Der Industriekonzern übernimmt das französische Unternehmen Advantics, einen Spezialisten für Energieumwandlung auf Basis von Siliziumkarbid (SiC). Die Transaktion soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden, den Kaufpreis nannten beide Seiten nicht.

Zielmärkte: Rechenzentren, Mikronetze und Ladeinfrastruktur

Mit Advantics stärkt ABB gezielt sein Angebot für Gleichstromanwendungen in Datenzentren, Mikronetzen sowie in der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die Technologie des französischen Unternehmens erreicht laut Unternehmensangaben einen Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent. Massimiliano Cifalitti, Präsident der ABB-Sparte Smart Power, und Advantics-Chef Michal Elias äußerten sich zu dem Deal. Für ABB ist die Übernahme ein weiterer Baustein in der Strategie, sich als Zulieferer für die Elektrifizierung digitaler Infrastruktur zu positionieren – ein Feld, das durch den steigenden Strombedarf von Rechenzentren zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Der Zukauf blieb im breiteren Marktumfeld nicht ohne Nebenwirkungen. Die Aktien von Siemens Energy gaben am Tag der ABB-Ankündigung rund 3 Prozent nach, wobei der Rückgang auch mit einer allgemeinen Marktschwäche zusammenfiel. Siemens Energy konnte den Tag dennoch mit positiven Nachrichten kontern: Der Konkurrent meldete einen Auftrag aus Oman über sechs Gasturbinen, sechs Generatoren und zwei Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 2,6 Gigawatt und hob seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 auf ein Wachstum von 14 bis 16 Prozent an.

Auftragseingang legt im zweiten Quartal deutlich zu

Operativ lieferte ABB zuletzt ebenfalls positive Signale. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang um 28 Prozent, was den Konzern in seiner Rolle bei der Elektrifizierung der digitalen Wirtschaft weiter stärkt. Das kräftige Bestellwachstum untermauert die These, dass ABB von der Investitionswelle in Rechenzentren und Netzinfrastruktur profitiert – ein Trend, der sich auch in der jüngsten Übernahme von Advantics widerspiegelt.

Weniger im Rampenlicht, aber für IT-Sicherheitsverantwortliche relevant: Die US-Behörde CISA veröffentlichte Mitte Juli mehrere Sicherheitshinweise zu ABB-Produkten. Betroffen sind unter anderem das System ABB T-MAC Plus mit vier Schwachstellen sowie ABB Ability Edgenius, dessen Lücke bereits in der Liste bekannt ausgenutzter Schwachstellen (KEV) geführt wird. Auch für die Software ABB Advant Master Online Builder wurde ein Hinweis zu einem unkontrollierten Suchpfad veröffentlicht.

Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt, Jahresbilanz weiter deutlich positiv

An der Börse zeigte sich die ABB-Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Freitag schloss das Papier bei 86,40 Euro und legte damit um 1,72 Prozent zu. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 4,80 Prozent, auf Monatssicht von 6,21 Prozent zu Buche. Der Kurs notiert damit rund 5,3 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 91,21 Euro – ein Hinweis darauf, dass sich die kurzfristige Dynamik zuletzt abgeschwächt hat.

Die längerfristige Bilanz bleibt davon unberührt deutlich positiv: Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 35,47 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro, das am 22. Juni 2026 markiert wurde, ist das Papier derzeit rund 10,3 Prozent entfernt. Die jüngste Konsolidierung fällt damit in eine Phase, in der ABB operativ und strategisch – mit dem starken Auftragswachstum im zweiten Quartal und der Übernahme von Advantics – weiter Substanz aufbaut.