Das Repowering-Vorhaben Marpingen im Saarland geht an die Encavis AG, ein Windrad-Projekt in Großenlüder wechselt zu KB Renewables. Zusätzlich einigte sich das Unternehmen mit der NOVVA-Gruppe auf den Verkauf eines kolumbianischen Solarportfolios mit einer Gesamtkapazität von 37,8 Megawatt. Alle drei Transaktionen sind Teil laufender Sanierungsmaßnahmen, mit denen sich ABO Energy frisches Kapital verschafft.
Verkäufe als Baustein der Restrukturierung
Die Veräußerungen reihen sich in eine Serie von Schritten ein, mit denen ABO Energy seine Bilanz stabilisieren will. Erst Anfang Juli hatte das Unternehmen in einer außerordentlichen Hauptversammlung in Wiesbaden formell den Verlust der Hälfte des Grundkapitals nach § 92 Aktiengesetz angezeigt. Beschlüsse wurden bei diesem Termin planmäßig nicht gefasst, die Versammlung diente allein der gesetzlich vorgeschriebenen Mitteilung an die Aktionäre.
Den Rahmen für die aktuellen Schritte hatte bereits im Mai ein Entwurf für ein Sanierungsgutachten gesteckt. Chief Restructuring Officer Britta Hübner stufte ABO Energy darin vorläufig als sanierungsfähig ein und bezeichnete den Entwurf als Meilenstein für die laufenden Verhandlungen mit Finanzierungspartnern. Um diese Verhandlungen abzusichern, hatten die Gläubiger der Anleihe 2024/2029 mit der ISIN DE000A3829F5 im März mit einer Mehrheit von mehr als 99 Prozent zugestimmt, eine Negativverpflichtung bis Ende 2026 auszusetzen. Damit kann das Unternehmen Sicherheiten für neue Kreditlinien bestellen, ein zentraler Baustein der angestrebten Refinanzierung.
Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen betrafen die Sanierung direkt. Für den Solarpark Birkholz in Brandenburg mit einer Leistung von 7,8 Megawattpeak erhielt ABO Energy im Mai einen Tarifzuschlag der Bundesnetzagentur – ein Hinweis darauf, dass das operative Projektgeschäft neben der Restrukturierung weiterläuft. Ende Juni wurden zudem Insider-Transaktionen von Führungspersonen des Unternehmens gemeldet.
Kursverfall spiegelt Krisenlage wider
Die schwierige Lage schlägt sich deutlich im Aktienkurs nieder. Medienberichten zufolge markierte das Papier Ende Juni im Tradegate-Handel mit 3,20 Euro ein neues Allzeittief, nachdem es innerhalb von zwölf Monaten rund 92 Prozent an Wert verloren hatte. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 3,54 Euro, ein Minus von 2,21 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 8,04 Prozent zu Buche, während sich der Kurs auf Wochensicht mit einem Minus von 0,42 Prozent nahezu stabil hielt. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei nur noch 33,56 Millionen Euro. Ein technischer Indikator wie der 14-Tage-RSI von 35,5 signalisiert dabei lediglich eine angeschlagene, aber nicht überverkaufte Marktstimmung.
Wie tief der Absturz reicht, zeigt der Blick zurück: Im Geschäftsbericht 2024 hatte ABO Energy noch einen Konzernjahresüberschuss von 25,6 Millionen Euro ausgewiesen, nach 27,3 Millionen Euro im Jahr zuvor, bei einer auf 32 Gigawatt angewachsenen Projektpipeline. Von diesem Bild ist das Unternehmen inzwischen weit entfernt.
Blick auf die kommenden Termine
Ein Unternehmenssprecher kündigte Mitte Juli an, den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 im dritten Quartal 2026 zu veröffentlichen. Die reguläre Hauptversammlung soll im vierten Quartal 2026 folgen. Nach Angaben des Finanzkalenders wird zudem für den 30. September 2026 der Halbjahresbericht 2026 erwartet. Bis dahin dürften weitere Details zur finanziellen Lage und zum Fortschritt der Sanierungsverhandlungen folgen. Anleger richten den Blick vor allem darauf, ob die laufenden Projektverkäufe ausreichen, um die Liquidität bis zu diesen Terminen zu sichern.
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