Airbus hat im ersten Halbjahr so viele Flugzeuge ausgeliefert wie seit Jahren nicht mehr. 351 Jets verließen die Werkshallen zwischen Januar und Juni. Das sind rund 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 306 Maschinen. Für den europäischen Flugzeugbauer ist das der beste Halbjahresstart seit 2019.
Allein im Juni übergab Airbus 89 Flugzeuge an seine Kunden. Zwei Faktoren trieben diesen Schub an: Der Konzern arbeitete einen Rückstau bei Auslieferungen nach China ab. Zusätzlich entspannte sich die Lage bei den Triebwerkslieferanten, deren Engpässe zuvor die Produktion gebremst hatten.
China treibt die Bestellungen
Chinesische Fluggesellschaften und Leasingfirmen haben in diesem Jahr bereits rund 200 Flugzeuge bei Airbus geordert. Im gesamten Jahr 2025 waren es etwa 150 Bestellungen. Diese Nachfrage aus China zählt zu den wichtigsten Stützen für das Auftragsbuch.
Insgesamt verkaufte Airbus zwischen Januar und Juni 887 Flugzeuge brutto. Nach Abzug von Stornierungen bleiben netto 822 Bestellungen übrig. Der Konzern hat sich intern das Ziel gesetzt, 2026 erstmals mehr als 900 Auslieferungen zu schaffen.
Offiziell bleibt die Jahresprognose vorerst bei 870 Maschinen. Bis zum Jahresende muss Airbus also noch rund 520 Flugzeuge ausliefern, um dieses Ziel zu erreichen. Angesichts des starken Junis wirkt das machbar, bleibt aber ambitioniert.
Analysten werden zuversichtlicher
Die Bank UBS bestätigte kürzlich ihre Kaufempfehlung für Airbus und hob das Kursziel deutlich an. Das geschah, obwohl der Konzern im ersten Quartal 2026 einen Rückgang verzeichnete: Der Umsatz fiel um sieben Prozent auf 12,651 Milliarden Euro, das operative Ergebnis brach um 53 Prozent auf 224 Millionen Euro ein.
Airbus-Chef Guillaume Faury erklärte die schwachen Quartalszahlen mit der damals noch niedrigeren Zahl an Auslieferungen. Die Verteidigungs- und Raumfahrtsparte habe die Schwäche im zivilen Geschäft teilweise aufgefangen. Das operative Umfeld bleibe dynamisch und komplex, so Faury.
Jefferies zeigt sich vorsichtiger. Die Bank erhöhte ihr Kursziel von 185 auf 200 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Hold“. Die Analysten sehen im europäischen Luftfahrt- und Rüstungssektor an anderer Stelle mehr Kurspotenzial.
An der Börse spiegelt sich die operative Erholung bereits wider. Die Airbus-Aktie schloss am Freitag bei 48,60 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen rund 6 Prozent zugelegt. Zum bisherigen Jahreshoch von 55,00 Euro aus dem Januar fehlen der Aktie aber noch knapp 12 Prozent.
Farnborough und Halbjahreszahlen im Blick
Zwei Termine dürften den weiteren Kursverlauf prägen. Vom 20. bis 24. Juli öffnet die Farnborough International Airshow in Hampshire ihre Tore. Veranstalter erwarten mehr als 1.400 Aussteller aus 41 Ländern und deutlich über 100.000 Besucher.
Airbus reist mit spürbarem Rückenwind bei den Bestellungen zur Messe an. Investoren werden beobachten, ob sich das verbesserte Auslieferungstempo dort in weitere Vertragsabschlüsse übersetzen lässt.
Am 29. Juli, um 19:30 Uhr MESZ, folgt dann die Analystenkonferenz zu den Halbjahreszahlen. Dort dürfte sich zeigen, ob Airbus das Tempo aus dem zweiten Quartal in die zweite Jahreshälfte mitnehmen kann – und wie realistisch der interne Ausblick von mehr als 900 Auslieferungen tatsächlich ist.
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