Airbus zieht die Trennung von seiner US-Raumfahrtsparte in Betracht. Der Konzern prüft den Verkauf der Fertigungsanlage in Merritt Island, Florida, samt der Kleinsatelliten-Baureihe „Arrow“, um sich stattdessen auf eine europäische Satellitenallianz mit Leonardo und Thales zu konzentrieren. Das berichtete die Financial Times am Montag.
Der Schritt fügt sich in eine bereits laufende Neuausrichtung der Raumfahrtsparte ein. Bereits am 29. August hatte die Sparte Airbus Defence and Space eine strategische Überprüfung ihrer US-Satellitenfertigung eingeleitet, nachdem die Produktion der nächsten Generation von OneWeb-Breitbandsatelliten künftig am Hauptstandort Toulouse gebündelt werden soll.
Beide Entscheidungen laufen auf dasselbe Ziel hinaus: Airbus will seine Fertigungsstruktur im Weltraumgeschäft straffen und stärker auf Europa ausrichten, statt sie über den Atlantik zu verteilen.
Belastete Aktie trotz operativer Fortschritte
Die Aktie bekommt von dieser strategischen Neuausrichtung bislang keinen Rückenwind. Das Papier notiert bei 195,22 Euro und liegt damit rund 12 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das Anfang Januar erreicht wurde.
Zugleich bleibt die Distanz zum 52-Wochen-Tief von 154,50 Euro beträchtlich: Der Kurs liegt gut ein Viertel darüber. Der Titel notiert derzeit auch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 198,83 Euro, was auf einen kurzfristig angeschlagenen Trend hindeutet.
Dabei zeigt sich das operative Geschäft robust. Airbus lieferte im August 47 Verkehrsflugzeuge an 31 Kunden aus und verbuchte 46 neue Bruttobestellungen, wie Medienberichten zufolge aus Branchenkreisen zu erfahren war. Die Auftragslage bleibt damit lebendig, auch wenn Lieferkettenprobleme und Arbeitskonflikte in Spanien den Konzern weiterhin unter Druck setzen.
Neue Aufträge und ein wichtiger Erstflug stehen an
Auf der Nachfrageseite meldete Airbus in der vergangenen Woche zwei bemerkenswerte Bestellungen. Cathay Pacific bestellte fest 30 Langstreckenjets vom Typ A330-900neo im Rahmen ihrer Flottenmodernisierung. Die lettische Fluggesellschaft airBaltic orderte zehn zusätzliche A220-300, mit denen sie ihre Strategie als reiner Einflottenbetreiber fortsetzt.
Parallel dazu rückt ein industrieller Meilenstein näher: Der Erstflug des Frachtflugzeugs A350F ist für die dritte Augustwoche September 2026 in Toulouse terminiert, erste Auslieferungen sollen Ende 2027 folgen.
In Belfast hat Airbus zudem mit dem Bau einer rund 6.200 Quadratmeter großen Erweiterung der Flügelfertigung begonnen, um die Produktion des A220 bis 2028 auf 13 Maschinen pro Monat zu steigern.
Auf der regulatorischen Seite verschärft die US-Luftfahrtbehörde FAA ihre Anforderungen an Bestandsflotten: Zwei finale Lufttüchtigkeitsanweisungen für die A320-Familie sowie für A318, A319, A320 und A321 treten zum 1. Oktober 2026 in Kraft und betreffen Frachttüren sowie Fahrwerksklappen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die strategische Fokussierung auf Europa im Raumfahrtgeschäft signalisiert langfristige Portfoliobereinigung, während das Kerngeschäft mit Verkehrsflugzeugen trotz Lieferdruck neue Aufträge einsammelt. Die kurzfristige Kursschwäche spiegelt eher Nervosität um die Liefertermine als eine grundsätzliche Zweifel am Geschäftsmodell wider.
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