Der japanische Spezialist für Halbleiter-Testsysteme Advantest hat nach einem außergewöhnlich starken ersten Geschäftsquartal seine Prognosen für das Gesamtjahr massiv angehoben. Getrieben von einer unerwartet hohen Nachfrage nach Testlösungen für Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere im Bereich der Inferenz-Chips, verzeichnete das Unternehmen Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn.

KI-Nachfrage treibt Quartalsergebnisse auf Höchststände

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das den Zeitraum von April bis Juni umfasst, steigerte Advantest seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39,3 Prozent auf 367,5 Milliarden Yen. Noch deutlicher fiel das Wachstum beim Ergebnis aus: Der Betriebsgewinn kletterte um 53,3 Prozent auf 190,0 Milliarden Yen, während sich der Nettogewinn mit einem Sprung um 93,8 Prozent auf 174,8 Milliarden Yen beinahe verdoppelte.

Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft in Südkorea, wo sich der Umsatz auf 67,4 Milliarden Yen mehr als verdoppelte. Dies wird vor allem auf den hohen Bedarf an Testkapazitäten für High Bandwidth Memory (HBM) zurückgeführt. Taiwan bleibt mit einem Umsatzbeitrag von 178,6 Milliarden Yen die wichtigste Region für den Konzern. Innerhalb der Produktsegmente bildeten die SoC-Tester (System-on-a-Chip) mit einem Quartalsumsatz von 259,6 Milliarden Yen das Rückgrat des Erfolgs, während Memory-Tester 48,0 Milliarden Yen beisteuerten.

Massive Anhebung der Jahresziele

Angesichts der starken Geschäftsentwicklung korrigierte das Management seine Erwartungen für das am 31. März 2027 endende Geschäftsjahr deutlich nach oben. Der Konzern rechnet nun mit einem Jahresumsatz von 1,714 Billionen Yen, was einem Zuwachs von 51,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Zuvor war das Unternehmen von lediglich 1,42 Billionen Yen ausgegangen.

Noch kräftiger fiel die Anpassung bei den Gewinnkennzahlen aus. Die Prognose für den Betriebsgewinn wurde um 35 Prozent auf 846,0 Milliarden Yen angehoben. Beim Nettogewinn erwartet Advantest nun 660,0 Milliarden Yen – eine Steigerung von rund 76 Prozent gegenüber der bisherigen Planung von 465,5 Milliarden Yen. Das Unternehmen gab zudem bekannt, die Zwischendividende von geplanten 39 Yen auf 60 Yen pro Aktie zu erhöhen. Für das gesamte Jahr wird nun eine Ausschüttung von 129 Yen angestrebt.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Die Analysten von Morningstar reagierten positiv auf die Zahlen und erhöhten ihre Fair-Value-Einschätzung für die Aktie um 14 Prozent. Kazunori Ito von Morningstar verwies darauf, dass die zunehmende Komplexität bei der Halbleiterfertigung und der Bedarf an KI-Anwendungen, die über reine Grafikprozessoren (GPUs) hinausgehen, das Wachstum stützen. Zusammen mit dem US-Konkurrenten Teradyne beherrscht Advantest Schätzungen zufolge über 80 Prozent des Weltmarktes für automatische Testgeräte (ATE).

Jefferies & Co. bekräftigte heute eine Kaufempfehlung für die Aktie. Das Analysehaus sieht im Sektor der Testsysteme einen historischen Höchststand erreicht, da die Komplexität der Chips immer aufwendigere Prüfverfahren erfordert. Parallel dazu hob Advantest seine Prognose für den globalen Halbleiter-Testmarkt auf ein Volumen von 13 bis 14,5 Milliarden US-Dollar an.

An der Börse sorgten die Nachrichten heute für deutliche Kursgewinne. Die Advantest-Aktie notiert aktuell bei 163,00 €, was einem Plus von 8,68% entspricht. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertzuwachs damit auf beachtliche 52,51%. Trotz der jüngsten Rallye bleibt das Papier jedoch mit einem Abstand von 17,26% unter seinem 52-Wochen-Hoch von 197,00 €, das Ende Juni erreicht wurde.