Liebe Leserinnen und Leser,
der Crypto Fear & Greed Index steht bei 13. „Extreme Fear“ — ein Wert, den Bitcoin-Anleger zuletzt im September 2024 gesehen haben. Am Freitag fiel Bitcoin zeitweise auf $58.989, die ETF-Abflüsse allein im Juni summieren sich auf über $3,6 Milliarden. Doch während die Krypto-Schlagzeilen dominieren, lieferten zwei deutsche Einzelwerte die konkreteren Trading-Setups: Zalando mit einem BaFin-Schock und die Commerzbank mit einer Übernahme-Absage, die keine sein dürfte.
Commerzbank sagt Nein zu UniCredit — und erhöht den Einsatz
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank haben ihre Aktionäre ausdrücklich aufgefordert, das Übernahmeangebot von UniCredit abzulehnen. Die Begründung ist dreifach: keine angemessene Prämie, kein Abbilden des fundamentalen Werts, und die eigene Strategie „Momentum 2030″ biete mehr Wertsteigerungspotenzial bei geringerem Umsetzungsrisiko. Auch die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär stellt sich quer.
Für Anleger ist das kein Schlussstrich. UniCredit kann nachbessern, den Zeitrahmen verlängern oder die Strategie wechseln — und der Markt wird genau beobachten, wie viele Aktionäre sich der Empfehlung widersetzen. Wer die Commerzbank-Aktie hält, sitzt auf einer laufenden M&A-Situation mit offenem Ausgang. Der Widerstand des Managements erhöht die Unsicherheit kurzfristig, schützt aber vor einem Verkauf zu Dumpingpreisen. Das Thema begleitet uns seit Wochen — und es wird uns noch Wochen begleiten.
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Zalando minus sieben Prozent: Die BaFin prüft die About-You-Bilanz
Zalando verlor am Freitag rund 7 Prozent. Der Auslöser: Die BaFin untersucht die Finanzberichte des Unternehmens für 2025, konkret im Zusammenhang mit der About-You-Akquisition. Das ist keine Routinekontrolle. Eine BaFin-Untersuchung zu Bilanzierungsfragen rund um eine Übernahme kann Nachbesserungen, Korrekturen oder im ungünstigsten Fall Rückstellungen nach sich ziehen.
Für Trading-orientierte Anleger ist das ein klassisches Unsicherheits-Ereignis: Der Kurs reagiert auf das Risiko, nicht auf ein bekanntes Ergebnis. Wer Zalando bereits im Depot hat, sollte die Entwicklung eng verfolgen. Ein Einstieg auf dem gedrückten Niveau ist spekulativ — solange der BaFin-Befund aussteht, bleibt das Abwärtsrisiko schwer kalkulierbar. Wer hier zugreift, wettet darauf, dass die Prüfung ohne materielle Folgen bleibt. Das kann aufgehen. Muss es aber nicht.
Bitcoin bei $58.000 — aber Solana liefert die interessanteren Signale
Die Fakten zum Bitcoin-Rückgang sind schnell erzählt: ETF-Abflüsse von $4,6 Milliarden seit Jahresbeginn, ein US-PCE-Inflationswert von 4,1 Prozent, der Zinssenkungshoffnungen begraben hat, und ein SMA200 bei $76.158, der zeigt, wie weit der Kurs vom übergeordneten Aufwärtstrend entfernt ist. Technisch gilt $56.000 als nächste relevante Unterstützung. Polymarket sieht 48,4 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin am 27. Juni über $60.000 schließt. Knappe Sache.
Der interessantere Blick richtet sich auf das Solana-Ökosystem. Während Ethereum mit einem ETH/BTC-Verhältnis auf einem 10-Monats-Tief von 0,02835 weiter schwächelt — minus 47 Prozent in 2026 gegenüber minus 32 Prozent bei Bitcoin — zeigen einzelne Solana-Tokens relative Stärke: Backpack legte in 30 Tagen 356 Prozent zu, Solstice 92,5 Prozent, Jito 29 Prozent. Solana-Anwendungen generieren täglich rund $2,8 Millionen Umsatz, das 2,5-Fache von Ethereum-Anwendungen. Netto-Bridge-Zuflüsse lagen in 30 Tagen bei $137 Millionen.
Das ist kein Freifahrtschein. Ein „Solana Summer“ setzt voraus, dass Bitcoin nicht weiter abrutscht. Aber wer nach Altcoin-Setups sucht, die nicht eins zu eins am Bitcoin-Tropf hängen, findet hier konkretere Ansätze als bei Ethereum.
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Die Woche voraus: Nike, Stahl und der US-Arbeitsmarkt
Der DAX schloss am Freitag bei 24.671 Punkten, ein Minus von 1,3 Prozent — getrieben durch den globalen Tech-Selloff nach Apples Entscheidung, gestiegene Halbleiterpreise erstmals an Kunden weiterzugeben. Infineon verlor 3,8 Prozent.
Für die kommende Woche stehen drei Termine im Zentrum. Am Dienstag kommen die Einkaufsmanagerindizes und nach US-Börsenschluss die Quartalszahlen von Nike — mit direkter Wirkung auf Adidas und Puma, deren Merchandise-Stärke wir gestern noch hervorgehoben haben. Am Mittwoch entscheidet die EU über neue Regeln für Stahlimporte; Thyssenkrupp und Salzgitter verloren am Freitag bereits jeweils über 7 Prozent und preisen einen Teil der Unsicherheit ein. Am Donnerstag folgt der US-Arbeitsmarktbericht — bei einer Kern-PCE von 3,4 Prozent und Märkten, die laut Goldman Sachs erst im Juni 2027 mit Zinssenkungen rechnen, ist jede Überraschung marktbewegend.
Die DZ Bank sieht den DAX-Aufwärtstrend langfristig intakt und traut dem Index bis Dezember einen Anstieg von 10 Prozent zu. Helaba prognostiziert 25.000 Punkte zum Jahresende. Bis dahin dürfte die saisonale Sommerschwäche dominieren.
Drei Fragen fürs Wochenende
Hält Bitcoin die $58.000-Marke, oder öffnet sich die nächste Stufe Richtung $56.000? Gibt Nike am Dienstag den europäischen Sportartikelwerten Rückenwind oder weiteren Gegenwind? Und zeigt der US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag Risse — oder bestätigt er, dass die Fed keine andere Wahl hat, als abzuwarten?
Wer diese drei Termine im Blick behält, geht besser vorbereitet in die neue Woche als wer nur auf die Indexstände vom Freitag starrt. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer
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