Zoetis hat seine Jahresprognose für 2026 deutlich gesenkt und gleichzeitig eine Neuordnung der Führungsspitze angekündigt. Der Tierarzneimittelhersteller reagiert damit auf eine schwächelnde Nachfrage im US-Geschäft mit Heimtieren und wachsenden Wettbewerbsdruck bei zentralen Präparaten. Die Nachricht traf Investoren am Montag hart: An der Wall Street brach die Aktie um rund 5,8 Prozent ein und markierte im US-Handel ein neues 52-Wochen-Tief.

Schwaches Heimtiergeschäft drückt auf die Zahlen

Im zweiten Quartal 2026 blieb der Umsatz mit 2,468 Milliarden US-Dollar nahezu unverändert, organisch und währungsbereinigt ging er sogar um 1 Prozent zurück. Der Nettogewinn sank auf 691 Millionen US-Dollar. Vorstandschefin Kristin Peck machte vor allem das US-Geschäft mit Begleittieren für die Schwäche verantwortlich.

Für das Gesamtjahr rechnet Zoetis nun mit einem organischen Umsatzrückgang zwischen 1 und 3 Prozent sowie einem bereinigten Nettogewinn, der um 5 bis 9 Prozent unter Vorjahr liegen soll. Die Umsatzprognose wurde auf eine Spanne von 9,1 bis 9,3 Milliarden US-Dollar zurückgenommen, beim Gewinn je Aktie visiert das Unternehmen nun 6,15 bis 6,25 US-Dollar an.

Hinter der Schwäche im Kerngeschäft stecken laut Marktbeobachtern mehrere Baustellen zugleich: zunehmende Konkurrenz im Dermatologie-Segment und beim Flagship-Präparat Simparica Trio, ein enttäuschender Verlauf des Osteoarthritis-Mittels Librela sowie steigender Druck durch Generika.

Diese Gemengelage hatte den Vermögensverwalter Brown Advisory bereits im Mai dazu bewogen, seine gesamte Zoetis-Position aufzulösen – mit der Begründung, die ursprüngliche Investmentthese sei nicht mehr intakt.

Die Zahl der Hedgefonds, die zum Ende des ersten Quartals noch Zoetis-Aktien hielten, war bereits auf 57 gesunken, nach 69 im Vorquartal. Auch der Vermögensverwalter Assenagon reduzierte seine Beteiligung im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte und verkaufte über 426.000 Aktien.

Führungswechsel mitten in der Krise

Parallel zur Prognosesenkung baut Zoetis seine Führungsstruktur um. James Saccaro übernimmt ab dem 17. August die neu geschaffene Doppelrolle als Executive Vice President, Finanzvorstand (CFO) und Chief Operating Officer (COO).

Der Schritt reiht sich in einen branchenweiten Trend ein, wonach Aufsichtsräte den Aufgabenbereich von Finanzchefs zunehmend um operative Verantwortung erweitern – ähnliche Konstellationen gibt es derzeit etwa bei Zillow und Owens Corning. Ob die gebündelte Verantwortung bei Zoetis operative Antworten auf die Wachstumsschwäche liefern kann, muss sich erst zeigen.

Die Analysten von UBS reagierten unmittelbar auf die Zahlen und senkten ihr Kursziel von 85 auf 80 US-Dollar, die Einstufung bleibt neutral. Trotz der Prognosekürzung hatte Zoetis beim Gewinn je Aktie mit 1,87 US-Dollar die Erwartungen leicht übertroffen, beim Umsatz die Konsensschätzung jedoch verfehlt.

Lichtblicke abseits des Kerngeschäfts

Nicht alle Signale sind negativ. Die Sparten Diagnostik und Livestock wuchsen im zweiten Quartal um 12 beziehungsweise 11 Prozent und stützten damit den insgesamt schwachen Konzernumsatz.

Zoetis erweiterte zudem sein Portfolio: Mitte Juli brachte das Unternehmen mit Lenivia einen langwirksamen Antikörper gegen Osteoarthritis-Schmerzen bei Tieren in Kanada und der EU auf den Markt, dessen Wirkung bis zu drei Monate anhalten soll. Ebenfalls im Juli kündigte Zoetis die Übernahme des Teleradiologie-Anbieters VitalRADS an – ein Schritt, der das Diagnostikgeschäft weiter stärken soll.

An der deutschen Börse spiegelt sich die angespannte Lage in den Kursdaten wider. Am Montag schloss die Aktie bei 64,84 Euro und legte damit um 3,18 Prozent zu – ein Erholungsversuch nach den vorangegangenen Verlusten.

Vom 52-Wochen-Tief trennen das Papier derzeit nur noch 4,61 Prozent, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt weiterhin knapp 30 Prozent beträgt. Der Titel bewegt sich damit weiterhin deutlich unter seinem längerfristigen Trend, auch wenn die jüngste Gegenbewegung zumindest eine kurzfristige Stabilisierung andeutet.