Ein Kurssprung von fast zehn Prozent an einem einzigen Handelstag ist selten Zufall. Bei ABO Wind steckt dahinter ein Termin, der über die Zukunft des Unternehmens entscheidet. Am Montag klettert die Aktie um 9,52 Prozent auf 3,62 Euro – wenige Tage vor einem Stichtag, der für den Wiesbadener Projektentwickler existenziell ist.
Die Uhr tickt bis Ende Juli
Am 31. Juli 2026 läuft die aktuelle Stillhaltevereinbarung mit den finanzierenden Banken aus. Bis dahin muss das Management eine Anschlussfinanzierung vorlegen. Andernfalls können die Gläubiger ihre Stillhalteposition aufgeben. Das würde Kündigungsrechte bei bestehenden Krediten auslösen.
Ein Entwurf des Sanierungsgutachtens liegt bereits vor. Berater von Boston Consulting Group und Rothschild & Co bescheinigen dem Unternehmen grundsätzliche Sanierungsfähigkeit. Diese Einschätzung gilt aber nur unter einer Bedingung: Das neue Finanzierungspaket muss erfolgreich abgeschlossen werden.
Verlust der Hälfte des Grundkapitals
Die Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist. Die Nettoverschuldung liegt bei rund 280,73 Millionen Euro. Sie ergibt sich aus Finanzverbindlichkeiten von 324,27 Millionen Euro abzüglich 43,55 Millionen Euro liquider Mittel.
Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juli musste der Vorstand nach § 92 AktG den Verlust der Hälfte des Grundkapitals anzeigen. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem Jahresfehlbetrag von etwa 170 Millionen Euro. Auch 2026 erwartet das Management kein positives Konzernergebnis.
Verkäufe sollen Verhandlungsposition stärken
Um Liquidität zu sichern, hat ABO Wind zuletzt mehrere Projekte verkauft:
- In Kolumbien ging ein Solarportfolio mit 37,8 Megawatt an die NOVVA-Gruppe.
- Das Repowering-Projekt Marpingen im Saarland übernahm Encavis.
- Eine Windanlage in Großenlüder ging an KB Renewables.
- Trotz der Schieflage sicherte sich das Unternehmen in der Mai-Ausschreibung Tarife für drei Windprojekte mit 61,4 Megawatt Gesamtleistung.
Diese Deals bringen frisches Geld und zeigen den Banken: Das operative Geschäft läuft weiter. Genau das könnte die Verhandlungen in dieser Woche erleichtern.
Markt spielt auf Zeit
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 31,86 Millionen Euro – ein Bruchteil dessen, was ABO Wind noch vor der Krise wert war. Der Kursanstieg vom Montag deutet auf vorsichtigen Optimismus hin. Ein Scheitern der Bankengespräche würde die Lage dagegen sofort verschärfen.
Bis zum Wochenende muss eine Einigung stehen. Gelingt sie, öffnet sich der Weg für die geplante Transformation zum unabhängigen Stromproduzenten. Einen testierten Jahresabschluss und weitere Details zum Sanierungskonzept will das Unternehmen im Laufe des dritten Quartals 2026 vorlegen.
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