Starke Nachfrage, aber leere Werkshallen – bei Airbus klaffen Anspruch und Realität derzeit weit auseinander. Auf der Hauptversammlung riss CEO Guillaume Faury der Geduldsfaden. Der europäische Luftfahrtkonzern verschiebt sein wichtigstes Produktionsziel um Jahre nach hinten und macht dafür öffentlich einen einzigen Zulieferer verantwortlich.

Abrechnung mit Pratt & Whitney

Das langjährige Ziel, monatlich 75 Maschinen der A320neo-Familie zu bauen, ist vorerst vom Tisch. Airbus rechnet nun erst für 2028 mit dieser Marke. Bis Ende 2027 peilt das Management lediglich 70 bis 72 Flugzeuge pro Monat an. Faury nannte den Schuldigen auf der Hauptversammlung beim Namen: Pratt & Whitney. Der Triebwerkshersteller könne seine Lieferzusagen nicht einhalten, was die Prognose für 2026 direkt belaste.

Auch der parallele Einsatz von LEAP-Triebwerken des Konkurrenten CFM International fängt die Lücke nicht auf. Airbus prüft laut Insidern bereits Schadensersatzforderungen gegen Pratt & Whitney, um die finanziellen Ausfälle abzufedern.

Tiefpunkt bei den Auslieferungen

Die Quittung für diese Engpässe lieferte das erste Quartal. Mit nur 114 übergebenen Verkehrsflugzeugen verzeichnete Airbus den schwächsten Jahresauftakt seit über zwei Jahrzehnten. Diese Schwäche verschiebt das Machtgefüge in der Branche. Erstmals seit der 737-MAX-Krise zog Boeing mit 143 Auslieferungen im selben Zeitraum wieder an den Europäern vorbei. Zwar eroberte Airbus im März mit 60 Maschinen die monatliche Führung zurück, das Quartalsergebnis bleibt jedoch stark beeinträchtigt.

Volle Auftragsbücher, schwacher Kurs

An der Nachfrage mangelt es indes nicht. Allein im März sammelte Airbus 331 Bruttobestellungen ein, darunter Großaufträge des Leasinggebers AerCap und der China Eastern Airlines. Die Börse honoriert diesen Auftragsbestand aktuell kaum. Die Airbus-Aktie notiert bei 42,80 Euro und verzeichnet damit seit Jahresbeginn ein Minus von 12,65 Prozent. Mit einem RSI-Wert von 10,9 gilt das Papier technisch als extrem überverkauft. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 54,50 Euro beträgt mittlerweile über 21 Prozent.

Strategische Vollbremsung

Auch bei Zukunftsprojekten tritt das Management auf die Bremse. Airbus verschiebt die Markteinführung seines wasserstoffgetriebenen „ZEROe“-Flugzeugs um bis zu ein Jahrzehnt nach hinten. Statt des ursprünglichen Ziels für 2035 konzentriert sich die Forschung nun auf kleinere Konzepte und Brennstoffzellen. Für den Rest des Jahres 2026 ordnet Faury alles einem einzigen Ziel unter: Die Stabilisierung der Lieferkette muss gelingen, um die reduzierten Auslieferungsziele für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen.