Zurich Insurance hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die den Markt eigentlich hätten überzeugen müssen. Der Betriebsgewinn stieg im ersten Halbjahr 2026 um 13 Prozent auf 4,77 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn kletterte um 14 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf der Konzern die von Analysten erwarteten 4,73 Milliarden US-Dollar beim Betriebsgewinn leicht, wie Bloomberg berichtete. Trotzdem verlor die Aktie in den ersten Handelsstunden des Berichtstags 2,6 Prozent. Analysten von Vontobel und Oddo BHF verwiesen laut Reuters und Business Insurance auf die schwächeren Ergebnisse der US-Tochter Farmers als Belastungsfaktor.
Starke Sparten kompensieren schwache Farmers-Tochter
Der Blick ins Detail zeigt ein gespaltenes Bild. Das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft (P&C) steigerte den Betriebsgewinn like-for-like um 12 Prozent auf 2,81 Milliarden US-Dollar. Farmers dagegen blieb mit einem Betriebsgewinn von 1,18 Milliarden US-Dollar hinter den Erwartungen zurück, wie Insurance Journal berichtete. Die Bruttoprämien im P&C-Geschäft wuchsen um 7 Prozent auf 29,9 Milliarden US-Dollar, die Schadenquote verbesserte sich auf 92,7 Prozent.
Im Spezialversicherungsgeschäft Global Specialty legten die Prämien um 8 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar zu. Treiber war vor allem die Bausparte mit einem Plus von 18 Prozent, angeschoben durch die weltweite Nachfrage nach Rechenzentren und Energieinfrastruktur. Auch das Lebensversicherungsgeschäft überzeugte: Der Betriebsgewinn stieg um 23 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Zurich hob deshalb die Jahresprognose für die Sparte an und rechnet nun mit einem Wachstum von mindestens 10 Prozent, nachdem zuvor ein mittlerer bis oberer einstelliger Prozentbereich in Aussicht gestellt worden war. Die Kapitalausstattung bleibt derweil komfortabel: Die Solvenzquote nach dem Swiss Solvency Test lag bei 266 Prozent.
Finma-Verfahren belastet Schweizer Lebensversicherung
Parallel zu den Zahlen beschäftigt ein Enforcement-Verfahren der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma den Konzern. Ende Juli wurde bekannt, dass mehr als zwölf Mitarbeitende die Zurich Insurance im Zuge des Verfahrens verlassen mussten. Die Finma verhängte zudem ein Verkaufsverbot für bestimmte Policen im Schweizer Lebens- und Pensionsversicherungsgeschäft, wie Bloomberg und Insurance Journal berichteten. Auslöser war der Verkauf hochregulierter Policen an Schweizer Kunden zu Preisen unterhalb der mit der Aufsicht vereinbarten Konditionen. Die betroffene Geschäftseinheit erwirtschaftet nach Unternehmensangaben rund 20 Millionen Schweizer Franken Gewinn pro Jahr, umgerechnet etwa 24,4 Millionen US-Dollar. Konzernchef Greco betonte, das Verfahren habe keine Auswirkungen auf das Gesamtergebnis der Gruppe.
Beazley-Integration prägt den Ausblick
Im Hintergrund treibt Zurich die Übernahme des Lloyd’s-Versicherers Beazley für 11 Milliarden US-Dollar voran. Die Aktionäre von Beazley hatten der Transaktion im April mit 99,9 Prozent der Stimmen zugestimmt, im Juni reichte Zurich die formale Anmeldung bei der Europäischen Kommission ein, die daraufhin eine Phase-I-Prüfung einleitete. Der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet. Konzernchef Greco signalisierte laut Insurance Journal, bis zum Abschluss der Integration im Amt bleiben zu wollen.
An der Börse spiegelt sich die gemischte Nachrichtenlage im Kursverlauf wider. Zum Schluss des Freitagshandels notierte die Aktie bei 638,80 Euro, nach einem Wochenverlust von 3,74 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier damit 5,98 Prozent entfernt. Anleger wägen derzeit die operative Stärke in Leben- und Spezialgeschäft gegen die regulatorischen Fragezeichen in der Schweiz und die laufende Integration von Beazley ab.
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