Airbus hat im Juli 2026 exakt 67 Flugzeuge ausgeliefert – genauso viele wie im Vorjahresmonat. Reuters berichtet, damit stehen für den Rest des Jahres im Schnitt rund 90 Auslieferungen pro Monat an, um das Jahresziel zu erreichen. Die Diskrepanz zwischen aktuellem Tempo und nötigem Tempo dürfte die Debatte um die Produktionsrampe in den kommenden Monaten prägen.
Seit Jahresbeginn kommt Airbus damit auf 418 ausgelieferte Maschinen. Beim Halbjahresbericht Ende Juli hatte der Konzern für das zweite Quartal 237 kommerzielle Auslieferungen gemeldet und das Jahresziel von rund 820 bis 870 Flugzeugen bekräftigt. Mit dem schwachen Juli-Wert rückt dieses Ziel spürbar in weitere Ferne, sollte sich das Auslieferungstempo nicht rasch beschleunigen.
Auftragsbücher füllen sich weiter
Auf der Bestellseite läuft es dagegen deutlich runder: Im Juli kamen 204 Bruttoaufträge hinzu, der Nettoauftragsbestand seit Jahresbeginn liegt laut Reuters bei 1.024 Maschinen, nach Anpassungen – darunter 15 stornierte A330neo im Zusammenhang mit dem Deal von AirAsia X über 150 A220 – bei 1.090. Zu den wichtigsten Kunden des Monats zählten SMBC Aviation Capital, China Eastern Airlines, flynas und Riyadh Air.
Airbus bestätigte zudem China-bezogene Order im Juli-Auftragseingang. Auch abseits der großen Bestellungen zeigt sich Nachfrage: Sun PhuQuoc Airways kündigte an, im laufenden Jahr die ersten vier Airbus A330-Großraumflugzeuge zu erhalten, vier weitere sollen 2027 folgen, da der Carrier sein internationales Streckennetz ausbaut.
Die Nachfrageseite bleibt damit ein Pluspunkt für Airbus, während die Lieferkette weiterhin der Engpass ist. Honeywell Aerospace erklärte, Lieferengpässe zwingen das Unternehmen dazu, Erstausrüstungslieferungen an Boeing und Airbus zu priorisieren – auf Kosten des margenträchtigeren Ersatzteilgeschäfts. Das unterstreicht, dass die Produktionshürden für Airbus nicht allein hausgemacht sind, sondern auch von Zulieferern mitverursacht werden.
Altlast in Großbritannien beglichen
Parallel zur operativen Diskussion hat Airbus einen juristischen Streitpunkt aus der Welt geschafft: Der Konzern zahlte gut 6,4 Millionen Pfund an die britischen Steuer- und Zollbehörden, um eine zwei Jahre laufende Untersuchung wegen Verstößen gegen Exportkontrollvorschriften beizulegen. Finanziell ist die Summe für einen Konzern dieser Größenordnung unbedeutend, signalisiert aber den Abschluss eines länger schwelenden Compliance-Themas.
Nach dem Juli-Zahlenwerk stufte Jefferies die Aktie mit einem Kursziel von 200 Euro als Hold ein und wertete den Liefer-Print als leicht unter den Erwartungen liegend.
Kurs bleibt nahe Rekordniveau
Trotz der verhaltenen Auslieferungszahlen notiert die Airbus-Aktie mit 215,75 Euro nur 2,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Januar. Der Kurs liegt damit rund 13 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 191,09 Euro – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Rekordbestellungen und das langfristige Nachfragebild stärker gewichten als das kurzfristige Lieferrisiko.
Ob sich das Tempo der Auslieferungen in den kommenden Monaten tatsächlich auf die nötigen rund 90 Maschinen pro Monat beschleunigt, dürfte darüber entscheiden, wie lange diese Diskrepanz zwischen operativer Realität und Kursverlauf Bestand hat.
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