Liebe Traderinnen und Trader,
der DAX fällt seit vier Handelstagen in Folge und notiert nun unter der Marke von 26.000 Punkten – nur wenige Wochen nach seinem Rekordhoch bei 26.573 Punkten Mitte August. Wer daraus schließt, an den Märkten laufe gerade wenig, hat nicht genau hingeschaut: SAP klettert gegen den Trend, Nvidia testet vor seinen Zahlen die entscheidende Unterstützungslinie, ein Short-Squeeze hievt Bitcoin über 72.000 Dollar, und in Seoul liefern Aktienrückkäufe die stärkste Tagesrally des Jahres. Der Indexstand allein erzählt heute nicht die ganze Geschichte.
SAP zeigt relative Stärke – während der Index schwächelt
Während der DAX in der Breite unter Druck steht, hat sich SAP zu einem der stärksten deutschen Blue Chips der vergangenen Wochen entwickelt: Die Aktie hat in den letzten 30 Handelstagen rund 36 Prozent zugelegt und damit einen erheblichen Teil ihres Rückschlags aus dem Frühsommer wieder aufgeholt – erst Ende Juli hatte das Papier bei 127,52 Euro ein Jahrestief markiert. Aktuell notiert SAP im Tradegate-Handel bei knapp 186 Euro, der Vortagesschluss lag bei 184,86 Euro. Auf Jahressicht steht die Aktie zwar noch mit rund 11 Prozent im Minus, doch die Dynamik der letzten Wochen ist bemerkenswert. Im Fokus der Anleger steht derzeit ein britisches Großprojekt, dessen Fortgang die Aktie kurzfristig bewegen dürfte – gepaart mit der grundsätzlichen KI-Fantasie, die dem Softwarekonzern zugetraut wird. Für Trader ist die Botschaft klar: Der DAX-Rückgang ist kein Argument gegen Einzeltitel mit intaktem Aufwärtstrend. SAP demonstriert, dass Sektor-Rotation gerade wichtiger ist als der Gesamtmarkt.
Nvidia am Scheideweg vor den Zahlen
Ganz anders die Lage bei Nvidia: Der Chiphersteller konsolidiert seit Wochen und testet aktuell eine wichtige Unterstützungszone. Die Aktie notiert bei rund 216 Dollar, nachdem sie sich zuletzt zwischen einer Unterstützung bei 212,99 Dollar und einem Widerstand bei 222,71 Dollar bewegt hat. Kommende Woche, am 26. August, legt Nvidia seine Quartalszahlen vor – der Analystenkonsens erwartet einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar für das zweite Quartal. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 305,86 Dollar, die Bewertung mit einem Forward-KGV von 24,5 gilt als günstig im historischen Vergleich. Zusätzlichen Rückenwind liefert die Nachricht, dass US-Behörden begrenzte Lieferungen des H200-Prozessors nach China genehmigt haben – jeweils 10.000 Einheiten für ByteDance und Tencent. Für Trader bedeutet die aktuelle Seitwärtsbewegung: Der Support bei rund 213 Dollar ist die Linie, die vor den Zahlen zählt – ein Bruch nach unten würde das Chartbild eintrüben, ein Ausbruch über 223 Dollar dagegen den Weg zu neuen Kurszielen öffnen.
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Bitcoin: Short-Squeeze reißt die Range auf
Während in Frankfurt und Santa Clara charttechnische Muster im Vordergrund stehen, sorgte am Kryptomarkt ein klassischer Short-Squeeze für die kräftigste Bewegung der Woche. Bitcoin ist nach sechs Wochen in einer engen Handelsspanne ausgebrochen und notiert nun über 72.000 Dollar – ein Tagesplus von rund 12 Prozent. Innerhalb von 24 Stunden wurden Short-Positionen im Volumen von etwa 3 Milliarden Dollar zwangsliquidiert, die gesamte Kryptomarktkapitalisierung sprang um fast 10 Prozent auf 2,43 Billionen Dollar. Unterstützt wurde die Bewegung von Zuflüssen in Höhe von 517 Millionen Dollar in Bitcoin-Spot-ETFs an einem einzigen Handelstag, während auch Ether deutlich zulegte. Damit hat Bitcoin sein Tief vom 1. Juli bei rund 57.700 Dollar klar hinter sich gelassen und bewegt sich nun in Richtung der Hochs der vergangenen zwei Monate. Für Trader ist entscheidend, ob der Ausbruch aus der sechswöchigen Range hält oder ob nach der Liquidationswelle eine Konsolidierung folgt.
Seoul feiert Aktienrückkäufe – Samsung und SK Hynix als Blaupause
Der eindrücklichste Einzeltag kommt aus Südkorea: Der Kospi sprang um rund 5,9 Prozent, nachdem SK Hynix einen Aktienrückkauf im Volumen von 40 Billionen Won (umgerechnet rund 24,6 Milliarden Euro) angekündigt hatte – die Aktie zog daraufhin zweistellig an und notiert nun bei 1.691.000 Won. Samsung Electronics plant ein noch größeres Ausschüttungsprogramm von über 100 Billionen Won (rund 61,4 Milliarden Euro) und verfügt laut Bilanz zum zweiten Quartal über eine Netto-Cash-Position von 167 Billionen Won (rund 103 Milliarden Euro). Die Samsung-Aktie legte ebenfalls deutlich zu. Für deutsche Anleger, die über US-Listings wie die SK-Hynix-ADR handeln, ist die Botschaft: Kapitalrückführungen dieser Größenordnung wirken in einem Halbleitermarkt, der zuletzt nervös auf Bewertungsfragen reagierte, wie ein Vertrauensanker – ein Muster, das sich auch bei anderen Chip-Werten als Kurstreiber erweisen könnte.
Walmart als Warnsignal für die US-Konsumentenlaune
Gegenläufig lief es bei Walmart: Die Aktie brach im US-Handel deutlich ein, obwohl der Konzern seine Jahresprognose angehoben hat – der Ausblick für das dritte Quartal blieb jedoch klar unter den Erwartungen der Analysten zurück, und die US-Vergleichsumsätze wuchsen so langsam wie seit Jahren nicht mehr. Diese Diskrepanz zwischen angehobener Gesamtjahresprognose und schwächerem Kurzfrist-Ausblick reichte den Anlegern nicht, um die Sorgen um die US-Konsumentenlaune zu zerstreuen. Gleichzeitig kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf fast 4,7 Prozent, dreißigjährige Papiere näherten sich der Marke von 5,25 Prozent. Diese Kombination aus verhaltenem Kurzfrist-Ausblick und steigenden Zinsen dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass auch der DAX zeitweise unter Druck geriet – US-Einzelhandelsdaten gelten als Frühindikator für die globale Konsumstimmung.
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Marschroute: Im DAX bleibt die Marke von 26.000 Punkten die Woche über im Blick – ein nachhaltiger Rückfall darunter würde das Chartbild belasten. Bei Nvidia entscheidet der Support um 213 Dollar vor den Zahlen am 26. August über die kurzfristige Richtung, während SAP seinen Aufwärtstrend Richtung 190 Euro verteidigen muss. Bei Bitcoin ist der Ausbruch aus der Sechs-Wochen-Range zu bestätigen, bevor an höhere Kursziele zu denken ist. Und in Seoul bleibt zu beobachten, ob sich Samsungs bereits angekündigtes 100-Billionen-Won-Programm in den kommenden Handelstagen in der Aktie niederschlägt.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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