ABB verzeichnete gestern eine Tagesveränderung von -3,4% im Umfeld eines weltweiten Tech-Ausverkaufs. Reuters zufolge belasteten Sorgen über die Rendite hoher KI-Investitionen nach enttäuschenden Ergebnissen von Amazon und Intel die europäischen Aktienmärkte. Bei ABB stehen diesem schwachen Börsenumfeld fortgesetzte Aktienrückkäufe und ein deutlich gewachsenes Auftragsgeschäft gegenüber.
ABB setzt Aktienrückkäufe fort
Am Donnerstag meldete ABB den Rückkauf von 586.727 Aktien im jüngsten Berichtszeitraum. Seit Beginn des laufenden Rückkaufprogramms erwarb das Unternehmen bis einschließlich 28. Oktober insgesamt 12.018.273 eigene Aktien.
Die Meldung dokumentiert die Fortsetzung des Programms. Der Kursrückgang am folgenden Handelstag fiel dagegen in ein marktweites Belastungsumfeld. Die von Reuters beschriebenen Sorgen betreffen die Wirtschaftlichkeit hoher KI-Ausgaben und sind keine Unternehmensmeldung von ABB. Für Anleger sind die allgemeine Marktstimmung und die unternehmensspezifischen Nachrichten deshalb getrennt zu betrachten.
Eine operative Grundlage für die Einordnung liefern die am 20. Oktober veröffentlichten Quartalszahlen. ABB berichtete sowohl steigende Aufträge als auch höhere Umsätze und hob den Wachstumsausblick an.
Auftragswachstum stützt den Geschäftsausblick
Im dritten Quartal 2026 stiegen die vergleichbaren Aufträge um 40 Prozent auf 12,06 Milliarden US-Dollar. Damit meldete ABB einen kräftigen Zuwachs im Auftragseingang.
Der Auftragsanstieg geht mit einer angehobenen Umsatzprognose einher. Das unterscheidet die operative Nachrichtenlage vom schwachen Börsenumfeld zum Wochenschluss. Eine unmittelbare Gleichsetzung des Kursverlusts mit einer Verschlechterung des Geschäfts würde diese Entwicklung ausblenden.
Der Umsatz erhöhte sich um 14 Prozent auf 9,70 Milliarden US-Dollar. Die operative EBITA-Marge erreichte 20,8 Prozent.
Für das Gesamtjahr erwartet ABB beim vergleichbaren Umsatzwachstum einen Wert im niedrigen Zehnerprozentbereich. Die höhere Prognose bleibt eine Erwartung und ist noch kein erreichtes Jahresergebnis.
Servicevertrag ergänzt die operative Nachrichtenlage
Am Dienstag unterzeichnete ABB mit ACC Limited eine mehrjährige Servicevereinbarung für das Werk Jamul in Indien. ACC ist ein Zementhersteller der Adani Group. Eine weitere Phase zur Aufarbeitung von 25 ACS800-Antriebsmodulen ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Die Vereinbarung ergänzt die Wachstumszahlen um ein konkretes Kundenprojekt. Dabei ist zwischen dem unterzeichneten Servicevertrag und der erst geplanten weiteren Aufarbeitungsphase zu unterscheiden.
Am Mittwoch gab ABB zudem Wasome als Gewinner der ABB Startup Challenge China bekannt. Das Start-up entwickelt nach Unternehmensangaben KI zur Vereinfachung der Automatisierungsplanung. Damit steht neben der marktweiten Debatte über KI-Renditen ein konkreter Anwendungsansatz bei ABB. Für die operative Bewertung bleiben allerdings das gemeldete Auftragswachstum und der angehobene Umsatzausblick die belastbareren Größen.
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