Die anhaltend hohe Nachfrage aus der Rechenzentren-Branche treibt das Geschäft des Schweizer Technologiekonzerns ABB weiter an. Am heutigen Dienstag hat die Deutsche Bank ihr Kursziel für die Aktie von 74,00 auf 76,00 Schweizer Franken angehoben. Gleichzeitig bestätigte das Institut seine Einstufung mit „Hold“, da die Bewertung des Titels inzwischen ein anspruchsvolles Niveau erreicht hat.
An der Börse legte der Titel heute um 1,7 Prozent zu und notierte bei 88,80 Euro. Damit setzt sich die positive Entwicklung fort: Seit Jahresanfang steht ein Kursplus von 39 Prozent zu Buche.
Analysten sehen begrenzte Spielräume vor den Quartalszahlen
Kanalprüfungen der Deutschen Bank deuten auf einen unverändert dynamischen Auftragseingang aus dem Bereich der digitalen Infrastruktur hin. Vor diesem Hintergrund rechnen die Experten damit, dass das Management seine Prognose für das organische Wachstum im Gesamtjahr 2026 anheben könnte. Erwartet wird ein Anstieg im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich.
Gleichzeitig mahnen die Analysten zur Zurückhaltung. Mit Blick auf das dritte Quartal liege die Messlatte bei den institutionellen Investoren bereits sehr hoch, weshalb positive Überraschungen beim Bestelleingang schwer zu erzielen sein dürften. Zudem reflektiere das für 2027 geschätzte Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn vor Amortisationen von 20 bereits einen Großteil der mittelfristigen Wachstumsperspektiven.
Gleichstromtechnik als Antwort auf den Energiehunger
Operativ setzt ABB vermehrt auf Lösungen zur Bewältigung des massiven Strombedarfs künftiger Servergenerationen. Das Unternehmen stellte heute das Gleichstrom-Portfolio „Infinitus“ vor. Diese Produktreihe deckt die Energieverteilung von der Mittelspannungsquelle bis zum Server-Rack ab und zielt auf Rechenzentren ab, deren Racks künftig Leistungen von über einem Megawatt bewältigen müssen.
Ein gemeinsamer Bericht von ABB und der Boston Consulting Group unterstreicht diesen strategischen Schwerpunkt. Die Analyse zeigt, dass eine direkte Gleichstromverteilung mit 800 Volt Wandlungsstufen eliminiert und Übertragungsverluste verringert.
Laut Giampiero Frisio, Präsident des Geschäftsbereichs Electrification, stützt sich der Konzern dabei auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Gleichstromtechnik. Die Kernkomponenten der neuen Architektur sollen im Verlauf der kommenden zwölf Monate in die Fertigung gehen. Vollständig gleichstrombasierte Gesamtanlagen werden in zwei bis drei Jahren erwartet.
Automatisierung im Transformatorenbau
Parallel zur Energieverteilung meldete ABB einen operativen Fortschritt in der Fertigungsinfrastruktur. Die Robotik-Sparte lieferte in China ein automatisiertes Kernstapel-System an Changzhou Siyuan Toshiba Transformer aus. Die eingesetzte Robotertechnik verarbeitet Bleche mit einer Länge von bis zu 4,5 Metern und soll Leerlaufverluste bei Großtransformatoren um 1,5 Prozent senken.
Konzernchef Morten Wierod betonte im Rahmen der Technologieberichte, dass der wachsende weltweite Strombedarf zunehmend an die Grenzen der bestehenden Netze stößt. Für ABB bleibt der Markt für Netzinfrastruktur und Rechenzentren damit das zentrale Standbein, wenngleich Anleger nach der jüngsten Kursrallye genau auf die Margenentwicklung im anstehenden Quartal blicken.
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