Die Airbus-Aktie ist in den vergangenen Wochen tief in den Bärenmarkt gerutscht. Abseits der Kursschwäche baut der europäische Flugzeugbauer sein Geschäftsmodell strategisch um. Mit der Bündelung seiner digitalen Dienste zu einer neuen Tochtergesellschaft greift der Konzern den margenstarken Dienstleistungssektor an. Gleichzeitig nutzt das Unternehmen die anhaltende Schwäche des US-Rivalen Boeing, um im wichtigen Frachter-Segment die Marktführerschaft zu übernehmen.

Neues Standbein abseits der Produktion

Unter dem Namen Skywise hat Airbus Anfang April seine bisherigen digitalen Datenlösungen und die Navigationsexpertise von Navblue in einer einzigen Gesellschaft vereint. Rund 750 Mitarbeiter sollen künftig Flug- und Bodenbetriebe für Airbus- sowie Fremdflotten optimieren.

Das Management bezeichnet diesen Schritt als strategischen Schwenk. Der digitale Sektor gilt als das am schnellsten wachsende Segment im gesamten Dienstleistungsmarkt der Luftfahrt. Das Ziel ist klar: Airbus will unabhängiger vom reinen Flugzeugverkauf werden und regelmäßige Einnahmen durch Datenanalyse und Flottenmanagement generieren.

Frachter-Dominanz und Lieferketten-Sorgen

Auch im Kerngeschäft verschieben sich die Gewichte. Nach einer Großbestellung der Frachtfluggesellschaft Atlas Air über 20 A350F-Maschinen Mitte März kontrolliert Airbus nun 60 Prozent der Aufträge für die nächste Frachter-Generation. Boeing leidet in diesem einst dominierten Segment spürbar unter den Nachwehen der 737-MAX-Krise und Produktionsstopps beim Modell 787.

An der Börse honorierten Anleger diese operativen Erfolge zuletzt kaum. Der Aktienkurs fiel seit dem Jahreshoch von 220 Euro um mehr als 27 Prozent auf rund 157 Euro. Auslöser für den Abverkauf war ein verhaltener Ausblick im Februar, der den Kurs unter die wichtige technische Marke von 190 Euro drückte. Für das laufende Jahr peilt das Management rund 870 Auslieferungen an. Der Konzern kämpft weiterhin mit Engpässen in der Lieferkette, insbesondere bei Triebwerken von Pratt & Whitney.

Wichtige Termine im April

Neue Impulse für den Aktienkurs stehen bereits in den kommenden Wochen an. Am 14. April stimmt die Hauptversammlung in Amsterdam über eine Dividende von 3,20 Euro je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr ab. Zwei Wochen später, am 28. April, präsentiert Airbus die Zahlen für das erste Quartal. Diese Daten werden den Investoren zeigen, ob sich die Auslieferungsdynamik im Vergleich zur bisherigen Jahresprognose verbessert hat.