Die europäische Luftfahrtindustrie steckt in einem schwierigen Fahrwasser. Geopolitische Krisen treiben die Kerosinpreise, Lieferketten stocken. Und mitten drin Airbus.

Der Konzern hat sich selbst ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 870 Auslieferungen im Jahr 2026. Das würde einen neuen Rekord bedeuten. Nach 793 Maschinen im Vorjahr wäre das ein Sprung, der es in sich hat.

Der enge Zeitplan

Die operative Logik ist knallhart. Um die Marke zu erreichen, müsste Airbus von Juni bis Dezember jeden Monat 84 Jets ausliefern. Im ersten Quartal waren es gerade mal 114 – rund 38 pro Monat.

Was bremst? Vor allem die Triebwerke für die A321XLR. Dazu kommen Engpässe bei Kabinen und Sitzen. Typische Probleme für die Branche.

Hinzu kommt ein hausgemachter Druck. Airbus hat ein milliardenschweres Sparprogramm gestartet: zehn Prozent weniger Kosten außerhalb der eigentlichen Produktion. Die Folge: weniger Spielraum.

Kunden zögern

Der Markt wird nicht leichter. Die IATA hat ihre Prognose für 2026 gesenkt. Nur noch 2,1 Prozent Wachstum bei den Passagierzahlen. Grund ist der Nahost-Konflikt mit seinen Folgen für die Treibstoffkosten.

Die Branche rechnet dieses Jahr mit 350 Milliarden Dollar Kerosinkosten. Das schmerzt. Manche Airlines verschieben ihre Expansionspläne.

Ein prominentes Beispiel: Air India wägt ab, ob sie Hunderte bestellte Maschinen – von Airbus und Boeing – auf Eis legt. Betriebsverluste und steigende Spritpreise belasten die Kalkulation.

Aufträge und Partnerschaften

Nichtsdestotrotz läuft das Tagesgeschäft weiter. Airbus Helicopters erhielt einen Auftrag aus Rumänien: zwölf Maschinen für den Katastrophenschutz. Sieben H160, fünf H145.

Auf der ILA Berlin gab es mehrere Ankündigungen. Die Lufthansa Group verlängert die Zusammenarbeit – 50 Jahre Partnerschaft. Airbus Defence and Space bekam einen 345-Millionen-Euro-Auftrag für Radarkomponenten des Copernicus-Satellitenprogramms.

Dazu neue Kooperationen: mit Diehl Defence für Luftverteidigung, mit Quantum Systems für Drohnenabwehr auf dem H145M.

Das Kurspotenzial

Die Stimmung bleibt verhalten. Seit Jahresbeginn verlor die Airbus-Aktie 9,4 Prozent. Der Kurs liegt bei 44,40 Euro. Das sind 19,3 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55 Euro.

Der RSI steht bei 55,5 – technisch neutral. Weder überkauft noch überverkauft.

Doch das eigentliche Thema sind die nächsten Monate. Airbus muss das Tempo massiv steigern. 84 Jets pro Monat bis Jahresende. Die Frage, ob das klappt, entscheidet über die Leistungsbilanz 2026. Ohne Schonfrist.