Noch läuft das Geschäft für Airbus. Der Auftragsbestand ist prall gefüllt, die Auslieferungen laufen – und die Aktie notiert mit 50,50 Euro nur gut acht Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Doch eine unerwartete Regulierungsaktion der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA wirft Fragen auf.

Zwangsinspektion für den A380

Die EASA hat für 16 Airbus A380-Maschinen eine sofortige Inspektion angeordnet. Der Grund: mögliche Risse im mittleren Holm der Tragfläche. Ein Flugverbot ist damit zwar nicht verbunden, der Schritt ist aber ungewöhnlich für den Doppeldecker-Jet, dessen Produktion 2021 auslief.

Airbus-Chef Guillaume Faury zeigte sich verärgert über die regulatorische Schärfe. Er bezeichnete das europäische Regelungsumfeld als überbordend. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen weiter mit Lieferketten-Engpässen – ein Erbe der A380-Ära, das nicht verschwindet.

Software statt Mechanik

Parallel treibt Airbus ein milliardenschweres Modernisierungsprojekt voran: die „Next-Generation System Platform“ (NGSP). Der Plan: Flugzeuge erhalten eine softwaredefinierte Architektur, die Updates wie beim Smartphone erlaubt. Weniger Wartungszeit, KI-gestützte Pilotenassistenz – das sind die Versprechen.

Die Hürden sind hoch. Ingenieure ringen mit Cybersecurity-Vorgaben und neuen Zertifizierungsprozessen. Das Konzept ähnelt dem, was Militärmaschinen wie die Saab Gripen E bereits können.

Marktposition und Ausblick

Die Aktie legte auf Wochensicht 4,77 Prozent zu, im Monatsverlauf sogar 20,24 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 72,6 – Anzeichen für anhaltendes Interesse, aber auch für eine technisch überkaufte Lage. Der 50-Tage-Durchschnitt von 44,49 Euro wird um 13,51 Prozent übertroffen.

Abseits der Regulierung läuft das operative Geschäft: Airbus lieferte einen Sonderlackierungs-A350 aus, arbeitet mit der Ukraine-Plattform Brave1 an Verteidigungstechnik und baut seine Präsenz im indischen Markt aus. Ob die Riss-Problematik weitere Kreise zieht, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.