Wolfspeed hat mit seinen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 die eigenen Prognosen erfüllt – und trotzdem einen Kurseinbruch ausgelöst. Der Grund: Was das Unternehmen selbst als Erfolg verkauft, reicht der Wall Street nicht. Die Aktie fiel im regulären Handel um 7,53 Prozent auf 29,09 US-Dollar und gab vorbörslich am Donnerstag nochmals knapp zehn Prozent nach.

Umsatz im Rahmen, Verlust außer Kontrolle

Der Siliziumkarbid-Spezialist wies für das am 28. Juni beendete Quartal einen Umsatz von rund 149,6 Millionen US-Dollar aus – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 197,0 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Zwar traf das exakt die Mitte der eigenen Prognose, doch der Analystenkonsens hatte mit gut 223 Millionen US-Dollar gerechnet. Diese Lücke zwischen Unternehmensausblick und Markterwartung erklärt einen Großteil der Kursreaktion.

Noch schwerer wog der Verlust je Aktie. Auf Non-GAAP-Basis stand ein Minus von 2,26 US-Dollar zu Buche, während Analysten nur 52 Cent Verlust erwartet hatten.

Der GAAP-Nettoverlust lag bei 145,4 Millionen US-Dollar – eine deutliche Verbesserung gegenüber den 669,3 Millionen US-Dollar im Vorjahr, die allerdings vor allem durch die im September 2025 abgeschlossene Chapter-11-Restrukturierung und die damit verbundene Neubewertung der Bilanz zustande kam. Die Bruttomarge blieb mit minus 20 Prozent auf Non-GAAP-Basis tief im negativen Bereich.

KI-Rechenzentren als einziger Lichtblick

Einen Wachstumstreiber liefert das Geschäft mit KI-Rechenzentren: Der Umsatz in diesem Segment verdoppelte sich im Geschäftsjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr und legte im vierten Quartal um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. CFO Gregor van Issum bezifferte den Umsatz-Schwellenwert für eine ausgeglichene Bruttomarge auf einen Jahresumsatz von etwa 800 Millionen US-Dollar – aktuell liegt Wolfspeed bei einem Bruchteil davon.

Zur Kapitalstruktur gab es ebenfalls Bewegung: Inhaber von Wandelanleihen im Volumen von 46 Millionen US-Dollar wandelten ihre Schuldtitel freiwillig in Eigenkapital um.

Das Unternehmen verfügte zum Quartalsende über 1,1 Milliarden US-Dollar an Zahlungsmitteln und kurzfristigen Investments, bei einer Nettoverschuldung von etwa 600 Millionen US-Dollar. Ein Teil dieser Schulden trägt laut Management einen Zinssatz von rund 16 Prozent – eine Refinanzierung gilt intern als oberste Priorität.

Auf der Produktseite meldete Wolfspeed die Einführung der fünften MOSFET-Generation, eine Auszeichnung für den 10-Kilovolt-MOSFET auf der PCIM-Konferenz sowie ein Memorandum of Understanding mit GE Aerospace. Analyst Joshua Buchalter von TD Cowen nahm die Coverage mit einer Hold-Einstufung und einem Kursziel von 25 US-Dollar auf – unterhalb des aktuellen Kursniveaus, was auf begrenztes Aufwärtspotenzial hindeutet.

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Wolfspeed einen Umsatz zwischen 140 und 160 Millionen US-Dollar in Aussicht – nahezu unverändert gegenüber dem abgelaufenen Quartal. Solange die Bruttomarge negativ bleibt und der Turnaround maßgeblich vom Wachstum im noch kleinen KI-Rechenzentrumsgeschäft abhängt, bleibt der Weg zur schwarzen Zahl weit.