Airbus hat am 19. August die erste A350F-Frachtmaschine in Fracht-Lackierung präsentiert. Der Erstflug des neuen Frachtflugzeugs soll um den 24. September stattfinden, wie Reuters berichtete. Für Anleger ist das Programm ein wichtiger Baustein im Wachstumsplan des Konzerns abseits des Kerngeschäfts mit Passagierjets.
107 Festbestellungen von 14 Kunden
Der A350F-Auftragsbestand umfasst nach Angaben von Reuters mittlerweile 107 Festbestellungen von 14 Kunden. Zwischen dem geplanten Erstflug und dem Serienstart bleibt dem Hersteller nach eigener Einschätzung ein rund einjähriges Test- und Zertifizierungsprogramm. Das ist ambitioniert, denn der Frachtmarkt honoriert Zuverlässigkeit bei Zeitplänen besonders stark – Kunden aus der Logistikbranche kalkulieren ihre Flottenpläne oft Jahre im Voraus.
Der Zeitplan lässt wenig Puffer für Verzögerungen, wie sie bei Zertifizierungsprogrammen in der Luftfahrtbranche keine Seltenheit sind. Gelingt der Übergang von Erstflug zu Zertifizierung reibungslos, könnte Airbus mit dem A350F ab kommendem Jahr in ein Segment vorstoßen, das bislang stark von älteren Frachtermodellen und umgebauten Passagierjets geprägt ist.
Auslieferungen bleiben auf Kurs
Der Frachterentwicklung hilft im Hintergrund eine solide operative Basis: Bis Ende Juli hatte Airbus nach Zahlen von Forecast International 418 Flugzeuge ausgeliefert und damit im laufenden Jahr die Führung im Duell mit Boeing gefestigt. Allein im Juli wurden 67 Maschinen übergeben. Vom Jahresziel von 870 Auslieferungen hat der Konzern damit knapp die Hälfte erreicht.
Auf der Bestellseite verzeichnete Airbus im Juli 204 Bruttoaufträge, getragen von umfangreichen Zusagen für Schmal- und Großraumflugzeuge rund um die Farnborough Air Show. Ende Juli hatte der Konzern zudem seine Jahresprognose bestätigt: rund 870 Auslieferungen, ein bereinigtes EBIT von 7,5 Milliarden Euro und ein freier Cashflow vor Kundenfinanzierung von 4,5 Milliarden Euro.
Tarifgespräche in Spanien mit vorsichtigem Optimismus
Auf der Personalseite zeichnet sich unterdessen eine leichte Entspannung ab. Edmundo Otero, Generalsekretär der Gewerkschaft UGT bei Airbus, sprach gegenüber Reuters von „Elementen, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben“ – etwa bei der inflationsbereinigten Bezahlung.
Zugleich forderte er von Airbus mehr Klarheit in den laufenden Verhandlungen. Der Konzern hatte zuvor seine Pläne zum Abbau von Homeoffice-Regelungen nach Protesten und Streiks in spanischen Werken abgeschwächt.
Aktie konsolidiert nach Rekordnähe
An der Börse hat sich die Airbus-Aktie zuletzt seitwärts bewegt. Am Freitag schloss das Papier bei 202,40 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Tage ergibt sich ein Rückgang von 1,0 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 221,25 Euro, erreicht am 13. Januar, notiert der Titel derzeit 8,5 Prozent entfernt – ein Abstand, der angesichts der laufenden operativen Fortschritte bei Auslieferungen und dem Frachterprogramm für Anleger als moderate Verschnaufpause nach der starken Rekordphase interpretierbar ist. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche.
Für die kommenden Wochen dürfte der Blick der Anleger auf den 24. September gerichtet sein: Gelingt der Erstflug des A350F wie geplant, wäre das ein weiterer Beleg dafür, dass Airbus sein Wachstumsprogramm trotz der Belastungen durch die Tarifauseinandersetzungen in Spanien im Zeitplan hält.
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