ABO Energy verkauft Kolumbien-Solarpark. Das Unternehmen braucht dringend Geld. Bis Ende Juli muss eine Anschlussfinanzierung stehen.

Das Wiesbadener Unternehmen, früher als ABO Wind bekannt, hat ein Solarportfolio in Kolumbien mit 37,8 Megawatt Kapazität an die NOVVA-Gruppe verkauft. Der Deal wurde am Wochenende bekannt. Er reiht sich in eine Serie von Asset-Verkäufen ein, mit denen der Konzern seine Liquidität sichern will.

Verkäufe als Rettungsanker

Erst kürzlich ging ein Windrad in Großenlüder an KB Renewables. Nun folgt das kolumbianische Solarpaket. Beide Transaktionen sind Teil eines Sanierungsgutachten, das Chief Restructuring Officer Britta Hübner koordiniert.

Das Gutachten bescheinigt ABO Energy grundsätzlich die Fähigkeit zur Sanierung. Diese Einschätzung hängt aber direkt daran, ob weitere Asset-Verkäufe gelingen. Das operative Geschäft läuft zwar weiter, im Vordergrund steht aber die Bilanz.

Schulden von 392 Millionen Euro

Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Krise. Zum 31. Mai 2026 lagen die Verbindlichkeiten bei rund 392 Millionen Euro. Anfang Juli musste das Unternehmen zudem nach § 92 Aktiengesetz formell anzeigen, dass es die Hälfte seines Grundkapitals verloren hat.

Aktionäre erleben derzeit ein Unternehmen im Überlebensmodus. Die Marktkapitalisierung von nur 33,15 Millionen Euro zeigt, wie skeptisch der Markt den geplanten Umbau sieht. ABO Energy will vom reinen Projektentwickler zum Bestandshalter werden – unter erheblichem Schuldendruck.

Banken haben dem Konzern Stillhaltevereinbarungen gewährt. Dieses Zeitfenster läuft Ende Juli ab. Bis dahin muss eine tragfähige Anschlussfinanzierung stehen.

Aktie unter Druck

Der Kurs gibt zum Wochenstart weiter nach und notiert bei 3,48 Euro, ein Minus von 1,97 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 3,47 Prozent zu Buche. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 90,16 Prozent – ein Wert, der die extreme Nervosität rund um das Papier widerspiegelt.

Entscheidende Tage stehen bevor

Die kommenden Tage entscheiden über die Zukunft von ABO Energy. Das Management muss bis Ende Juli belegen, dass die bisherigen Verkäufe und laufende Gespräche mit Finanzierungspartnern die Kapitalbasis ausreichend stärken.

Klarheit über das volle Ausmaß der Verluste bringt erst der geprüfte Jahresabschluss 2025. Dieser wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Bis dahin bleibt die Aktie ein Papier, das primär auf Nachrichten zur Refinanzierung reagiert.