Bei Airbus in Spanien ist der Arbeitskampf am Mittwoch in eine neue Phase getreten. Beschäftigte lehnten das Angebot des Managements ab und nahmen die Streikaktionen wieder auf.
Gewerkschaften zufolge beteiligten sich rund 90 Prozent der berechtigten Mitarbeiter an dem Ausstand, den sie als Beginn eines unbefristeten Streiks bezeichnen. Zuvor hatten die Beschäftigten bereits 22 Tage im Juli gestreikt. Reuters berichtete, die Flugzeugproduktion sei bislang nicht beeinträchtigt.
Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage bestehen, wie lange der Konzern die Produktion vom Konflikt abschotten kann. Bislang gelingt genau das: Weder bei den Streiktagen im Juli noch bei der Wiederaufnahme in dieser Woche meldete Airbus Ausfälle in der Fertigung. Das ist die eigentliche Beruhigungsbotschaft für den Kapitalmarkt, denn Lieferverzögerungen bei Airbus schlagen unmittelbar auf Umsatz und Kundenvertrauen durch.
Zugeständnisse beim Homeoffice als Reaktion auf den Druck
Der Konflikt in Spanien hinterlässt bereits Spuren in der Unternehmenspolitik. Erst vor rund einer Woche war Airbus von einer strikteren Präsenzpflicht im Büro abgerückt. Nach Protesten erlaubte der Konzern den Beschäftigten, ihre bestehenden Hybridregelungen mit rund zwei Homeoffice-Tagen pro Woche zu behalten.
Die Kehrtwende folgte laut Reuters auf den gewerkschaftlichen Druck und die Streiks in den spanischen Werken. Auch hier betonte der Konzern, die Produktion sei nicht betroffen gewesen.
Die Kombination aus wiederaufgenommenem Streik und vorangegangenem Nachgeben beim Homeoffice zeigt, dass Airbus dem sozialen Konflikt Zugeständnisse macht, ohne die operative Kernleistung zu gefährden. Das dürfte auch die Verhandlungsstrategie für die kommenden Wochen prägen: Personalpolitische Kompromisse ja, Produktionsdisziplin nein.
Operatives Geschäft läuft parallel weiter
Während in Spanien gestreikt wird, treibt Airbus andernorts seine Wachstumsprojekte voran. In Belfast begann vor rund einer Woche der Bau einer 6.221 Quadratmeter großen Erweiterung der Flügelfertigung, die den Hochlauf der A220-Produktion unterstützen soll. Das Projekt ist Teil eines größeren, mehrere Millionen Pfund schweren Investitionsplans am Standort.
Auch beim Großprojekt A350F hält Airbus an seinem Zeitplan fest: Reuters berichtete, der Konzern habe intern Ende September als Termin für den Erstflug des Frachtflugzeugs angepeilt. Airbus selbst verwies lediglich auf die bestehende Prognose, wonach der Erstflug noch in diesem Jahr erfolgen und die erste Auslieferung in der zweiten Jahreshälfte 2027 stattfinden soll.
Die Kundenseite signalisiert derweil Zuversicht in die Lieferfähigkeit: United Airlines erklärte, ausreichend A321XLR-Auslieferungen für die geplante Europa-Expansion im kommenden Sommer zu erwarten und verknüpfte damit die eigene Streckenplanung direkt mit dem Airbus-Lieferplan.
Aktie bewegt sich seitwärts auf erhöhtem Niveau
An der Börse zeigt sich der Streik bislang kaum in den Kursbewegungen. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 206,85 Euro und liegt damit rund 5,2 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch aus Januar bei 221,25 Euro trennen das Papier noch 6,5 Prozent.
Solange die Produktion vom Arbeitskonflikt unberührt bleibt, dürfte der Streik für die Bewertung zweitrangig bleiben – entscheidend wird sein, ob sich das bei einem unbefristeten Ausstand so halten lässt.
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