Die Kapitalerhöhung über umgerechnet rund 10,2 Milliarden US-Dollar wirft bei Analysten Fragen auf. Bernstein-Analyst Robin Zhu senkte am heutigen Dienstag sein Kursziel für Alibaba von 180 auf 165 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Zhu kritisierte Zeitpunkt und Optik der Transaktion: Warum greift ein Konzern mit über 30 Milliarden US-Dollar Nettoliquidität an den Kapitalmarkt?

Die Aktie notiert aktuell bei 96,60 Euro und büßt am Tag 0,8 Prozent ein. Seit dem 50-Tage-Durchschnitt von 101,51 Euro hat sich das Papier damit weiter entfernt, ein Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Wochen.

Frischer Kapitalzufluss für KI-Ausbau

Alibaba hatte Ende August ein Follow-on-Angebot über 710 Millionen in Hongkong notierte Stammaktien zu je 112,70 Hongkong-Dollar abgeschlossen, was einem Gesamtvolumen von rund 80,02 Milliarden Hongkong-Dollar entspricht.

Der Konzern will das frische Kapital in den globalen Ausbau von KI- und Cloud-Infrastruktur stecken. Genau dieser Schritt sorgt nun für Diskussionen unter Analysten, da Alibaba nach eigenen Angaben über erhebliche Cash-Reserven verfügt.

Nicht alle Analysten sehen die Emission kritisch. Bank of America-Analystin Joyce Ju bestätigte am heutigen Dienstag ihre Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 172 auf 175 US-Dollar. Bereits Ende August hatte Susquehanna sein Ziel von 185 auf 190 US-Dollar angehoben. Die Kursziel-Spanne zwischen den Häusern bleibt damit trotz unterschiedlicher Bewertung der Kapitalmaßnahme insgesamt optimistisch.

Schwache Quartalszahlen als Hintergrund

Der Hintergrund der Diskussion um die Kapitalerhöhung sind schwächere Geschäftszahlen. Im Quartal zum 30. Juni 2026 sank der Non-GAAP-Nettogewinn um 38 Prozent auf 20,715 Milliarden Renminbi gegenüber dem Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITA brach um 30 Prozent auf 27,329 Milliarden Renminbi ein, was der Konzern vor allem mit Investitionen in Technologie begründet.

Gegenläuft dazu entwickelte sich das Cloud-Geschäft: Die Cloud Intelligence Group wuchs im selben Quartal um 34 Prozent auf 39,8 Milliarden Renminbi, KI-bezogene Produkte verzeichneten bereits das neunte Quartal in Folge dreistelliges Wachstum.

Insider kaufen trotz Kursschwäche

Ein bemerkenswertes Signal kam Ende August von der Unternehmensspitze selbst: Mitgründer Joseph Tsai erwarb 720.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 14,29 US-Dollar, CEO Eddie Wu kaufte 350.000 Aktien zu durchschnittlich 14,24 US-Dollar. Insgesamt sicherten sich Führungskräfte damit mehr als 1,1 Millionen Aktien im Wert von rund 15,3 Millionen US-Dollar.

Parallel dazu läuft eine Sammelklage in den USA, die Investoren betrifft, die Alibaba-Wertpapiere zwischen dem 26. Juni 2025 und dem 24. Juni 2026 erworben haben. Anträge auf die Position des Lead Plaintiff müssen bis zum 5. Oktober 2026 beim zuständigen Gericht eingereicht werden. Die nächsten Quartalszahlen will Alibaba am 1. Dezember 2026 veröffentlichen.