Der europäische Flugzeugbauer beschleunigt zum Ende des dritten Quartals das Tempo in den Werken. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters übergab der Konzern im September vorläufig bis zu 72 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden. Das Analysehaus Jefferies hatte im Vorfeld lediglich mit 68 Auslieferungen gerechnet.

Am Markt stieß das Zwischenergebnis auf Wohlwollen. Die Airbus-Aktie legte zum Wochenschluss am Freitag um 1,9 Prozent auf 189,90 Euro zu. Das offizielle Lieferergebnis für den abgelaufenen Monat will das Unternehmen am 8. Oktober veröffentlichen.

Qualitätsnachbesserungen belasten die Montage

Hinter den Kulissen kämpft der Flugzeugbauer jedoch weiter mit operativen Hürden. Wie am Freitag bekannt wurde, dämmte Airbus einen Oberflächenschutzmangel an Rumpfbauteilen des Modells A321neo ein. Von dem Problem an den betroffenen Rumpfversteifungen sind insgesamt rund 500 Flugzeuge betroffen.

Die Hälfte dieser Maschinen befindet sich bereits im regulären Liniendienst, die restlichen Einheiten stehen noch in den Werken. Nach Unternehmensangaben besteht kein Sicherheitsrisiko für den Flugbetrieb.

Eine technische Abhilfe erfordere keine Demontage der Teile, zudem verzichtete die europäische Luftfahrtbehörde EASA auf ein Flugverbot. Um Übergaben trotz kürzerer Wartungsintervalle zu sichern, bot der Konzern betroffenen Fluggesellschaften kommerzielle Zugeständnisse an.

Zusätzlich ordnete der Konzern Kontrollen an rund 160 Langstreckenjets der Reihe A330 an. Anlass für die Überprüfung war ein Werkzeugfund im Höhenleitwerk einer Maschine Anfang des Jahres. Neu montierte Flugzeuge verlassen die Hallen laut Unternehmensangaben bereits nach erfolgter Prüfung.

Hohe Hürden für das Jahresziel

Die Engpässe hinterlassen spürbare Spuren in den Fertigungsplänen. Wegen kumulierter Verzögerungen und Engpässen bei Triebwerken verschob der Hersteller rund 20 Maschinen aus dem abgelaufenen dritten Quartal in das Jahresende.

Um das angepeilte Jahresziel von rund 870 Verkehrsflugzeugen noch zu erreichen, steht Airbus nun vor dem anspruchsvollsten Schlussquartal der Unternehmensgeschichte. Lars Wagner, Leiter der Verkehrsflugzeugsparte, äußerte sich zu diesem Kraftakt zuversichtlich. Anleger bleiben angesichts der industriellen Herausforderungen vorsichtig: Mit dem jüngsten Kursstand notiert das Papier 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Umbauten im Kontrollgremium

Parallel zum operativen Endspurt stellt sich die Führungsebene für die kommenden Jahre auf. Am Donnerstag übernahm Amparo Moraleda den Vorsitz im Verwaltungsrat, nachdem René Obermann sein Mandat niedergelegt hatte.

Zugleich holte das Kontrollgremium den Chef des Halbleiterausrüsters ASML, Christophe Fouquet, als neues Mitglied an Bord. Auf der Hauptversammlung im April 2027 soll zudem der Chef des Reifenherstellers Michelin, Florent Menegaux, zur Wahl in das Aufsichtsgremium vorgeschlagen werden. Diese Personalien gelten am Markt auch als Vorbereitung auf die längerfristige Führungsausrichtung des Luftfahrtkonzerns.