Rückgang von 37,29 Prozent – ein Hinweis darauf, wie nervös der Markt auf jede Nachricht rund um den Fusionsprozess reagiert.

Produzenten ziehen an Entwicklern vorbei

Die Kluft zwischen operativem Cashflow und regulatorischem Versprechen wird innerhalb dieser Gruppe größer. Ein Blick auf die zentralen Unterschiede:

  • Almonty ist der einzige Titel der Gruppe, der bereits substanzielle, vertraglich gesicherte Umsätze erzielt – entsprechend honoriert der Markt operative Fortschritte mit steigenden Analystenkurszielen.
  • Arafura steht zwischen Entwicklung und Produktion: Die Investitionsentscheidung ist gefallen, doch Fremdkapital- und Aktionärsgenehmigungen fehlen noch.
  • Rock Tech und Graphite One sind auf Machbarkeitsstudien, Zuschüsse und unverbindliche Finanzierungszusagen angewiesen, um die Lücke zum Bau zu schließen.
  • European Lithium hat sich von den eigentlichen Rohstoff-Fundamentaldaten weitgehend gelöst – der Kurs folgt inzwischen primär dem Fusionsfahrplan mit Critical Metals Corp.

Staatliche Unterstützung zieht sich als roter Faden durch fast die gesamte Gruppe: Graphite Ones Zuschüsse und EXIM-Zusagen, Arafuras Rückhalt durch Export Finance Australia, Rock Techs Förderung aus dem Ontario Critical Minerals Innovation Fund. Honoriert wird das an der Börse allerdings höchst unterschiedlich – Rock Tech und Graphite One notieren trotz vertiefter Förderzusagen deutlich unter ihren Jahreshochs, während Almontys operativer Wendepunkt tatsächlich zu höheren Kurszielen führte.

Kritische Wochen für gleich drei Bauprojekte

Mehrere Ereignisse dürften in den kommenden Wochen über die weitere Kursrichtung entscheiden. Arafuras Baustart im September wird zum Test dafür, ob sich westliche Finanzierungsmodelle für Seltene Erden tatsächlich fristgerecht in physischen Baufortschritt übersetzen lassen. Bei European Lithium rückt das Scheme Booklet mit dem unabhängigen Sachverständigenbericht in den Fokus – es dürfte die Abstimmung über die Fusion mit Critical Metals Corp maßgeblich prägen.

Rock Tech Lithiums Auftragsvergabe für die Georgia-Lake-DFS Ende August sowie der weitere Fortschritt der Machbarkeitsstudie zum Red Rock Converter werden zeigen, ob sich die erhoffte Kapitalkostenentlastung tatsächlich einstellt. Graphite Ones föderale Genehmigungsentscheidung im September bleibt das bedeutsamste kurzfristige Ereignis für die Alaska-Ohio-Strategie. Und bei Almonty verschiebt sich der Blick der Anleger von den Vertragsschlagzeilen hin zur Umsetzung in Sangdong – erst der vollständige Hochlauf auf Phase-1-Kapazität wird zeigen, ob sich die erweiterte Abnahmevereinbarung tatsächlich in nachhaltige Umsätze verwandelt.