Aixtron macht Ernst mit dem neuen Standort in Malaysia. Der Chipausrüster hat die aktive Rekrutierungsphase gestartet, während sich der Aktienkurs nach einer heftigen Korrektur der letzten Wochen stabilisiert. Ein hochrangiger Besuch aus Kuala Lumpur unterstreicht, wie wichtig der Standort für die Wachstumsstrategie ist.
Malaysias Investitionsbehörde kommt nach Herzogenrath
Am 22. Juli 2026 empfing die Aixtron-Führung Datuk Sikh Shamsul Ibrahim am Hauptsitz in Herzogenrath. Er leitet MIDA, die malaysische Investitionsbehörde. Der Besuch sollte die im Mai vereinbarte Expansion in Penang konkret vorantreiben.
Einen Tag später, am 23. Juli, folgte die nächste Ankündigung. Aixtron sucht jetzt aktiv Personal für den neuen Standort. Rund 150 Stellen in Produktion und Engineering sollen entstehen.
Die neue Fabrik liegt im Bandar Cassia Technology Park. Ab Ende 2027 soll sie zusätzliche Kapazitäten für Anlagen zur Abscheidung von Verbindungshalbleitern liefern – konkret für GaN, SiC und InP.
Zwei Barrieren, ein Geschäftsmodell
Aixtron verknüpft die Malaysia-Investition direkt mit dem KI-Boom. Das Unternehmen sieht seine Technologie als Antwort auf zwei technische Engpässe der Branche.
Die erste Barriere nennt Aixtron „AI Power Wall“. Rechenzentren brauchen für KI-Chips enorme Mengen Strom. Leistungselektronik auf Basis von Galliumnitrid und Siliziumkarbid soll die Energieumwandlung effizienter machen.
Die zweite Barriere heißt „AI Data Wall“. KI-Modelle benötigen extrem hohe Bandbreiten für den Datentransfer. Optische Verbindungen auf Indiumphosphid-Basis sollen das leisten.
Ein Engpass bleibt allerdings bestehen. Die kurzfristige Versorgung mit InP-Substraten dürfte laut Marktbeobachtern erst Mitte 2027 vollständig gelöst sein.
Analysten uneins über die Bodenbildung
Die Aixtron-Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 26 Prozent verloren. Das Analysehaus MWB Research reagierte am 20. Juli mit einem Upgrade von „Sell“ auf „Hold“. Das Kursziel von 40 Euro liegt fast exakt auf dem aktuellen Niveau von 40,91 Euro.
JPMorgan sieht deutlich mehr Potenzial. Die US-Bank bekräftigte Mitte Juli ihre „Overweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 70 Euro. Begründung: ein starkes zweites Quartal und Rückenwind durch asiatische Kunden im Bereich Optoelektronik.
Die Einschätzungen könnten kaum weiter auseinanderliegen. Zwischen dem MWB-Kursziel und JPMorgans Prognose liegen 30 Euro – fast drei Viertel des aktuellen Aktienkurses.
Halbjahreszahlen als nächster Test
Am 30. Juli legt Aixtron den Bericht zum ersten Halbjahr vor. Im Fokus steht der Auftragseingang für das zweite Quartal. Die Prognose lag bisher bei über 200 Millionen Euro.
Der RSI von 39,2 zeigt die Aktie derzeit in neutraler Zone, nähert sich aber dem überverkauften Bereich. Die annualisierte Volatilität von gut 80 Prozent signalisiert hohe Nervosität im Sektor – kein Wunder angesichts der Kursschwankungen der letzten Wochen.
Der Bericht am 30. Juli wird zeigen, ob Aixtron die Erwartungen beim Auftragseingang erfüllt. Bestätigt sich die Prognose von über 200 Millionen Euro, dürfte das die Debatte zwischen den Analysten neu befeuern.
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