Der IT-Beratungs- und Dienstleistungskonzern Accenture erwägt Medienberichten zufolge eine weitreichende Neuausrichtung in Asien. Das Unternehmen prüft derzeit den Verkauf seiner Geschäftsaktivitäten in der Region Greater China, die das chinesische Festland, Hongkong sowie Taiwan umfasst.
Die Bewertung der Sparte könnte bei bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar liegen. Mit der strategischen Überprüfung des Bereichs wurde die US-Bank JPMorgan beauftragt.
Strategische Überprüfung nach Interessentenanfragen
Auslöser für den Schritt war unaufgefordertes Kaufinteresse, das Accenture im vergangenen Jahr für die regionale Einheit erhalten hatte. Als potenzielle Käufer gelten Finanzinvestoren aus dem Private-Equity-Bereich sowie ausgewählte strategische Interessenten.
Ein vollständiger Rückzug steht dabei offenbar nicht zwingend bevor: Accenture könnte laut den Berichten eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an der Sparte behalten. Ein Abschluss gilt als noch nicht gesichert, da sich die Beratungen in einem vorläufigen Stadium befinden.
Die Überlegungen fallen in eine Phase, in der westliche Dienstleister in China mit strengeren lokalen Datenvorschriften konfrontiert sind. Finanzchefin Angie Park hatte am 14. Oktober bei einer Investorenveranstaltung grundsätzlich betont, dass sich der Konzern regelmäßig von Geschäftsfeldern oder Märkten trenne, falls diese die strategischen Vorgaben oder geforderten Renditeziele verfehlen.
Fokus auf margenstarke Segmente und Künstliche Intelligenz
Hinter dem Vorhaben steht eine gezielte Umschichtung der Ressourcen auf wachstumsstarke Bereiche, allen voran das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz. Das Beratungshaus baut seine Kapazitäten in diesem Segment seit Monaten zügig aus. Die Zahl der Fachkräfte für Daten und KI wurde von 40.000 auf fast 110.000 Mitarbeiter aufgestockt.
Im vor gut drei Wochen vorgelegten Bericht zum Geschäftsjahr 2026 bezifferte Accenture den Gesamtumsatz auf 74,2 Milliarden US-Dollar. Auf den gesamten asiatisch-pazifischen Raum entfielen dabei 10,7 Milliarden US-Dollar, was einem Anteil von 14 Prozent am Konzernumsatz entsprach.
Separate Zahlen für das Großchina-Geschäft weist das Unternehmen traditionell nicht aus. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 peilt das Management ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum zwischen 3 und 6 Prozent an.
Erholung an den Börsen
An den Kapitalmärkten knüpft die strategische Prüfung an eine spürbare Neubewertung des Dienstleisters an. Die im irischen Dublin ansässige Gesellschaft beendete den Freitagshandel mit einem Zuwachs von 1,9 Prozent bei 204,40 Euro. Damit liegt die Aktie allerdings immer noch 19 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 250,95 Euro.
Die Mittel aus einem möglichen Teilverkauf könnten dem Konzern weiteren Spielraum verschaffen, um Übernahmen voranzutreiben und die Software-Infrastruktur für KI-Mandate zu stärken. Ob die Gespräche mit den Kaufinteressenten zu einer verbindlichen Vereinbarung führen, soll sich in den kommenden Monaten entscheiden.
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