Liebe Traderinnen und Trader,
29.000 neue Stellen haben heute die Zinswette der Wall Street gekippt. Der US-Arbeitsmarktbericht für September verfehlte den Konsens von 90.000 um zwei Drittel, die Vormonate wurden um weitere 60.000 Stellen nach unten revidiert.
Was für die Konjunktur eine Warnung ist, war für den Nasdaq 100 das Signal zum Ausbruch über 31.000 Punkte. Die These des Tages: Schlechte Nachrichten sind wieder gute Nachrichten, solange sie die Fed bremsen und das Kapital in die KI-Infrastruktur drücken.
Der Arbeitsmarkt bremst die Fed, der Nasdaq 100 markiert ein 52-Wochen-Hoch
Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, die Stundenlöhne wuchsen nur noch um 3,0 Prozent zum Vorjahr. Damit fehlt der Fed der Grund für einen weiteren Schritt am 28. Oktober. Die Terminmärkte preisen eine Zinserhöhung im Oktober nur noch mit etwa 13 bis 20 Prozent ein, vor einer Woche waren es rund zwei Drittel.
Die Fed hatte den Leitzins am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Fed-Vize Philip Jefferson sagte am Donnerstag, die Notenbank brauche womöglich mehr Zeit vor weiteren Anpassungen. Eine Erhöhung im Dezember bleibt mit rund 90 Prozent voll eingepreist, ING und RSM erwarten genau diese Abfolge.
Für Anleger ist die Entlastung am Anleihemarkt der eigentliche Treiber. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf rund 5,2 Prozent zurück. Am Donnerstag hatte sie bei 5,34 Prozent das höchste Niveau seit 24 Jahren erreicht.
Der Nasdaq 100 nutzte die Atempause und stieg im Verlauf bis auf 31.017 Punkte, ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn liegt der Index 22 Prozent vorn. Der S&P 500 hat sein Augusthoch bei rund 7.800 Punkten dagegen noch nicht zurückerobert.
Nvidia trägt die Bewegung: Die Aktie notiert aktuell bei 209,20 Euro, umgerechnet knapp 236 Dollar, und markierte im Verlauf bei 211 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch.
Dahinter stehen ein Aktienrückkaufprogramm über 150 Milliarden Dollar, die Einstufung als Top-Pick bei Morgan Stanley und ein bestätigtes Kursziel von 350 Dollar von Cantor Fitzgerald. Für Trader heißt das: Der Ausbruch bei Nvidia ist mit Volumen und Nachrichten unterlegt, die alte Hürde um 236 bis 238 Dollar wird zur Unterstützung.
Genau diese Dynamik rund um die Chip-Branche steht im Zentrum des Live-Webinars „Der 1 Billion Dollar Chip“. Felix Baarz zeigt dort am 04.10.2026 um 18:00 Uhr, an welchen vier Punkten der laufende Investitionszyklus der Halbleiterindustrie zwingend vorbeiführt und welche Unternehmen genau dort positioniert sind. Hintergrund ist die Erwartung von McKinsey, dass die Branche bis 2030 die Marke von einer Billion Dollar Jahresumsatz erreicht. Wer verstehen will, wo das Kapital des Chip-Booms konkret hinfließt, findet hier eine klare Einordnung. Jetzt zum Webinar anmelden
Broadcom finanziert Anthropic: Der KI-Boom läuft jetzt auf Kredit
Das Geld für die nächste Ausbaustufe kommt zunehmend von Banken und Zulieferern. Wall-Street-Banken bereiten ein Finanzierungspaket über 60 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur vor. 42 Milliarden Dollar davon sind vorrangig besicherte Schulden, 18 Milliarden Dollar eine nachrangige Tranche unter Führung von Blackstone, von der 9 Milliarden zugesagt sind.
Broadcom stellt Anthropic laut Reuters bis zu 42 Milliarden Dollar für den Infrastruktur-Ausbau bereit. Die Broadcom-Aktie steigt im Verlauf um 3,0 Prozent auf 315 Euro, UBS bestätigt die Kaufempfehlung mit Kursziel 470 Dollar. Das Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2026 wird mit 66 Prozent prognostiziert.
Der Hintergrund macht den Trade interessant und riskant zugleich. Anthropic wirbt laut Bloomberg ab dem 9. November offiziell bei Investoren, ein Börsenstart vor dem 26. November ist möglich. OpenAI hat seinen Börsengang dagegen ins nächste Jahr verschoben.
Die Bank of America zieht heute den historischen Vergleich: Die zehn größten KI-Werte stellen rund 42 Prozent der US-Marktkapitalisierung, mehr als die Internetblase mit 41 Prozent. Die KI-Investitionen liegen bei 3,5 bis 4 Prozent des US-BIP, der Eisenbahnboom erreichte 5 Prozent.
Der Unterschied zur Eisenbahn: Damals fielen die Frachtpreise, heute steigen die Halbleiterpreise kräftig. Für Broadcom bedeutet das ein technisches Aufholpotenzial bis zum Junihoch bei 429,60 Euro, solange die Fremdfinanzierung des Booms nicht selbst zum Problem wird.
Die Broadcom-Zahlen zeigen, wie viel Kapital aktuell in den Ausbau der Chip-Infrastruktur fließt – doch die bekannten Namen sind nur ein Teil der Kette. Im Live-Webinar „Der 1 Billion Dollar Chip“ zeigt Felix Baarz am 04.10.2026 um 18:00 Uhr, an welchen vier Engpässen der milliardenschwere Investitionszyklus zwingend vorbeiführt und welche vier Unternehmen dort sitzen. Grundlage ist unter anderem der jüngste Micron-Quartalsumsatz von über 54 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal. Sie erfahren, wo abseits der großen Chip-Namen das Geld tatsächlich hinfließt. Jetzt Platz im Webinar sichern
Strom für die Rechenzentren: Vistra, Siemens Energy und ein Solardeal in Spanien
Wer Rechenzentren mit Energie versorgt, verdient am KI-Ausbau mit, ohne das Chiprisiko zu tragen. Siebert Williams nimmt den US-Versorger Vistra mit Kaufen und Kursziel 202 Dollar auf.
Begründung sind Stromlieferverträge mit Meta Platforms und Amazon Web Services für KI-Rechenzentren, abgesicherte Erträge und Spielraum für Aktienrückkäufe. Applied Digital hat an seinem Campus in North Dakota 75 Megawatt zusätzlich ans Netz gebracht, insgesamt 250 Megawatt. Der Betreiber IREN sprang daraufhin am Vormittag um 6,3 Prozent.
Auch Europa rückt in den Fokus. Alibaba verhandelt laut Bloomberg mit Solaria über Solarstrom für ein Rechenzentrum im spanischen Puertollano. Alibabas Investitionen stiegen im jüngsten Quartal um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Yuan, rund 9 Milliarden Euro. Spanien plant bis Jahresende eine Regel, nach der Rechenzentren einen EU-Sitz brauchen und zusätzlich Ökostrom ausbauen müssen.
In Deutschland profitiert Siemens Energy, die Aktie liegt aktuell bei 145,68 Euro und damit 21 Prozent über dem Jahresstart. Das Aprilhoch bei 195,38 Euro ist weit entfernt, der Trend seit zwölf Monaten zeigt aber mit 34 Prozent nach oben.
Für Siemens bestätigt die DZ Bank die Kaufempfehlung mit einem fairen Wert von 330 Euro gegenüber einem Kurs um 276 Euro. Analyst Alexander Hauenstein hält eine Verdopplung des Digitalgeschäfts bis 2030 für erreichbar, wenn die Plattform Xcelerator wiederkehrende Umsätze liefert.
Die Deutsche Telekom hält am Montag ihren KI-Investorentag ab, die Aktie notiert bei 26,60 Euro und damit 2,0 Prozent fester. Der Weg zum Februarhoch bei 34,35 Euro ist lang, der Termin ist aber der erste echte Kursimpuls seit dem Junitief bei 23,54 Euro.
Nike am 52-Wochen-Tief: Die Kursziele fallen im Stundentakt
Bei Nike enttäuschen nicht die Zahlen am meisten, sondern der Blick nach vorn. Nike hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 den Umsatz um 4 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar verfehlt. Greater China brach um 22 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar ein.
Der berichtete Gewinn sank um 2 Prozent auf 712 Millionen Dollar. Entscheidend ist der Ausblick: Nike erwartet für das Gesamtjahr einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,15 bis 1,35 Dollar.
Die Käuferseite hatte rund 1,50 Dollar erwartet, im Vorjahr standen 2,10 Dollar inklusive Sondereffekten. Das Sparprogramm Pace soll bis 2031 rund 2,5 Milliarden Dollar bringen, der Großteil aber erst 2029 und 2030.
Die Analysten reagierten mit einer Welle von Kurszielsenkungen. Truist senkt das Kursziel von 42 auf 29 Dollar, Piper Sandler von 38 auf 28 Dollar. UBS geht von 42 auf 34 Dollar, BNP Paribas Exane von 23 auf 19 Dollar bei Underperform.
Die Bank of America bleibt bei Verkaufen mit Ziel 24 Dollar. Die Nike-Aktie fiel vorbörslich um rund 10 Prozent und notiert aktuell bei 29,41 Euro, 5,8 Prozent unter dem Vortag. Das Tagestief bei 27,91 Euro ist zugleich das 52-Wochen-Tief.
Für Trader zählen zwei Dinge: Die halbe Rückeroberung des Vorbörsenverlusts zeigt erste Käufer, und Adidas sowie Puma drehten nach schwachem Start ins Plus. Der nächste Termin ist der Investorentag am 16. und 17. November.
Krypto: XRP-Setup, Robinhood-Perpetuals und Chainlink Fulcrum
Während Bitcoin seitwärts läuft, liegt das handelbare Setup in der zweiten Reihe. Bitcoin notiert bei rund 85.300 Dollar, nur leicht über dem Vortag, und bleibt damit in seiner Spanne.
Short-Positionen im Volumen von 122 Millionen Dollar wurden binnen 24 Stunden liquidiert, die Spot-ETFs sammelten im dritten Quartal 6,34 Milliarden Dollar ein. Das interessantere Setup liegt bei XRP: Der Token handelt bei 1,51 Dollar, nach einem Wochentief bei 1,47 Dollar.
Die Widerstandszone liegt am 100-Wochen-Durchschnitt bei 1,58 Dollar, die Unterstützung bei 1,40 bis 1,38 Dollar. Die US-XRP-ETFs verzeichneten am Donnerstag Zuflüsse von gut 4 Millionen Dollar, rund die Hälfte des ohnehin schwachen Wochenschnitts von 8 Millionen Dollar. Ein Wochenschluss über 1,58 Dollar würde das Bild drehen.
Strukturell liefert Robinhood die Nachricht des Tages: Die Plattform plant in den USA unbefristete Terminkontrakte auf Bitcoin, Ethereum und sechs weitere Token sowie KI-Handelsagenten mit manueller Freigabe. Die Robinhood-Aktie legt im Verlauf um 2,1 Prozent auf 101,02 Euro zu.
Chainlink hat mit Fulcrum eine Plattform gestartet, die Banken und Vermögensverwaltern Sicherheiten und Intraday-Finanzierung rund um die Uhr über Blockchains hinweg bietet. Die Infrastruktur-Wette läuft, auch wenn die Kurse der großen Coins stagnieren.
Marschroute
Der schwache Arbeitsmarkt hat den Druck von den Renditen genommen, und das Geld fließt gezielt in KI-Chips, Finanzierer und Stromlieferanten. Daraus ergeben sich die Marken für die nächsten Sitzungen:
- Nasdaq 100: 31.000 Punkte sind jetzt die Linie, ein Rückfall darunter wäre ein Fehlausbruch.
- Nvidia: 211 Euro beziehungsweise 238 Dollar als neue Unterstützung, darunter 205 Euro.
- Broadcom: Rebound-Ziel 429,60 Euro, Risiko bei einem Rückfall unter 305 Euro.
- Nike: 27,91 Euro ist die Marke, die halten muss.
- XRP: Kauf-Trigger über 1,58 Dollar, Stopp unter 1,38 Dollar.
- Bitcoin: Widerstand 88.000 bis 90.000 Dollar, Unterstützung 79.000 Dollar.
- Brent: Die 100-Dollar-Marke ist nach der G7-Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel die Schlüsselmarke für Energie und Anleihen.
- Termine: Montag Telekom-KI-Tag, Donnerstag TSMC-Umsatz, 14. Oktober US-Inflation, 28. Oktober Fed-Entscheid.
Ein Wochenende ohne Hormus-Schlagzeile wäre ein Geschenk, rechnen Sie nicht damit.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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