Der Krypto-Token XRP erlebt gerade eine scharfe Bereinigung. Während Ripple regulatorische Meilensteine sammelt und seinen Stablecoin international ausrollt, bricht der Kurs ein — und der Derivatemarkt zeigt, wie brutal dieser Absturz für gehebelte Trader war.

Liquidationswelle trifft Long-Trader hart

Am 26. Juni wurden XRP-Long-Positionen im Wert von rund 43 Millionen Dollar zwangsgeschlossen. Das entspricht 97 Prozent aller an diesem Tag liquidierten XRP-Positionen. Bereits am Vortag hatte es Long-Liquidationen von über 40 Millionen Dollar gegeben. Zwei Tage in Folge, zwei der größten Liquidationsereignisse seit Monaten.

Das Open Interest — also das Volumen offener Derivatekontrakte — fiel innerhalb eines Monats von 1,18 auf 1,04 Milliarden Dollar. Ein Rückgang von gut elf Prozent. Die Funding Rates rutschten tief ins Negative. Kein Wunder: Wer auf steigende Kurse gesetzt hatte, wurde reihenweise aus dem Markt gedrängt.

Der Kassapreis spiegelt die Stimmung wider. XRP notiert aktuell bei rund 1,04 Dollar — gut 71 Prozent unter dem Jahreshoch von 3,65 Dollar vom Juli 2025. Seit Jahresbeginn hat der Token fast 45 Prozent verloren. Der RSI liegt bei knapp 31 und signalisiert überverkaufte Bedingungen.

Institutionelle Käufer halten dagegen

Trotz des Drucks im Derivatemarkt fließt institutionelles Kapital weiter in XRP-Spot-ETFs. Seit deren Start im November 2025 summierten sich die Zuflüsse auf rund 1,47 Milliarden Dollar. Allein am 26. Juni kamen netto 15,6 Millionen Dollar hinzu — davon 11,7 Millionen über den Bitwise XRP ETF.

On-Chain-Daten zeigen ein ähnliches Bild. Die Zahl der Wallet-Adressen mit mindestens 10.000 XRP erreichte im Mai 2026 mit 332.230 Adressen einen Rekordwert. Außerdem wurden zuletzt mehr als 25 Millionen XRP von Börsen abgezogen — ein mögliches Zeichen für erhöhte Kaltlagerung und sinkenden kurzfristigen Verkaufsdruck.

Ripple baut regulatorische Basis in Europa und Asien

Parallel zur Marktturbulenzen treibt Ripple seine globale Expansion voran. Am 23. Juni erhielt das Unternehmen von der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF eine vorläufige Genehmigung als Crypto-Asset-Dienstleister. Damit kann Ripple regulierte Krypto-Dienstleistungen in allen 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten — sobald die finalen Bedingungen erfüllt sind.

Beim Stablecoin RLUSD gibt es zwei neue Märkte. In Japan startete Ripple am 24. Juni gemeinsam mit SBI VC Trust. Die japanische Finanzaufsicht JFSA hat RLUSD als elektronisches Zahlungsmittel zugelassen. In Singapur läuft ein Pilotprojekt im MAS-Sandbox-Programm, das automatisierte Handelsfinanzierungen über den XRP Ledger testet. Die Marktkapitalisierung von RLUSD liegt inzwischen bei rund 1,7 Milliarden Dollar.

In den USA bleibt das Bild unklarer. Der Digital Asset Market Clarity Act könnte noch vor dem 4. Juli verabschiedet werden — das Weiße Haus strebt diesen Termin an. Galaxy Research schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung allerdings nur noch auf 50 zu 50, weil der Senat wenig Spielraum im Kalender hat. Branchenvertreter berichten von aktiven Gesprächen zwischen Senatoren, Weißem Haus und Stakeholdern — ein Juli-Votum gilt weiterhin als Ziel.

Der nächste technische Widerstand liegt bei 1,10 Dollar. Hält die Unterstützung bei 1,00 Dollar, könnte die laufende Akkumulation durch Großadressen die Basis für eine Stabilisierung legen — vorausgesetzt, der Regulierungsrückenwind aus Washington kommt rechtzeitig.