Liebe Traderinnen und Trader,
erst der Rekord, dann der Rückzug: Am Freitag markierte der DAX mit 26.618,74 Punkten ein neues Allzeithoch, binnen weniger Handelstage ist der Index bereits wieder auf rund 26.000 Punkte zurückgefallen. Steigende Ölpreise nach den Tankerangriffen in der Straße von Hormus, eine Bundesanleihen-Rendite auf einem 15-Jahres-Hoch von 3,32 Prozent und die Erwartung weiterer Zinsschritte drücken auf die Stimmung. Die Frage ist nicht, ob der Rückschlag kommt – er ist längst da. Die Frage ist, ob er die Sommer-Rally beendet oder nur eine gesunde Verschnaufpause markiert.
DAX testet die alte Bestmarke. Der Index bewegt sich derzeit deutlich unter seinem Rekord vom 28. August, der MDax gab mit rund 1,6 Prozent noch klarer nach. Technisch bleibt die Zone um 26.570 Punkte der Schlüssel: Eine Rückkehr darüber wäre das Signal, dass die Rally intakt ist und ein neuer Anlauf auf das Allzeithoch folgt. Scheitert der Index wiederholt an dieser Marke, bestätigt das die saisonal ohnehin oft schwierige September-Phase. Für Trader zählt aktuell dieser eine Level mehr als jede einzelne Tagesbewegung.
Siemens Energy und SAP zeigen, wie unterschiedlich der Markt KI-Fantasie bewertet. Siemens Energy notiert bei rund 141 Euro und gab damit nur moderat nach, nachdem Berichte über einen möglichen SpaceX-Einstieg in die Gasturbinen-Komponentenfertigung die Runde machten. JPMorgan-Analyst Phil Buller ordnet die Aufregung ein: Das betroffene Segment mache nur rund 10 Prozent der Konzernumsätze aus, die Nachfrage nach Gasturbinen dürfte sogar steigen. Über zwölf Monate steht die Aktie weiter mit rund 59 Prozent im Plus – dieser Rücksetzer wirkt eher wie Rauschen als wie eine Trendwende. Ganz anders SAP: Die Aktie büßte im Tagesverlauf rund 2,8 Prozent auf etwa 184 Euro ein, nachdem die UBS ihre Vorsicht wegen ausbleibender Fortschritte bei KI-Agenten bekräftigte. Über ein Jahr steht SAP damit rund 21 Prozent im Minus. Der Markt beginnt offenbar, scharf zwischen Ausrüstern mit belastbarer physischer Nachfrage und Softwarekonzernen zu trennen, deren KI-Versprechen sich noch nicht in Zahlen übersetzt.
Während SAP unter dem Verdikt der UBS leidet und Siemens Energy trotz kurzfristiger Kursdellen von realer Nachfrage getragen wird, zeigt sich: Nicht jede KI-Aktie verdient dieselbe Einschätzung. Ein aktueller Report stellt zehn Big-Data-Unternehmen vor, die vom Megatrend Künstliche Intelligenz besonders profitieren könnten. Jetzt Report zu den Top-10-KI-Aktien sichern
Technip Energies wettet auf die Space Economy abseits der Chip-Story. Während sich die Aufmerksamkeit sonst auf Halbleiter richtet, entsteht mit dem Weltraumprogramm von SpaceX eine handfeste Auftragschance für einen klassischen Industriedienstleister: Technip Energies gilt als Favorit für einen möglichen Auftrag von rund 10 Milliarden Dollar im Rahmen eines 100-Milliarden-Dollar-Projekts – einer Raketentreibstoff-Anlage in Louisiana. Baustart der SpaceX-Basis ist für 2027 vorgesehen, der erste Starship-Start für 2029. Die Aktie reagierte bereits kräftig mit einem Plus von 5,19 Prozent auf 31,60 Euro. Fix ist der Auftrag noch nicht, doch die Größenordnung zeigt, wie sich die Wertschöpfung der Raumfahrtindustrie zunehmend zu etablierten Engineering-Konzernen verschiebt – ein Thema, das über den Tag hinaus relevant bleibt.
Bei Porsche SE liegt die eigentliche Sorge nicht im Kursziel. Die DZ Bank senkte den fairen Wert für Porsche SE von 33 auf 28 Euro und beließ die Einstufung bei „Halten“. Bemerkenswerter als die Zahl ist die Begründung: Analyst Michael Punzet fordert schnellere Entscheidungen bei Volkswagen und der Porsche AG – ein Hinweis darauf, dass der Markt strategische Lähmung im Konzern stärker fürchtet als operative Schwächen. Die Aktie selbst hielt sich trotzdem stabil bei rund 28 Euro, während Porsche AG und Volkswagen im Tagesverlauf nachgaben. Über zwölf Monate liegt Porsche SE weiter rund 22 Prozent im Minus. Wer in der Holding investiert ist, kauft derzeit im Kern eine Wette darauf, dass der Konzern endlich Tempo aufnimmt – nicht auf kurzfristige Kursimpulse.
Bitcoin hält sich wacker, XRP fällt weiter zurück. Trotz der Risk-off-Stimmung an Anleihe- und Rohstoffmärkten notiert Bitcoin bei rund 78.000 Dollar erstaunlich stabil – ein Kontrast zu den übrigen Risikoassets, die unter Druck stehen. Nicht jeder Krypto-Wert profitiert von dieser Stabilität: XRP notiert bei rund 1,38 Dollar und liegt damit spürbar unter seinem Hoch vom 22. August. Die relative Stärke konzentriert sich derzeit auf Bitcoin, nicht auf den breiten Kryptomarkt.
Abseits der bekannten Namen wie SAP entstehen im KI-Sektor auch stillere Gewinner, die vom Boom profitieren, ohne im Rampenlicht zu stehen. Ein Spezialreport nennt vier solcher Unternehmen – vom Nischen-Monopolisten bis zum Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Spezialreport zu unbeachteten KI-Werten anfordern
Marschroute
Der Bereich um 26.570 Punkte bleibt der zentrale Gradmesser für den DAX: Nur eine nachhaltige Rückkehr darüber öffnet den Weg zurück zum Allzeithoch, ein erneutes Scheitern bestätigt die September-Schwäche. Bei Siemens Energy rechtfertigt die Zwölf-Monats-Bilanz von plus 59 Prozent, den aktuellen Dip auszusitzen, während SAP nach dem UBS-Kommentar und dem Jahresminus von 21 Prozent eher zur Vorsicht mahnt. Technip Energies bleibt nach dem Kurssprung auf 31,60 Euro die spekulativste Position der Liste – ein Blick auf die Auftragsvergabe lohnt sich in den kommenden Wochen. Bei Porsche SE entscheidet nicht der Kurs, sondern das Tempo der Konzernentscheidungen über die nächste Bewegung. Und bei Bitcoin bleibt die 78.000-Dollar-Marke die Linie, an der sich zeigt, ob die relative Stärke gegenüber XRP und dem breiten Kryptomarkt Bestand hat.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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