Airbus steht auf zwei Hochzeiten — und auf beiden läuft nicht alles rund. Das Rüstungsgeschäft wächst, doch im lukrativen Schmalrumpfsegment häufen sich die Probleme. Die Aktie spiegelt diese Zerrissenheit wider.

Diehl-Pakt stärkt das Rüstungsgeschäft

Auf der ILA Berlin Air Show unterzeichneten Airbus Defence and Space und Diehl Defence am 10. Juni eine vertiefte Kooperationsvereinbarung. Kern ist die integrierte Luft- und Raketenabwehr — ein Bereich, der seit dem russischen Angriff auf die Ukraine massiv an Bedeutung gewonnen hat.

Die Partnerschaft ist keine neue Erfindung. Beide Unternehmen arbeiten bereits beim IRIS-T SLM zusammen, einem bodengestützten Mittelstreckensystem. Airbus liefert die Führungs- und Kontrollsysteme, Diehl die Effektoren und Abschussrampen. Das System ist bereits in acht Ländern im Einsatz — darunter Deutschland, Schweden und die baltischen Staaten.

Airbus-Defence-Chef Michael Schoellhorn betonte, man verbinde ein NATO-zertifiziertes Führungssystem mit der bewährten IRIS-T-Familie. Das Ziel: ein vollvernetzter Schutzschirm, der mit den NATO-Anforderungen skaliert.

A320neo-Verzögerungen belasten das Kerngeschäft

Das Rüstungsgeschäft wächst — das kommerzielle Flugzeuggeschäft kämpft. Airbus hat Kunden informiert, dass Auslieferungen der A320neo-Familie für 2027 und 2028 um einige Monate verschoben werden. Besonders betroffen ist die A321neo, das meistgefragte Modell der Familie.

Die Ursachen sind bekannt: Engpässe bei Triebwerken von Pratt & Whitney und fehlende Kabinenkomponenten. Das Timing ist ungünstig. Die Nachfrage nach kraftstoffsparenden Jets bleibt stark, während Boeing seinen Ausstoß langsam wieder hochfährt.

Im ersten Quartal lieferte Airbus weniger Flugzeuge als geplant. Die Jahresprognose für 2026 bleibt dennoch unverändert.

Qantas-Meilenstein mit Verspätung

Auf der Breitseite gibt es Fortschritte. Am 2. Juni absolvierte die erste A350-1000ULR ihren Erstflug in Toulouse — drei Stunden und 43 Minuten, Reiseflughöhe knapp über 41.000 Fuß. Das Flugzeug ist für Qantas bestimmt und soll Nonstop-Verbindungen von Sydney nach New York und London ermöglichen. Fast 10.000 Seemeilen, bis zu 22 Stunden Flugzeit.

Ursprünglich sollte die erste Maschine noch 2026 ausgeliefert werden. Airbus verschob den Termin auf April 2027 — erneut wegen Lieferkettenproblemen. Qantas erhält stattdessen das zweite Serienflugzeug, das sich laut Airbus bereits in einem fortgeschrittenen Montagestadium befindet.

Aktie knapp über dem 50-Tage-Schnitt

Die Aktie schloss gestern bei 43,00 Euro — ein Minus von gut zwölf Prozent seit Jahresbeginn. Vom 52-Wochen-Hoch bei 55,00 Euro trennt den Kurs noch ein Abstand von knapp 22 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 42,83 Euro; die Aktie hält sich gerade noch darüber.

Solange die Produktionsengpässe im Schmalrumpfsegment anhalten, bleibt der Kurs ein Abbild der Unsicherheit. Der wachsende Rüstungsauftragsbestand federt das ab — aber ersetzen kann er das Kerngeschäft nicht.