Der Freitag war einer zum Vergessen. Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C verlor an einem einzigen Handelstag 7,25 Prozent — sein schlechtester Tag seit langer Zeit. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 6,03 Prozent, der Schlusskurs liegt bei 199,46 Euro.
Broadcom zündet die Lunte
Auslöser war ein Zusammentreffen zweier Schocks. Broadcom meldete nach US-Börsenschluss am 3. Juni Quartalszahlen, die auf den ersten Blick stark aussahen: Umsatz von 22,19 Milliarden Dollar, ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der KI-Chip-Umsatz wuchs sogar um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar.
Der Markt schaute trotzdem durch. Broadcom prognostizierte für das laufende Quartal KI-Chip-Erlöse von 16 Milliarden Dollar. Analysten hatten 16,36 Milliarden erwartet — eine Lücke von rund 360 Millionen Dollar. CEO Hock Tan hob das Jahresziel nicht an und deutete an, dass Google seine Chip-Lieferkette diversifizieren könnte. Das reichte für einen Ausverkauf.
Den zweiten Schlag lieferte der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Arbeitgeber schufen 172.000 neue Stellen — doppelt so viele wie die erwarteten 88.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent. Das schürte Spekulationen über eine Zinserhöhung der Federal Reserve. Tech-Aktien rotierten scharf ab. Der Nasdaq verlor 4,18 Prozent und schloss bei 25.709 Punkten — sein größter Tagesverlust seit April 2025.
Chipwerte im freien Fall
Der ETF traf es besonders hart, weil seine Zusammensetzung genau dort konzentriert ist, wo der Sturm am stärksten tobte. Größte Einzelposition ist Samsung Electronics mit 6,32 Prozent. Micron Technology folgt mit 4,60 Prozent, Nvidia mit 4,51 Prozent.
Die Verluste in diesen Namen waren heftig. Micron brach innerhalb von zwei Handelstagen um 17 Prozent ein, AMD um 12,6 Prozent, Intel um 9 Prozent. Auch TSMC, Qualcomm und Broadcom selbst gaben deutlich nach. Der Ausverkauf griff auf Südkorea über: SK Hynix und Samsung Electronics rissen den KOSPI um 7 Prozent nach unten.
119 Positionen hält der ETF insgesamt — eine Breite, die in dieser Woche keinen Schutz bot.
Vom Allzeithoch in den Korrekturmodus
Noch am 2. Juni markierte der ETF sein 52-Wochen-Hoch bei 222,05 Euro. Bis zum Freitagsschluss verlor er von dort aus mehr als 10 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht bleibt ein Plus von 8,38 Prozent, seit Jahresanfang steht der ETF noch immer 28,63 Prozent im Plus.
Das zeigt das Ausmaß der Rally, die dieser Korrektur vorausging. Der Philadelphia Semiconductor Index hatte 2026 bis zur Vorwoche rund 90 Prozent zugelegt. Eine so extreme Bewertungsdehnung macht jeden Enttäuschungsmoment gefährlich.
Kein Wunder, dass die Reaktion so scharf ausfiel.
Überreaktion oder strukturelle Wende?
Einige Marktteilnehmer sehen die Bewegung als übertrieben. TD Cowen bestätigte nach dem Crash sein Kaufvotum für Broadcom mit einem Kursziel von 500 Dollar. BNP Paribas Exane erhöhte sein Kursziel sogar auf 640 Dollar — beide Häuser werten den Rückgang als Überreaktion auf eine marginale Verfehlung bei ansonsten starken Fundamentaldaten.
Der 50-Tage-Durchschnitt des ETF liegt bei 177,54 Euro. Der aktuelle Kurs von 199,46 Euro liegt damit noch immer deutlich darüber. Technisch gesehen ist der ETF trotz der Korrektur nicht günstig bewertet. Ob die Erholung der vergangenen Monate nachhaltig war, entscheidet sich an den nächsten Quartalszahlen der großen KI-Infrastrukturanbieter — allen voran Nvidia, dessen Bericht für Ende August erwartet wird.
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