Anfang Juni war es ein Schock: Berichte über Krebsfälle in einer Studiengruppe schickten Abivax auf ein Jahrestief von rund 60 Euro. Heute liefert das französische Biotech-Unternehmen die Daten, die den Markt beruhigen sollen — und die Aktie sprang um gut 34 Prozent auf rund 112 Euro.
Was die neuen Daten zeigen
Auslöser ist ein Update zur ABTECT-Maintenance-Studie für den Wirkstoff Obefazimod bei Colitis ulcerosa. Das Entscheidende dabei: die Sicherheitszahlen. Die Inzidenzraten für Malignome lagen innerhalb der in der Fachliteratur bekannten Spanne für Colitis-ulcerosa-Patienten — ein Hinweis, der den befürchteten kausalen Zusammenhang zwischen dem Medikament und den Krebsfällen entkräftet. Fachleute bei Oddo BHF werteten das Sicherheitsprofil als beruhigend und deuteten an, dass es keine klaren Belege für eine direkte Verursachung durch Obefazimod gebe.
Inhaltlich überzeugten auch die Wirksamkeitsdaten: 37,2 Prozent der Patienten, die auf die Induktionstherapie zunächst nicht angesprochen hatten, erreichten mit der 50-mg-Dosis nach 44 Wochen eine klinische Remission. Bei Patienten, die in einem früheren Studienabschnitt einen Rückfall erlitten hatten, zeigte eine Dosiserhöhung auf 50 mg messbare Effekte.
Analysten erhöhen Kursziele — aber nicht alle
Das Analystenbild spiegelt die gemischten Eindrücke wider. BTIG hob das Kursziel auf 175 Dollar an und erhöhte die Erfolgswahrscheinlichkeit für Obefazimod bei Colitis ulcerosa auf 95 Prozent. Wolfe Research und Truist Securities dagegen senkten ihre Ziele auf 136 beziehungsweise 135 Dollar — beide verwiesen auf weiterhin offene Sicherheitsfragen. Wedbush stufte die Aktie von „Underperform“ auf „Neutral“ hoch. Insgesamt reichen die Kursziele der Wall-Street-Analysten von 108 bis 187 Dollar — eine Spanne, die zeigt, wie unterschiedlich die Einschätzungen zum Risiko-Rendite-Profil noch sind.
Die kurzfristige Erholung ist beeindruckend, löst aber das grundlegende Spannungsfeld nicht auf. Entscheidend wird der nächste formale Schritt: Abivax plant, den Zulassungsantrag für Obefazimod bei der FDA im vierten Quartal 2026 einzureichen. Gelingt das ohne neue Sicherheitsbedenken, dürfte die Debatte über Kausalität der Krebsfälle erheblich an Gewicht verlieren.
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