Ein 200-Tonnen-Frachter im Look eines überdimensionierten Paketpost-Pakets — mit Versandetiketten und Handling-Aufklebern. So rollte Airbus das erste Testflugzeug seines neuen A350F-Frachters in Toulouse aus der Lackierhalle. Der Auftritt ist mehr als eine Marketing-Idee: Er markiert den Countdown zu einem Erstflug, der über Milliarden an Bestellwert entscheidet.

Erstflug im September, Zertifizierung 2027

Die Paket-Lackierung des A350F wurde am 19. August enthüllt. Nach Angaben von Branchenkennern strebt Airbus den Erstflug für etwa den 24. September an. Der Konzern selbst äußert sich vorsichtiger und spricht nur von „später im Jahr 2026“.

Der Zeitplan ist eng. Airbus visiert eine parallele Zulassung durch die europäische EASA und die amerikanische FAA nach den Sicherheitsstandards „Amendment 27“ an. Die Zertifizierung soll bis Mitte 2027 stehen, damit die ersten Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten können.

Das Testprogramm braucht laut Airbus rund zwölf Monate. Bei einem Erstflug Ende September bleibt für Boden- und Flugtests kaum Puffer bis zum Zertifizierungsziel. Jede Woche Verzögerung verkürzt das Zeitfenster direkt.

107 Festbestellungen vor dem ersten Flug

Der A350F sammelte bereits 107 Festbestellungen von 14 Kunden ein — und das, bevor die Maschine überhaupt geflogen ist. Zu den Käufern zählen Atlas Air, Etihad Airways, Singapore Airlines, Cathay Pacific, Turkish Airlines und Air China Cargo.

Airbus hält aktuell rund 54 Prozent aller Neubestellungen im Markt für große Frachtflugzeuge. Neue ICAO-Vorschriften ab 2028 dürften diesen Vorteil noch verstärken: Sie verlangen strengere CO2-Grenzwerte und zwingen Airlines dazu, ältere Frachtmodelle schneller auszutauschen.

Auslieferungen laufen, Kurs gibt nach

Im breiteren Liefergeschäft bleibt Airbus vorn. Bis Ende Juli 2026 verließen 418 Maschinen die Werke — deutlich mehr als die 367 Auslieferungen von Boeing im gleichen Zeitraum. Im Juli kamen zudem 204 Brutto-Bestellungen hinzu, befeuert von großen Abschlüssen auf der Farnborough Air Show.

Um das Jahresziel zu erreichen, muss Airbus zwischen August und Dezember im Schnitt 90,4 Maschinen pro Monat ausliefern. Das hält die monatlichen Lieferzahlen als Beobachtungsgröße im Fokus, parallel zum A350F-Testprogramm.

An der Börse zeigt sich davon bislang wenig Euphorie. Die Aktie notiert bei 203,85 Euro und liegt damit 7,9 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 221,25 Euro aus dem Januar. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,5 Prozent zu Buche — dennoch bleibt ein Plus von 32 Prozent seit dem März-Tief.

Morgan Stanley bleibt trotz der jüngsten Schwäche optimistisch. Die Bank bestätigte ihr „Overweight“-Rating und hob das Kursziel von 227 auf 255 Euro an.

Der Erstflug im September wird damit zum nächsten Test für diese Zuversicht. Bleibt das Testprogramm im Zeitplan, könnte der A350F wie geplant Mitte 2027 die Zulassung erhalten. Verzögerungen bei den Bodentests würden dagegen das ohnehin knappe Zertifizierungsfenster weiter verengen.