XRP schließt bei rund 1,00 Dollar. Das ist der schwächste Tagesschluss seit November 2024. Gleichzeitig bauen Derivatehändler ihre Positionen so stark auf wie seit Monaten nicht mehr.
Diese Kombination ist ungewöhnlich. Normalerweise ziehen sich Trader bei fallenden Kursen zurück. Bei XRP passiert das Gegenteil.
Der Kurs klebt an der Marke von einem Dollar
Der Token notiert derzeit rund 70 Prozent unter seinem Rekordhoch von 3,35 Dollar aus dem August 2025. Am Dienstag rutschte der Kurs an manchen Handelsplätzen kurz auf 99 Cent, bevor er sich wieder Richtung 1,02 Dollar erholte. Der Bounce hält seither nicht mehr.
Der Kurs liegt derzeit 7,2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,08 Dollar. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand bereits 23 Prozent. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte zeigen nach unten. Das signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck.
Der RSI liegt bei 35,5 Punkten. Das deutet auf eine leicht überverkaufte Lage hin, ohne dass ein Extrem erreicht ist.
Terminmarkt zeigt ungewöhnliche Aktivität
Während der Spotkurs stagniert, explodiert die Aktivität am Terminmarkt. Das offene Interesse an XRP-Futures ist auf 2,67 Milliarden XRP gestiegen, umgerechnet etwa 2,73 Milliarden Dollar. Anfang August lag der Wert noch bei 2,25 Milliarden XRP. Das ist der höchste Stand seit Oktober.
Auch auf der Handelsplattform Binance zeigt sich der Trend. Dort kletterte das offene Interesse auf 435,1 Millionen Token und übertraf damit den 30-Tage-Durchschnitt deutlich. Der sogenannte 30-Tage-Z-Score stieg auf etwa 1,20 — ein Hinweis auf deutlich erhöhte Spekulation.
Das Problem: Der Spotkurs bewegt sich seit Tagen nur zwischen 1,00 und 1,02 Dollar. Diese Diskrepanz zwischen ruhigem Kassamarkt und aufgeladenem Terminmarkt erhöht das Risiko scharfer Liquidationen, sobald sich die Volatilität löst. Analysten werten das Setup als neutral bis vorsichtig. Der Grund: Trader erwarten eine große Bewegung, wissen aber nicht, in welche Richtung.
Netzwerknutzung widerspricht dem Kursbild
Abseits des Kurses zeigt sich ein anderes Bild. Die aktiven Adressen im XRP-Netzwerk stiegen im August auf durchschnittlich rund 35.700 pro Tag. Im Juli waren es noch etwa 26.400.
Die Zahl neuer Adressen blieb dabei fast unverändert bei rund 2.260 pro Tag. Das spricht dafür, dass bestehende Nutzer aktiver werden — nicht, dass massenhaft neue Anleger einsteigen. Diese Lücke zwischen steigender Netzwerknutzung und fallendem Kurs macht die aktuelle Lage schwer einzuordnen.
Inflationsdaten als Zünder
Der Aufbau der Hebelpositionen fällt zeitlich mit einem wichtigen makroökonomischen Termin zusammen: dem US-Inflationsbericht. Zinserwartungen beeinflussen die Risikobereitschaft an den Kryptomärkten direkt. Trifft dünnes Handelsvolumen im Spotmarkt auf ein aufgeblähtes Terminmarktbuch, steigt die Gefahr heftiger Kursausschläge.
Die Ausgangslage ist damit klar umrissen. Fallende gleitende Durchschnitte, ein Rekord-nahes offenes Interesse seit Oktober und eine wachsende Nutzerbasis unter bestehenden Haltern treffen aufeinander. Ob die Marke von 1,00 Dollar als Unterstützung hält oder bricht, dürfte sich in den kommenden Handelstagen entscheiden — insbesondere im Umfeld der anstehenden Inflationsdaten.
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