Airbus, Walmart & DAX: Wenn Ausblicke enttäuschen und 25.000 Punkte zur Zerreißprobe werden

Enttäuschende Geschäftsausblicke von Airbus und Walmart belasten die Märkte, während der DAX um die 25.000-Punkte-Marke kämpft und steigende Ölpreise die Stimmung trüben.

Airbus, Walmart & DAX: Wenn Ausblicke enttäuschen und 25.000 Punkte zur Zerreißprobe werden
Kurz & knapp:
  • Airbus-Aktie stürzt nach gedrosselter Produktionsprognose ab
  • Walmart warnt mit Umsatz- und Gewinnprognose unter Erwartungen
  • DAX verliert psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke
  • Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise auf Sommer-2025-Hoch

Liebe Leserinnen und Leser,

320 Milliarden Dollar Börsenwert – so viel verlor Amazon in nur neun Handelstagen, bevor die Aktie diese Woche erstmals wieder Lebenszeichen zeigte. Doch die Erholung währte kurz. Am Donnerstag rückt ein anderes Bild in den Vordergrund: Airbus stürzt nach enttäuschendem Ausblick ab, Walmart dämpft die Erwartungen, und der DAX kämpft erneut um die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Konsolidierungstag aussieht, offenbart bei genauerem Hinsehen ein Muster: Anleger strafen jene Unternehmen gnadenlos ab, deren Prognosen nicht mit den hochgesteckten Erwartungen mithalten können. Gleichzeitig steigen die Ölpreise auf den höchsten Stand seit Sommer 2025 – getrieben von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Heute zeigt sich, wie schnell Optimismus in Vorsicht umschlagen kann.

Airbus im Sturzflug: Triebwerksmangel bremst Wachstumsfantasie

Eigentlich hätte es ein guter Tag für Airbus werden können. Das Schlussquartal 2025 fiel solide aus, die Zahlen stimmten. Doch dann kam der Ausblick – und mit ihm die Ernüchterung. Der Flugzeugbauer muss den Produktionshochlauf der meistverkauften Modellreihe A320 drosseln, weil der US-Hersteller Pratt & Whitney keine feste Zusage für die dringend benötigten Triebwerke gemacht hat. Analysten hatten mit deutlich mehr Flugzeugauslieferungen gerechnet, als Airbus nun in Aussicht stellt. Die Folge: Die Aktie verlor am Donnerstag zeitweise über 6 Prozent und markierte den tiefsten Stand seit Anfang Dezember.

Was hier sichtbar wird, ist ein strukturelles Problem. Airbus kann noch so viele Aufträge in den Büchern haben – wenn die Lieferketten nicht mitspielen, bleibt das Wachstum Theorie. Für Anleger bedeutet das: Der Produktionsausbau, auf den viele gesetzt hatten, verzögert sich weiter. Und in einem Markt, der zunehmend nervös auf enttäuschte Prognosen reagiert, wird aus einer konservativen Guidance schnell ein Kursrutsch. Airbus ist damit das jüngste Beispiel einer Serie von Unternehmen, die zwar operativ liefern, aber mit ihrem Ausblick die Erwartungen verfehlen.

Walmart warnt, Amazon erholt sich – und die Frage nach der Konsumstärke bleibt

Während Airbus mit Lieferkettenproblemen kämpft, sendet Walmart ein Signal, das Anleger in den USA aufhorchen lässt. Der Einzelhandelsriese, der Anfang Februar als erstes US-Unternehmen die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert überschritt, prognostiziert für das laufende Jahr Umsatz und Gewinn unterhalb der Wall-Street-Erwartungen. Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel rund 3 Prozent. Für einen Konzern, der als Barometer für die Konsumstärke der amerikanischen Mittelschicht gilt, ist das ein Warnsignal.

Interessanterweise zeigt Amazon, das nach neun Verlusttagen in Folge am Dienstag und Mittwoch wieder zulegen konnte, am Donnerstag erneut Schwäche. Die Aktie verlor vorbörslich zeitweise 0,4 Prozent. Der Grund für die jüngste Volatilität: Amazons Rekordinvestitionen von 200 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur haben den freien Cashflow von 38,2 Milliarden Dollar auf 11,2 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Morgan Stanley bleibt zwar optimistisch und bestätigt das Kursziel von 300 Dollar, doch die Unsicherheit bleibt. Hinzu kommt: Warren Buffetts Berkshire Hathaway hat seinen Amazon-Anteil im vierten Quartal 2025 um rund 77 Prozent reduziert – ein Schritt, der in der Anlegergemeinschaft für Aufsehen sorgte.

Was beide Geschichten verbindet: Die Märkte sind im Jahr 2026 weniger bereit, auf Vertrauensbasis zu investieren. Wer nicht liefert – oder wessen Ausblick Zweifel weckt – wird abgestraft. Und das gilt nicht nur für Einzelwerte, sondern zunehmend auch für ganze Indizes.

DAX unter Druck: 25.000 Punkte bleiben eine harte Nuss

Der deutsche Leitindex hatte am Mittwoch noch mit einem Tageshoch von 25.315 Punkten den höchsten Stand seit Mitte Januar erreicht und sich damit dem Rekordhoch von 25.507 Punkten angenähert. Doch am Donnerstag folgte die Ernüchterung. Der DAX rutschte zeitweise unter die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke und notierte am Mittag bei 25.059 Zählern – ein Minus von 0,87 Prozent. Belastend wirkten neben Airbus auch die steigenden Energiepreise und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.

Die USA verlegen derzeit eine massive Luftstreitmacht in die Region – die schlagkräftigste Truppe seit der Invasion des Irak 2003. Präsident Trump erhöht damit den Druck auf den Iran bei den laufenden Atom- und Abrüstungsgesprächen. Die Märkte reagieren nervös: Europäische Erdgaspreise kletterten am Donnerstag um rund 5,7 Prozent, Öl der Sorte Brent legte auf 71,14 Dollar je Barrel zu. Händler befürchten, dass eine Eskalation die LNG-Ströme durch die Straße von Hormus stören könnte – eine Hauptverkehrsader für Flüssiggas aus Katar, dem zweitgrößten Exporteur weltweit.

Für den DAX bedeutet das: Die 25.000-Punkte-Marke bleibt vorerst eine Hürde. Zwar zeigten sich Rüstungswerte wie Rheinmetall (+2,9 Prozent) und Hensoldt (+1,5 Prozent) robust, doch die Breite fehlt. Immobilienwerte wie Vonovia (+1,6 Prozent) profitierten von einer Hochstufung durch Morgan Stanley, doch das reichte nicht, um den Index zu stabilisieren. Anleger stellen sich zunehmend defensiver auf – und das in einem Umfeld, in dem die US-Notenbank im Protokoll ihrer jüngsten Sitzung betonte, dass mehrere Mitglieder offen für Zinserhöhungen wären, sollte die Inflation nicht zurückgehen. Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen schwindet weiter.

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Krypto unter Druck: Fed-Protokoll bremst Bitcoin aus

Auch der Kryptomarkt spürt die Folgen der hawkishen Fed-Signale. Bitcoin verlor am Donnerstag 0,67 Prozent und notierte bei 66.891 Dollar – rund 47 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.198 Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Ethereum fiel um über 1 Prozent auf 1.962 Dollar, XRP verlor 3,8 Prozent. Der Grund: Das Fed-Protokoll offenbarte, dass mehrere Mitglieder eine mögliche Zinserhöhung nicht ausschließen, sollte die Inflation nicht wie erwartet zurückgehen. Für Krypto-Anleger, die auf eine lockerere Geldpolitik gesetzt hatten, ist das ein Dämpfer.

Hinzu kommen Abflüsse aus US-gelisteten Bitcoin- und Ethereum-Spot-ETFs. Am Mittwoch verzeichneten Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von 133 Millionen Dollar, Ethereum-ETFs verloren 42 Millionen Dollar. Der CMC Fear and Greed Index, der die Stimmung im Kryptomarkt misst, steht bei 11 – ein Wert, der „extreme Angst“ signalisiert. Zum Vergleich: Vor einem Tag lag der Wert bei 12. Die Richtung ist klar: Die Unsicherheit nimmt zu.

Dabei hatte der Kryptomarkt Anfang des Jahres noch auf eine Fortsetzung der Rallye gehofft. Doch die Realität sieht anders aus. Solange die Fed keine klaren Signale für Zinssenkungen sendet und die geopolitischen Risiken hoch bleiben, dürfte der Weg nach oben steinig bleiben. Für Anleger, die auf eine schnelle Erholung gesetzt hatten, ist das eine bittere Pille.

Bayer zwischen Hoffnung und Realität: Trumps Glyphosat-Dekret und die Folgen

Ein Unternehmen, das in dieser Woche besonders im Fokus stand, ist Bayer. Am Dienstag hatte die Aktie zeitweise über 7 Prozent zugelegt, nachdem US-Präsident Trump eine Executive Order unterzeichnet hatte, die Glyphosat zur nationalen Sicherheit erklärt. Das Dekret stellt fest, dass die Verfügbarkeit von Glyphosat-basierten Herbiziden für die militärische Bereitschaft und die Sicherung der US-Nahrungsmittelversorgung unabdingbar sei. Für Bayer, das mit seiner Tochter Monsanto der einzige nennenswerte Produzent von Glyphosat in den USA ist, bedeutet das eine Bestandsgarantie.

Doch die Euphorie währte kurz. Am Mittwoch folgte ein Abverkauf von 7 Prozent, am Donnerstag notierte die Aktie nahezu unverändert bei 45,91 Euro. Marktbeobachter warnen davor, die politische Flankierung als Freifahrtschein zu interpretieren. Zwar könnte das Dekret Bayers rechtliche Position in zukünftigen Verfahren stärken, doch die Genehmigung des geplanten Sammelvergleichs von bis zu 7,25 Milliarden Dollar steht noch aus. Und selbst wenn der Vergleich genehmigt wird, bleibt die Frage, ob die Roundup-Rechtsstreitigkeiten damit endgültig vom Tisch sind.

Für Anleger bleibt Bayer ein Hochrisiko-Investment. Die Aktie ist volatil, die rechtlichen Unsicherheiten groß, und die operative Performance reicht allein nicht aus, um das Vertrauen zurückzugewinnen. Wer hier investiert, sollte sich bewusst sein, dass die nächste Wendung nur eine Schlagzeile entfernt ist.

Was die Woche noch bringt

In den kommenden Tagen rücken weitere Quartalszahlen in den Fokus. Am 23. Februar legt Hims & Hers seine Ergebnisse vor – ein Unternehmen, das zuletzt mit seinem GLP-1-Pillen-Angebot für Schlagzeilen sorgte, aber nach Kritik der FDA und einer Klage von Novo Nordisk zurückrudern musste. Am 26. Februar folgt die Allianz mit ihren vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2026. Analysten erwarten einen Quartalsgewinn je Aktie von 7,41 Euro – eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Zudem steht am Freitag der PCE-Bericht an, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Die Märkte werden genau hinschauen, ob die Inflation tatsächlich zurückgeht – oder ob die hawkishen Töne aus dem Fed-Protokoll Realität werden.

Eines ist klar: Die Zeiten, in denen Anleger auf Vertrauensbasis investierten, sind vorbei. Wer nicht liefert, wird abgestraft. Und wer enttäuscht, verliert schnell das Vertrauen der Märkte. In einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, steigenden Energiepreisen und einer restriktiven Geldpolitik geprägt ist, zählt nur noch eines: Substanz.

Bis morgen,
Andreas Sommer

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