Workday bekommt ein neues Problem, das weit über eine einzelne Klage hinausreicht. Im Streit um Mobley v. Workday geht es nicht nur um mögliche Diskriminierung bei der Bewerberauswahl, sondern um die Frage, wie weit die Haftung von KI-Anbietern im Personalwesen reicht.
Der Fall könnte zum Präzedenzfall werden. Ein Kläger wirft vor, über die Workday-Plattform bei zahlreichen Bewerbungen abgelehnt worden zu sein; das Gericht ließ die Ansprüche nun weiterlaufen und sah genügend Anhaltspunkte dafür, dass Workday als „Agent“ der Kundenunternehmen gehandelt haben könnte.
KI im Personalwesen unter Druck
Genau hier liegt der Knackpunkt. Sollte sich diese Sicht durchsetzen, könnte der Begriff des „Arbeitgebers“ in relevanten Arbeitsgesetzen breiter ausgelegt werden. Für Workday und andere Anbieter von KI-gestützter Personalauswahl würde das ein erheblich größeres Haftungsrisiko bedeuten.
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Die Klägerseite verlangt außerdem Unterlagen zu Bias-Tests, Trainingsdaten, Code, Methodik und Ergebnissen. Workday wehrt sich dagegen mit Verweis auf das Anwaltsgeheimnis. Der Rechtsstreit dreht sich damit nicht nur um einen Einzelfall, sondern auch um die Transparenz von Algorithmen im Recruiting.
Kurs schwach, Momentum zuletzt besser
An der Börse bleibt die Lage angespannt. Die Aktie schloss am Freitag bei 125,10 Euro und verlor 1,77 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von 42,80 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 28,77 Prozent. Immerhin: In den vergangenen 30 Tagen legte der Titel um 19,83 Prozent zu.
Auch die technischen Marken zeigen ein gespaltenes Bild. Der Kurs liegt rund 15 Prozent über der 50-Tage-Linie, aber gut 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 221,70 Euro, das Tief bei 94,23 Euro. Die hohe 30-Tage-Volatilität von 68,24 Prozent passt zu dieser unruhigen Ausgangslage.
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AI-Strategie bleibt intakt
Trotz der juristischen Unsicherheit baut Workday seine KI-Offensive weiter aus. Das Unternehmen hat die Partnerschaft mit Google Cloud erweitert und seine Sana Self-Service Agent in Gemini Enterprise integriert. Außerdem startete Workday am 2. Juni das „Agent Passport“-System zur Prüfung und laufenden Überwachung von KI-Agenten; Cisco ist zum Start dabei.
Hinzu kommen eine Data-Cloud-Integration mit AWS und neue Werkzeuge für Entwickler, die eigene KI-Agenten bauen wollen. Das sendet ein klares Signal: Workday will bei KI im Unternehmensumfeld nicht bremsen, sondern die nächste Ausbaustufe setzen.
Für die Zahlenbasis spricht das Unternehmen ebenfalls noch solide. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag der Umsatz bei 2,54 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie bei 2,66 Dollar und damit über den Erwartungen. Im Juni steht die virtuelle Hauptversammlung an, im August sollen die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 folgen. Genau dann dürfte sich zeigen, wie stark rechtliche Risiken und Wachstumsstory inzwischen miteinander verwoben sind.
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