Liebe Traderinnen und Trader,
34 Milliarden Euro klingen nach der Schlagzeile der Woche – und sind doch nicht die eigentliche Nachricht. Monte dei Paschi hat am Freitag zwei Tauschangebote gleichzeitig auf den Tisch gelegt, für Banco BPM und für Banca Generali, zusammen 34 Milliarden Euro schwer. Spannend wird die Sache aber erst, wenn man sich den Spread zwischen den impliziten Angebotspreisen und dem ansieht, was die Börse tatsächlich zahlt. Der DAX kämpfte sich derweil nach vier Verlusttagen erst am Freitag zurück über die 26.000-Punkte-Marke – doch die eigentliche Geschichte der Woche spielte sich in Rom, Mailand und Siena ab. Dazu kommen in dieser Ausgabe vier weitere Namen mit klaren technischen Marken: ein Drohnenabwehr-Spezialist vor einem Alles-oder-nichts-Termin, ein Optikkonzern auf neuem Jahrestief, eine Krypto-Börse im Windschatten der Bitcoin-Rally und ein Stahlkonzern mit frisch angehobenem Kursziel.
MPS gegen Intesa: Der Spread ist die eigentliche Nachricht
Monte dei Paschi bietet 25,35 Milliarden Euro für Banco BPM und 8,72 Milliarden Euro für Banca Generali – ein Tauschangebot in zwei Teilen, mit dem sich die Bank zugleich gegen die eigene Übernahme wehrt. Intesa Sanpaolo hatte MPS zuvor mit rund 30,6 Milliarden Euro offeriert; die Doppel-Offerte ist die Antwort darauf. Die Konditionen: 1,567 MPS-Aktien je BPM-Aktie, macht einen impliziten Preis von 16,729 Euro ohne Aufschlag, sowie 6,958 MPS-Aktien je Generali-Aktie, macht 74,284 Euro – bei einem Generali-Schlusskurs von 42,88 Euro am Freitag entspricht das einem Aufschlag von rund 73 Prozent. Dazu kommt eine Sonderdividende von 4 Milliarden Euro, davon 1 Milliarde in bar und 3 Milliarden in Generali-Aktien; MPS hält bereits 13,2 Prozent an dem Versicherer. Am Ende soll Italiens drittgrößter Bankkonzern stehen, pro forma 466 Milliarden Euro Bilanzsumme, mit jährlichen Synergien von 2,6 Milliarden Euro.
Der Markt zeigte sich am Freitag skeptisch, und das ist der eigentlich interessante Teil der Geschichte: Das MPS-Angebot für Banco BPM notierte mit einem Abschlag von 0,5 Prozent zum Marktpreis, während Intesas eigenes Angebot für MPS einen Aufschlag von 1,2 Prozent auswies. Anleger trauen der komplizierteren Doppel-Offerte also weniger zu als dem einfacheren Gegenangebot – nachvollziehbar, zumal MPS parallel noch die Mediobanca-Integration stemmen muss, was Analysten als zusätzliches Ausführungsrisiko werten. Der eigentliche Königsmacher sitzt allerdings in Paris: Crédit Agricole hält 29,3 Prozent an Banco BPM und schloss am Freitag bei 19,06 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 20,40 Euro vom 12. August. Die Franzosen könnten das Angebot torpedieren – oder erzwingen. Für Trader zählt ohnehin nicht die 34-Milliarden-Schlagzeile, sondern der Spread zwischen den Marktpreisen von Generali (42,88 Euro, nahe dem Jahreshoch von 45,46 Euro) und Intesa (6,76 Euro, knapp unter dem eigenen Hoch von 6,95 Euro) einerseits und den impliziten Angebotspreisen andererseits. Die Aktionärsabstimmung ist für den 29. Oktober terminiert, ein Abschluss frühestens Mitte Februar 2027 – bis dahin bleibt dieser Spread ein eigenständiges Tradingthema, unabhängig davon, wie der Deal am Ende ausgeht.
DroneShield: Binäres Setup vor dem 26. August
Der australische Drohnenabwehr-Spezialist legt am kommenden Mittwoch seine Halbjahreszahlen vor, und die Ausgangslage könnte widersprüchlicher kaum sein. Im Geschäftsjahr 2025 sprang der Umsatz um 276 Prozent auf 216,5 Millionen Dollar, aus einem Verlust von 1,3 Millionen Dollar wurde ein Gewinn von 3,5 Millionen Dollar, die Kasse füllte sich auf rund 210 Millionen Dollar. Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Unternehmen bereits vorab 125,8 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 74 Prozent, mit einem SaaS-Anteil von 14,2 Millionen Dollar beziehungsweise 11,3 Prozent – die Wiederkehr-Erlöse wachsen also überproportional. Die Guidance für das Gesamtjahr liegt bei 250 bis 270 Millionen Dollar, dazu kamen im August operative Meilensteine: die erste Produktionsstätte außerhalb Australiens in der EU, eine neue Konzernzentrale in Sydney und der Launch des RF-Aufklärungstools RfRecon.
Von all dem ist an der Börse wenig zu spüren. Die europäisch notierten Anteile schlossen am Freitag bei 1,14 Euro, ein Tagesminus von 3,9 Prozent, minus 16 Prozent auf Monatssicht und minus 41 Prozent auf Jahressicht – bei einer 52-Wochen-Spanne zwischen 0,82 und 3,79 Euro. Hinzu kommt eine Untersuchung zu Offenlegungen und Handelsaktivität rund um den australischen Kurseinbruch vom 20. August. Wachstums-Guidance und Kapazitätsausbau treffen damit auf einen mehrmonatigen Abwärtstrend und offene regulatorische Fragen – das macht den Mittwoch zu einem klassischen Alles-oder-nichts-Termin.
Ein ähnlich zugespitztes Setup steht auch im Tech-Sektor an: Bereits morgen, am 26. August, legt NVIDIA seine Quartalszahlen vor – der Einzelwert, der die gesamte Börse in den vergangenen Jahren geprägt hat wie kein zweiter. Chefanalyst Carsten Müller ordnet die Ausgangslage im Live-Webinar „NVIDIA vor den Zahlen: DIE ARCHITEKTEN HINTER DEM KI-BOOM!“ ein, morgen um 18:00 Uhr. Im Zentrum steht die Zulieferkette aus Netzwerk-, Fertigungs- und Chip-Design-Spezialisten, die am KI-Infrastruktur-Boom rund um NVIDIA mitverdient, sowie die Frage, wie sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Chip-Industrie angesichts der anstehenden Börsengänge von OpenAI und Anthropic gerade neu ordnen. Wer wissen will, welche Werte Müller für die größten Profiteure dieser Entwicklung hält, findet die Einordnung vor den Zahlen – nicht danach. Jetzt zum Live-Webinar anmelden
Fielmann: Die neue 52-Wochen-Tiefstmarke zählt, nicht der beruhigte Schlusskurs
Der Optikkonzern hatte am Donnerstag seine Jahresziele gesenkt, die Aktie brach daraufhin um rund 6,6 bis 6,8 Prozent ein. Am Freitag rutschte der Kurs intraday sogar auf ein neues 52-Wochen-Tief von 38,40 Euro, bevor er sich wieder auf etwa 39,30 Euro erholte – gegenüber dem Donnerstagsschluss praktisch unverändert. Wer nur auf diesen flachen Schlusskurs schaut, übersieht das eigentliche Signal: Auf Jahressicht steht bereits ein Minus von 9,7 Prozent, auf Zwölfmonatssicht ein Rückgang von 30 Prozent, bei einer Marktkapitalisierung von 3,51 Milliarden Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 57,00 Euro trennen die Aktie inzwischen mehr als 30 Prozent. Die Prognosesenkung ist damit kein einmaliger Ausrutscher, sondern die Bestätigung eines strukturellen Ertragsproblems – und das neue Tief ist der relevantere Datenpunkt als die scheinbare Stabilisierung am Freitagabend.
Coinbase als Hebel-Trade auf die Krypto-Rally
Der Treasury-Buyback-getriebene Short-Squeeze bei Bitcoin strahlte in der vergangenen Woche auch auf Krypto-Aktien aus: Coinbase schloss am Freitag bei knapp 160 Euro, umgerechnet rund 187 Dollar, nach einem Plus von 9,7 Prozent auf Monatssicht. Der Blick auf die längere Frist relativiert die Euphorie allerdings deutlich: Die Aktie liegt noch 38 Prozent unter ihrem Stand vor zwölf Monaten und 20 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Gemessen am 52-Wochen-Hoch von umgerechnet rund 406 Dollar aus dem Oktober fehlt noch mehr als die Hälfte. Wer über den Umweg der Börsenaktie an der Krypto-Bewegung teilhaben will, bekommt also Hebelwirkung – aber auch ein Papier, dessen Erholung deutlich fragiler ist, als der Bitcoin-Kurs selbst suggeriert.
Thyssenkrupp: Citi-Kursziel 20 Euro trifft auf Ausbruchsversuch
Ganz anders die Dynamik bei Thyssenkrupp: Die Aktie legte am Freitag 6,0 Prozent zu und schloss bei 13,44 Euro, nach einem Plus von 10 Prozent auf Monats- und 44 Prozent auf Jahressicht. Begleitet wurde die Bewegung von Citigroup, die ihr Kursziel auf 20 Euro anhob und die Kaufempfehlung bestätigte – gemessen am aktuellen Kurs ein beträchtlicher Abstand nach oben. Mit 13,44 Euro notiert die Aktie unmittelbar unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro vom 17. August; ein Ausbruch darüber würde charttechnisch Raum nach oben öffnen. Der gesamte Stahlsektor zog mit, Salzgitter etwa gewann am Freitag 5,60 Prozent – ein Hinweis darauf, dass hier nicht nur ein Einzelwert, sondern eine ganze Branche neu bewertet wird.
Marschroute
Bei Banco BPM und Banca Generali entscheidet der Spread zu den impliziten MPS-Angebotspreisen über die Deal-Wahrscheinlichkeit – Crédit Agricole bleibt der Schlüsselfaktor vor der Aktionärsabstimmung am 29. Oktober. Bei DroneShield ist der 26. August der Show-down-Termin zwischen Wachstums-Guidance und Abwärtstrend. Fielmann bleibt unter Druck, solange die 38,40-Euro-Marke nicht klar zurückerobert wird. Coinbase bietet Hebel auf die Krypto-Rally, aber mit einem Abstand von mehr als der Hälfte zum 52-Wochen-Hoch bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis asymmetrisch. Und bei Thyssenkrupp lohnt der Blick auf die 14,05-Euro-Marke: Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre das nächste Kaufsignal in Richtung des Citi-Ziels von 20 Euro. Genug Stoff für die Chartanalyse, während der Rest des Wochenendes noch etwas Ruhe vor der neuen Handelswoche gönnt.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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