Auf der ILA in Berlin hat CEO Guillaume Faury heute offen ausgesprochen, was Anleger schon länger befürchten: Das Produktionsziel von 75 Maschinen der A320neo-Reihe pro Monat bis Ende 2027 steht erneut auf der Kippe.
Der Engpass sitzt beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Die RTX-Tochter liefert schlicht nicht genug Getriebefan-Turbinen. „Das frustriert mich, denn wir hatten einen guten Plan“, sagte Faury und machte damit die Abhängigkeit von einem einzigen Zulieferer erneut öffentlich sichtbar — ein ungewöhnlicher Schritt in einer Branche, die Lieferantenprobleme sonst intern klärt. Pratt & Whitney hatte bereits tausende bereits ausgelieferte Turbinen wegen Materialfehlern zurückrufen müssen, was die Produktion von Ersatzteilen und neuer Ware gleichermaßen belastete.
Volle Bücher, gebremste Produktion
Für 2026 plant Airbus rund 870 Auslieferungen über alle Modellreihen hinweg — etwas mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Angesichts des prall gefüllten Auftragsbestands wäre mehr möglich, wenn die Zuliefererkette mitspielte. Immerhin: Trotz des Iran-Kriegs und gestiegener Kerosinpreise hat bislang keine einzige Fluggesellschaft Bestellungen storniert oder verschoben.
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Das unterstreicht die Stärke der Nachfrageseite — das strukturelle Problem liegt klar auf der Angebotsseite.
FCAS-Aus eröffnet neue Wege
Parallel läuft die Debatte über die Zukunft des europäischen Kampfjet-Programms FCAS. Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron haben das gemeinsame Kampfjet-Projekt mit Airbus und Dassault Aviation heute faktisch für gescheitert erklärt. Jahrelange Unstimmigkeiten über Führungsanteile und unterschiedliche militärische Anforderungen — Frankreich braucht trägergestützte und atomwaffenfähige Flugzeuge, Deutschland nicht — ließen keine Einigung zu. Das mehr als 100 Milliarden Euro schwere Gesamtprogramm wird in seiner ursprünglichen Form nicht kommen.
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Airbus Defence and Space reagierte selbstbewusst. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Pretzl drängt auf eine schnelle politische Entscheidung und betont, dass die Fähigkeiten für einen eigenständigen deutschen Kampfjet vorhanden seien. Als mögliche neue Partner gilt vor allem Schweden mit dem Rüstungskonzern Saab. Ein Teil des FCAS-Projekts — die Vernetzung verschiedener Waffensysteme in einer „Combat Cloud“ — soll weiterlaufen. Mitte Juli wollen beide Verteidigungsministerien einen neuen Arbeitsplan vorlegen.
Für Airbus ist das Scheitern von FCAS zwar ein politischer Rückschlag, öffnet aber zugleich die Tür für neue Konstellationen im lukrativen Rüstungsgeschäft. Wie schnell daraus konkrete Aufträge entstehen, entscheidet sich beim deutsch-französischen Ministerrat im Juli.
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